Olten
«Wirklich spannend ist die Geschichte hinter dem Objekt»

Erstmals geht die grosse Antik-Messe in der Oltner Stadthalle über die Bühne. Das Stadttheater als Austragungsort wird nur zum Teil vermisst. 90 Aussteller sind präsent.

Urs huber
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Besucher am Stand von Caesar Kauz aus Wil/SG (rechts) bei «schneuggen» in Silber- und Goldschmuck.

Besucher am Stand von Caesar Kauz aus Wil/SG (rechts) bei «schneuggen» in Silber- und Goldschmuck.

Bruno Kissling

Man kann sich durchfragen, durch die Reihen der rund 90 Aussteller, welche die heurige 32. Antik-Messe in Olten bestücken. Die Antworten sind immer in etwa dieselben: «Ob sich der Umzug gelohnt hat, wird sich erst am Sonntagabend zeigen.» Punkt. Und mit «lohnen» meinen die Protagonisten natürlich – die Umsätze. Nur hin und wieder gibt einer zu verstehen, dem alten Austragungsort, dem Stadttheater drunten in der Innenstadt, ein wenig nachzutrauern. «Die Ambiance dort war natürlich schon eine spezielle», sagt Möbelrestaurator und Lokalmatador Andreas Borner aus Rickenbach, in Olten zum 17. Mal dabei. Aber, so räumt er ein, der Anlass sei für ihn dennoch eine Plattform für beste Werbung und Kundenpflege. Gut ein Drittel der von ihm geladenen Kunden würden die Veranstaltung besuchen. «Manchmal lassen sich so alte Kontakte neu beleben», weiss Borner. Und womöglich biete der neue Standort auch die Möglichkeit, neue Kundenkreise zu erschliessen. «In der Umgebung der Stadthalle ist in letzter Zeit doch viel gebaut worden», stellt er fest.

Tja, der Umzug. Organisator Jakob Brand kennt die Gründe dafür. Zum einen waren die Mietpreise im Stadttheater zu hoch, zum andern gabs das ewige Problem mit den Parkplätzen. «Hier oben zahlen wir rund die Hälfte und haben erst noch vernünftig Parkraum zur Verfügung», berichtet der «Chef sur place» aus Möriken und Mann der ersten Stunde der Veranstaltung in Olten. Nun zahlen die Organisatoren eine höhere vierstellige Summe, drunten in der Stadt wars eine tiefere fünfstellige. Der langen Rechnerei kurzer Sinn: «Es wurde einfach zu teuer», so Brand. Dafür konnte man die Zahl der Anbieter steigern. Warens in der Innenstadt gut 60, so warten heute 30 mehr auf Kundschaft. Und weil unter den Anbietern auch Sammler sind, gehen selbst diese noch auf Objektjagd. So wie der Herr aus dem aargauischen Spreitenbach, der seinen Namen partout nicht nennen will, aber immerhin verrät, dass er Objekte aus dem Mittelalter sucht. Was für welche? «Ja, etwa einen Kienspanhalter oder dann auch Waffen; Haushaltgegenstände generell», brummt er doch eher abweisend in den Bart. Hobbymässig betreibe er das Antikgeschäft, mehr nicht. Und dann sagt er noch, er gelte als anerkannte Autorität seines Fachs. «Denn was ich anfasse, das erachten andere als generell wertvoll.» Aha, jä so.

Auch Ulrich Bracher aus Strengelbach gehört als Hobbysammler zu jenen, die gewisse Objekte aus ihrem Fundus zum Verkauf anbieten. «Ich sammle vor allen Dingen Pigeon-Lampen», sagt der ehemalige Poststellenleiter Oftringens. Die Objekte stammen aus dem späteren 19. Jahrhundert, «alle Stücke funktionstüchtig», wie er sagt. Der Markt dafür finde sich allerdings eher in Frankreich. Just zu dem Land hat der Mann nämlich eine Affinität entwickelt und dort auf den verschiedenen «Puces» (gemeint sind Flohmärkte) die Schätze zusammengetragen. «Ich repariere natürlich auch», sagt er noch. Zu Hause weiss er eine Menge an Ersatzteilen. «Denn», so Bracher; «ganz häufig sind die Lampen, wenn man denn überhaupt noch welche findet, nicht mehr komplett.» Da sei es hilfreich, auf ein Reservoir an passenden Ersatzteilen zurückgreifen zu können. Die Frage, wie lange denn eine dieser Pigeon-Lampen brenne, beantwortet er mit dem Griff nach einem kleineren Exemplar, auf deren Standfuss, gleichzeitig Brennstoffreservoir, säuberlich eingraviert geschrieben steht: «12 heures». «Voilà», sagt Bracher, der sich zwar nur ungern von seinen Sammlungsstücken trennt, aber zu Hause halt auch nicht Platz à discrétion hat. Immerhin: Von vier, fünf Stück würde er sich, wie er sagt, eigentlich «nie trennen».

«was alt und toll ist, sammle ich», sagt Elisabeth Flury, ebenfalls Hobbysammlerin aus Rothrist. Und sie weiss, dass diese Maxime natürlich eine individuell eingefärbte ist. Wie Bracher ist sie erstmals in Olten dabei. Aber seit einem Vierteljahrhundert sammelt die Frau nach obig genanntem Leitsatz. «Es ist klar, mit der Zeit verändert sich die Optik; man könnte fast sagen: Man wird anspruchsvoller», gibt sie zu verstehen. Was vor Jahren noch von Bedeutung war, verliert im Laufe der Jahre an individuellem Wert. Man müsse sich eben auch trennen können, findet sie. «Wissen Sie, heute habe ich lieber ein gutes Stück als zehn mittelmässige», sagt die ambitionierte Aargauerin. Denn je länger sie sich mit den Objekten beschäftige, desto mehr würde die Geschichte dahinter interessieren. «Jedenfalls mir geht es so», schiebt sie hinterher. Und apropos Veränderungen: Aktuell habe sie ein Faible für Weihnachtsschmuck und darauf deutet auch ihre Auslage hin, die aber ebenso von Puppen und Stofftieren gespickt ist.

Berufshalber erstmals in Olten anwesend ist Ursula Ritschard aus Bern. Querbeet sei ihr Sortiment, meint sie und zählt dann aber doch auf: «Uhren, Bilder, Porzellan.» Seit 30 Jahren am Markt glaubt die Bernerin, dass die Preise am Sinken seien. «Jedenfalls bei den Möbeln», erklärt sie. Kämen heute Enkel vorbei mit irgendwelchen Stücken aus dem Nachlass ihrer Grosseltern und würden auf das erhalten gebliebene Zertifikat mit Wertangabe zeigen, gebe es jeweils lange Gesichter. «Man muss ihnen dann sagen, dass diese Zeiten für den Moment eher vorbei sind», sagt die Bernerin. Der Ansicht ist auch Jakob Brand. «Die Preise sind nicht mehr so wie vor 20, 25 Jahren, nicht mal mehr so wie vor 10, 15 Jahren.»

Rund 3000 Eintritte waren im Stadttheater jeweils zu verzeichnen, «wobei natürlich viele ohne Billett Zugang fanden», wie Brand sagt. Obs hier im Kleinholz auch so viele werden? Er stutzt. Ein durchzogener Herbsttag, etwas diesig, etwas düster, aber doch wieder nicht zu nass: Das ist der meteorologische Stoff, der das Herz des Antiquars höher schlagen lässt.

Stadthalle Kleinholz Olten, Öffnungszeiten Sonntag, 19. Oktober: 10 bis 17 Uhr