Olten

Wo «Aareklänge» auf katalanische Volkslieder und arabische Melodien trafen

Anderthalb Stunden lang musizierte Michael Erni auswendig und mit viel Spielfreude.

Anderthalb Stunden lang musizierte Michael Erni auswendig und mit viel Spielfreude.

Der Oltner Gitarrenvirtuose Michael Erni überzeugte mit einem vielseitigen Weihnachtskonzert und wartete dabei mit überraschenden Eigenkompositionen auf. Anderthalb Stunden lang musizierte er mit grosser Spielfreude.

In einem besinnlichen Weihnachtskonzert präsentierte der bekannte Gitarrenvirtuose Michael Erni Ausschnitte aus seiner neuen CD «The Lost Toccata». Dies ist gleichzeitig auch der Name einer neuen Eigenkomposition, die er zu Beginn des gut besuchten Konzertes vortrug.

Auf einer Reise ins Südtirol fiel ihm am Reschensee ein alter Kirchturm auf, der einsam aus dem See ragte. Er erfuhr, dass der See im Jahre 1950 durch eine Stauung entstanden war, die ohne Rücksicht auf die betroffene Bevölkerung ausgeführt wurde. Diese Tragödie hat Erni zu einem grossartigen Tongemälde inspiriert. Neue Klänge und virtuose Passagen, von schroffen Sforzati unterbrochen, illustrieren das dramatische Geschehen. Der Schluss ist ruhig und verträumt.

Aus der Feder des spanischen Komponisten Antonio Cano (1811- 1897) stammt «El delirio». Das zarte romantische Tremolostück wirkte wie ein südländisches Volkslied mit Mandolinenklängen. Erni skizzierte darauf kurz die Lebensgeschichte von Fernando Sor (1778–1839), der teils durch politische Umstände in Barcelona, Paris, London und Moskau wirkte.

Seine Variationen über das Volkslied «Marlbrough s’en va-t-en guerre» sind voll von genialen melodischen Einfällen. Grosse Virtuosität war auch im «Grande Solo» gefragt, einem dramatischen Werk des gleichen Komponisten. Leichtfüssig erklangen darauf seine «Variationen über ein Thema aus Mozarts Zauberflöte».

Gleich vier Werke von Eduardo Sainz de la Maza (1903–1982) hat Michael Erni auf seiner neuen CD eingespielt. Als Einstieg erklang das liebliche katalanische Volkslied «Canço del lladré». Farbig und bewegt wirkte darauf «Campanas del Alba». Während «Paseo» für den Virtuosen ein Spaziergang war, stellte der «Bolero» wieder grössere Anforderungen an den Interpreten. Mit kräftigen Schlägen wurde dieses Stück eingeleitet. Immer wieder wurde darauf die Melodie durch perkussive Einwürfe aus dem Gleichgewicht gebracht, wie es in der spanischen Volksmusik beliebt ist.

Arabische Melodien eingebaut

Mit «Aareklänge» stand darauf eine weitere Eigenkomposition von Michael Erni auf dem Programm. Dieses als Arpeggio-Etüde angelegte Stück ist harmonisch interessant, aber nicht um jeden Preis neutönerisch, stets der Melodie verpflichtet. Ähnlich wie Smetanas «Moldau» beschreibt dieses Werk den Flussverlauf der Aare.

Den Abschluss des Konzertes machte die Eigenkomposition «Fantasia Morisca». Erni würdigt in diesem Werk den grossen Einfluss der maurischen Kultur auf diejenige Spaniens. Einige Jahrhunderte hatten die Nordafrikaner mit islamischen Wurzeln in Spanien das Sagen. Ihre Kultur war damals auf dem Höhepunkt und hat heute noch Auswirkungen auf viele Bereiche.

Als Einstieg zu diesem Werk überraschte Erni die Zuhörer mit einer typisch arabischen Melodie. Man glaubte sogar, eine «Oud» zu hören, das orientalische Saiteninstrument, von dem der Name «Laute» stammt. Zwischen europäischen und orientalischen Klängen entdeckt der Hörer auch Melodien aus «La Traviata» und «Hoffmanns Erzählungen».

Grosse Spielfreude

Die Zuhörer waren vom Spiel Michael Ernis begeistert, er hat anderthalb Stunden mit grosser Spielfreude auswendig musiziert und dabei alle Facetten seines Instrumentes gezeigt. Flageolets, halsbrecherische Läufe, Arpeggios und klangliche Finessen der Gitarre standen dabei stets im Dienste der Musikalität und waren keine Show-Effekte.

Eine Eigenkomposition mit Variationen über «Happy Birthday» setzte als Zugabe den virtuosen Schlusspunkt unter dieses vielseitige Weihnachtskonzert des Oltner Gitarristen Michael Erni.

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