Vor einem Monat ist die Anlaufstelle für leere Ladenflächen, die bei der Wirtschaftsförderung angesiedelt ist, gestartet: Haben sich bereits Interessenten gemeldet?

Rolf Schmid: Anfragen erhielten wir von insgesamt acht Parteien: Deren vier wollen ein leeres Lokal zwischen nutzen lassen, von deren vier hatten wir eine Anfrage für eine Zwischennutzung. Das heisst nun aber nicht, dass die beiden Seiten jeweils gleich zusammenpassen.

Was für Anfragen gab es konkret?

Es gibt Leute, die haben bereits einen Onlineshop und wollen nun in einem Lokal ihre Waren präsentieren. Zum anderen gibt es auch Anfragen für Zwischennutzungen während des Weihnachtsgeschäfts.

Können Sie bereits einen Erfolg vermelden?
In einem Fall bin ich zuversichtlich, aber die Sache ist noch nicht ganz spruchreif. Es handelt sich um ein prominentes Lokal in der Innenstadt. An den anderen arbeiten wir noch. Ob dies dann als Erfolg vermeldet wird, werden wir sehen. Es geht vor allem darum, dass die Gewerbefläche besetzt ist.

Selbst Stadtpräsident Martin Wey findet inzwischen, dass es sehr auffällig ist, wie viele Ladenlokale in der Stadt leer stehen: Was hat die Wirtschaftsförderung für ein Patentrezept dagegen?
Zuerst einmal müssen wir akzeptieren, dass es mit dem Onlinehandel und dem veränderten Konsum- und Freizeitverhalten grundsätzliche Änderungen beim Gewerbe gibt und dass nicht den alten Zeiten nachgetrauert wird. Daraus müssen wir Schlüsse ziehen, was das für die Innenstädte und übrigens auch für die anderen Gemeinden heisst.

Welche Schlüsse sind das?
Die Innenstadt und das Dorfzentrum sollen ein Ort sein, wo die Leute gerne hingehen. Aber Einkaufen wird nur noch ein Teil davon sein, was sie dort tun. Es geht immer mehr auch ums Erlebnis und die Begegnung. Wichtig ist, dass Eigentümer, Gewerbler und die Stadt sich dessen bewusst sind und zusammen aktiv werden, wie dies etwa bei der Anlaufstelle für leere Ladenlokale in Zusammenarbeit mit uns und dem Gewerbeverein passiert ist. Dafür setze ich mich derzeit sehr stark ein. Und es freut mich, dass der Stadtpräsident da mitzieht und unterstützt.

Welches sind denn mögliche Massnahmen?
Als Erstes müssen wir die Leute wieder in die Stadt holen. Das kann mit Events wie dem Street Food Cinema, aber eben auch mit Laden-Zwischennutzungen geschehen. Wir dürfen auch Neues ausprobieren und von anderen Städten, die zum Teil schon etwas weiter sind, lernen. Zum anderen sollten wir auch zu den bestehenden Gewerblern Sorge tragen. Ein eigentliches Patentrezept gibt es aber nicht.

Vermehrt werden leere Lokale von Dienstleistungsbetrieben wie Yogastudios oder Vereinen genutzt. Was halten Sie davon?
Es ist fast schon eine logische Folge des vorhin erwähnten veränderten Freizeit- und Konsumverhaltens, dass sich der Nutzungsmix der Gewerbeflächen im Erdgeschoss anpasst. Grundsätzlich freue ich mich über jedes besetzte Ladenlokal. Auch ein Yogastudio bringt Leute in die Stadt und ist ein attraktives Angebot. Allerdings muss der Mix stimmen. Es darf nicht nur Dienstleistungsbetriebe in der Innenstadt geben. Die wesentlichste Veränderung ist aber folgende: Früher haben die Besitzer von Stadtliegenschaften das Geld mit der Ladenmiete verdient und die Wohnungsmieten waren eine schöne Zugabe. Heute ist es eher umgekehrt: Beim Ladengeschoss sind die Eigentümer froh, wenn sie jemanden finden, städtisches Wohnen hingegen ist sehr attraktiv.

Im Herzen der Innenstadt stehen mit dem Kunst- und Naturmuseumsgebäude zwei Liegenschaften der Stadt schon respektive bald leer. Welche Nutzung ist Ihr Wunsch?
Mein wichtigstes Anliegen ist das der Frequenz: Es sollte eine Nutzung sein, die Leute in die Innenstadt bringt. Ich könnte mir markthallenmässig eine Nutzung mit mehreren Gewerblern vorstellen. Der Trend geht in diese Richtung: Man kommt weg von den grossen Ladenflächen hin zum kleinen Vielfältigen. Da liegt für uns als Kleinstadt die Chance. Auch das Risiko ist für den einzelnen Gewerbler so tiefer: Er benötigt weniger Ladenfläche, zahlt eine tiefere Miete und braucht weniger Personal.

Soll die Stadt Olten selbst mit einem Angebot wie etwa der Stadtbibliothek in den genannten Liegenschaften präsent sein?
Die Idee, im Kern die Stadtbibliothek, kombiniert mit zusätzlichen privaten Anbietern, hätte Charme. Ich könnte mir das von der Stossrichtung her durchaus vorstellen.

Das Parkierungsreglement, mit dem Parkplätze stärker bewirtschaftet und zum Teil verschwunden wären, wurde Anfang Jahr vom Volk abgelehnt, das Parkleitsystem hingegen wird bald eingeführt. Braucht es aus Ihrer Sicht zusätzlich ein neues Parkhaus?
Ich bin mir nicht sicher, ob ein Parkhaus in den nächsten Jahren politisch eine realistische Chance hat. Aus Sicht des Detailhandels wäre ein zentrumsnahes Parkhaus begrüssenswert. Wichtig ist jedoch, dass wir die bestehenden Parkplätze nicht abbauen und diese mit dem Parkleitsystem besser vermarkten. Auch neue Ideen, wie die Bewirtschaftung der Parkplätze entsprechend den Ladenöffnungszeiten und abends dann darauf Stühle rauszustellen, wären prüfenswert. Oder Private könnten ihren Parkplatz in der Innenstadt bei Nichtgebrauch via App der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

Im Zusammenhang mit dem Parkierungsreglement wurde dem Stadtrat zum Teil vorgeworfen, er sei zuwenig wirtschaftsfreundlich. Wie sehen Sie das?
Die Stadt ist wirtschaftsfreundlich. Ich wünschte mir manchmal aber etwas mehr Sensibilität für die Anliegen der Unternehmer und der Gewerbler, die Risiken eingehen und Leute beschäftigen. Es sieht oft so aus, dass da zwei Kulturen aufeinanderprallen, die beide das Beste wollen, aber keine gemeinsame Sprache finden. Da kann auch ich vonseiten der Wirtschaftsförderung noch stärker zum gegenseitigen Verständnis beitragen. Ein Beispiel ist, wie bei Baumassnahmen oder Anlässen in der Stadt mit den Gewerblern kommuniziert wird.

Die Wirtschaftsförderung führt mehrere Projekte, die eingeschlafen oder etwas ins Stocken geraten sind. Beispiele dafür sind Swissbiolabs oder Wohnregion Olten. Was ist der Grund dafür?
Dass sie eingeschlafen sind, ist eine falsche Wahrnehmung. Das Label Swissbiolabs, das durch einen eigenen Verein getragen wird, lebt stärker als auch schon. Wir haben dem Projekt mit einem neuen Partner neuen Schub gegeben (siehe Box rechts, Anm. der Redaktion). Beim Projekt Wohnregion Olten haben wir unsere Aktivitäten weitergeführt, etwa die Zusammenarbeit mit Immobilienverwaltern und -entwicklern. Aber es ist so, es gibt noch Luft nach oben. Ideen mussten bisher auch wegen des budgetlosen Zustands der Stadt hintenanstehen.

Ihr Vorgänger Urs Blaser hatte fürs Jahr 2018 einen Marketing-Gag angekündigt.
Ich weiss nicht, was Urs Blaser gemeint hat, aber eine Marketingidee habe auch ich. Das Projekt ist allerdings derzeit nicht prioritär. Zudem habe ich noch nicht alle 34 Gemeinden besucht, die einen wichtigen Teil des Projekts ausmachen. Die will ich einbeziehen. Aber Wohnregion Olten braucht es auch weiterhin, weil wir vor allem bei den Altbauten doch einen gewissen Leerstand aufweisen. Zudem ist es ein gutes Projekt, um uns als Region zu positionieren. Vor allem auch, weil die Mietzinse der Wohnungen attraktiver sind als in umliegenden Regionen und bei uns Eigentum noch bezahlbar ist.

Verzettelt sich die Wirtschaftsförderung da nicht in zu vielen Einzelprojekten?
(Überlegt lange.) Wir haben tatsächlich die Aufgabe, mit unseren Ressourcen haushälterisch umzugehen. Andererseits stemmen wir die Projekte oft nicht allein, sondern zusammen mit Partnern – zum Beispiel die Ladenanlaufstelle führen wir zusammen mit Gewerbe Olten. Das ist ein grosser Vorteil, weil wir so den Einfluss des Projekts vergrössern. Aber es ist so: Alles in Einklang zu bringen – also die Aufgaben, die Erwartungen und die Ressourcen – das ist eine Herausforderung.

Dazu kommt, dass Sie nur zu 40 Prozent angestellt sind als Wirtschaftsförderer. Reicht dies aus Ihrer Sicht aus, um diesem Job gerecht zu werden?
Mehr ist nicht immer besser. Aber es ist eine grosse Herausforderung. Wahrscheinlich sind es manchmal mehr als die 40 Prozent, die ich fürs Mandat unterwegs bin. Aber ich will keine Ansprüche stellen und versuche, das Beste aus den 40 Prozent herauszuholen.

Wie hoch müsste der Job prozentmässig dotiert sein?
Das kann ich so nicht sagen. Ich arbeite aufgabenorientiert und lege fest, was mit diesen 40 Prozent gemacht werden kann. Reicht das der Trägerschaft und der Politik nicht, müssen wir das neu bestimmen. Es liegt nicht an mir, mehr Stellenprozente zu fordern. Aber es passiert natürlich bereits jetzt, dass ich auch mal Nein sagen muss und zum Beispiel eine Einladung nicht wahrnehmen kann.

Der Solothurner Regierungsrat hat kürzlich die neue Steuervorlage 17 präsentiert: Statt 13 Prozent, wie mit der vom Volk abgelehnten Vorwärtsstrategie, sollen Firmen künftig rund 16 Prozent zahlen. Wie sehen Sie dieses Geschäft aus Sicht der regionalen Firmen?
Die Vorwärtsstrategie der Regierung hat für positive Aufmerksamkeit gesorgt. Dieses positive Zeichen wird mit der neuen Vorlage schon abgeschwächt. Aus Sicht der Wirtschaftsförderung ist der Steuersatz wichtig und hat einen Leuchtturmcharakter, aber es gibt mit der günstigen Immobiliensituation, der guten Erreichbarkeit, den kurzen Wegen zu den politischen Behörden sowie dem guten Kultur- und Freizeitangebot noch andere Standortvorteile der Region Olten. Dieses Gesamtpaket muss stimmen und daran arbeite ich.

Gibt es Anzeichen, dass Firmen wegen der neuen Vorlage aus der Region abwandern könnten?
Bis zu mir sind diese bisher nicht gedrungen. Aber das heisst nicht, dass es sie nicht gibt. Zum einen machen sich Firmen diese Gedanken nicht in der Öffentlichkeit. Zum anderen ändern Unternehmen ihre Strategie aufgrund politischer Entscheide – ob positiv oder negativ aufs Geschäft auswirkend – nicht von heute auf morgen. Es handelt sich eher um längere Prozesse. Bei einer Vorwärtsstrategie hätte man Geduld haben müssen, bis sich Firmen hier angesiedelt hätten. Umgekehrt ziehen Firmen nicht gleich weg, sondern investieren hier vielleicht weniger oder die Region Olten schneidet bei Standortevaluationen etwas schlechter ab.

Sie sind jetzt etwas mehr als ein Jahr Wirtschaftsförderer: Wie gut aufgestellt sind die Firmen in der Region Olten?
Die grosse Mehrheit ist sehr gut aufgestellt. Das positive wirtschaftliche Umfeld derzeit hilft dabei. Es gibt in der Region einige «hidden champions», also kleinere und mittelgrosse Firmen, die einen super Job machen wie etwa die Seilbahnherstellerin CWA in Olten oder die Vivell Schwimmbadtechnik in Kappel. Aber auch, was grosse Firmen wie die SBB hier leisten, ist toll.

Und welche Herausforderungen gibt es bei den regionalen Firmen?
Was den Firmen hier am meisten zu schaffen macht, ist der Fachkräftemangel. In diesem Bereich bietet die Wirtschaftsförderung Unterstützung an. Vor kurzem haben wir etwa einen Stammtisch für Neuzugezogene initiiert, die zum Teil kaum Deutsch sprechen und sich nun einmal pro Monat in Englisch austauschen. Das ist zwar nur ein kleines Mosaiksteinchen, aber es hilft den Firmen: Sie können sagen, hier findet ihr auch als fremdsprachige Neuankömmlinge Anschluss.

Was beschäftigt die Firmen in der Region zusätzlich?
Eine weitere grosse Herausforderung ist die Digitalisierung, die jedes Unternehmen betrifft. Mit den Breakfast Meetings versuchen wir, die Leute zu vernetzen und Wissen zu vermitteln. Auch der Innovationsdruck ist für alle Firmen da. Und mit dem steten Kostendruck kämpft ebenfalls jeder: Der Onlinehandel nimmt zu, es entstehen neue Geschäftsmodelle oder der Schweizer Franken wird wieder stärker und setzt den Exportfirmen zu.