Olten
«Wir sind im Schuss»: Die Mungo AG weiss sich seit 50 Jahren im internationalen Wettbewerb zu behaupten

Die Mungo AG produziert seit 50 Jahren Metallbolzen und Nylondübel und beliefert damit die Schweiz und über 50 Auslandsmärkte – der Standort in der Dreitannenstadt kann sich im internationalen Wettbewerb behaupten.

Franz Schaible
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Mungo AG Olten - Olivier W. Annaheim, CEO - 50 Jahr-Jubiläum

Mungo AG Olten - Olivier W. Annaheim, CEO - 50 Jahr-Jubiläum

Bruno Kissling

In und um die Mungo AG in Olten herrscht emsiges Treiben. Auf dem Vorplatz wird ein Chalethaus aufgebaut, in den Hallen wird ein Betriebsrundgang mit Pfeilen am Boden und Informationstafeln eingerichtet und beschildert. «Wir sind im Schuss», sagt Olivier Annaheim lachend. Grund dazu hat der CEO der Mungo Befestigungstechnik AG genug: Das Unternehmen feiert dieser Tage das 50-jährige Bestehen (siehe Kasten).

Aus den Gründerzeiten

Ein Gründungsmythos macht sich bei jeder Firma gut. Dies gilt auch für die Mungo Befestigungstechnik AG. Demnach verkaufte Firmengründer Arnold Schefer 1968 sein Auto, einen «MG», für 10'000 Franken. Mit diesem Startkapital gründete der damals 24-Jährige die Fäster Befestigungstechnik in Trimbach. Daraus ist inzwischen ein respektables industrielles KMU mit Hauptsitz in Olten und weltweit rund 115 Angestellten entstanden.

2005 wurde Schefer mit dem Solothurner Unternehmerpreis geehrt. Der 40-jährige Olivier Annaheim hat Anfang 2016 mit zwei Schweizer Investoren das Unternehmen von Firmengründer Arnold Schefer übernommen und leitet es seither als CEO. Zuvor war der Betriebsökonom Director Sales und Marketing bei der Mungo AG. Im April kam es zu einer Veränderung in der Eigentümerschaft. Eine deutsche Beteiligungsgesellschaft hält seither die Aktienmehrheit, die Minderheit liegt bei Olivier Annaheim.

Legendenhaft auch die Entstehung des Firmennamens «Mungo», der Mitte der 70er-Jahre bei einem Brainstorming aus der Taufe gehoben wurde. Ein Teilnehmer, eben zurück aus Thailand, habe von der Schleichkatzenart «Mungo» erzählt. Diese zeichne sich durch Beweglichkeit und Widerstandsfähigkeit aus. «Genau jene Eigenschaften, für welche die Firma steht», erzählt Annaheim.

In diesen Tagen feierte die Firma das 50-jährige Bestehen mit Kunden, Lieferanten und Mitarbeitenden. Morgen Freitag geht der offizielle Jubiläumsanlass mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Behörden, unter anderen der Solothurner Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss und Oltens Stadtpräsident Martin Wey, über die Bühne. (FS)

Aber auch sonst herrscht Hochbetrieb in den Hallen. Mungo produziert technische Produkte für die Bauindustrie: Metallbolzen und Nylondübel sowie weitere Produkte der Befestigungstechnik sorgen für Tragkraft und hohe Sicherheit von Bauten. «Im Geschäftsjahr 2017 konnten wir den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent steigern», erklärt Annaheim auf dem Rundgang.

Der Umsatz liege im höheren zweistelligen Millionenbereich. Insbesondere auf den Auslandsmärkten – und dort speziell in Australien – habe man stark zulegen können. Die Exportquote liegt bei rund 70 Prozent. Hauptmärkte sind ausserhalb der Schweiz Deutschland, Italien, Russland, Tschechien und die Niederlande. Das Wachstum ermögliche es Mungo, weitere Investitionen zu tätigen. So habe man 2018 mehrere hunderttausend Franken in neue Produktionsanlagen am Standort Olten investieren können.

Exportmärkte weiterhin gut entwickelten

Im laufenden Jahr bewege man sich insgesamt auf Vorjahresniveau. Während sich die Exportmärkte mit einem Plus von zehn Prozent weiterhin gut entwickelten, harze es etwas auf dem Schweizer Markt. Dort liegen die Verkäufe etwas unter dem Vorjahr. Annaheim: «Wir spüren, dass sich das Bautätigkeit abkühlt.» Aber es herrsche keine Panikstimmung. Ein Einbruch der Bautätigkeit hierzulande sei in naher Zukunft nicht zu befürchten, sondern eine leichte Verlangsamung. Und im Ausland bleibe das Bauvolumen weiterhin auf hohem Niveau.

Trotzdem. Um die Marktanteile halten zu können, brauche es wie erwähnt stetige Investitionen, sowohl in den Maschinenpark wie in die Produkte-Neuentwicklung. «Die Produktion ist hochautomatisiert. Nur so ist es möglich, mit dem Standort Olten wettbewerbsfähig zu bleiben», hält Annaheim fest.

Dies gelinge, ohne den Personalbestand zu reduzieren. Die Anlagen müssten ja auch bedient werden und es gebe immer andere Einsatzfelder für die Mitarbeitenden. Insgesamt beschäftigt Mungo rund 115 Mitarbeitende, davon 85 in Olten und rund 30 in eigenen Niederlassungen in Italien, Deutschland, China und den USA. Eine Verlagerung der Produktion ins Ausland sei kein Thema. «Wir sind in Olten sehr gut verankert.»

Entwicklung innovativer Produkte

Ebenso entscheidend sei die Produkte-Innovation. Ein Treiber sei die Energieeffizienz. Sobald eine Fassade mit Dübeln befestigt werde, entstehe eine Wärmebrücke, Energie fliesse also von innen nach aussen oder umgekehrt. Mungo habe nun einen Dübel entwickelt, um diese Wärmeleitfähigkeit zu unterbrechen, damit eben keine Energie verpuffe. Das Produkt sei einzigartig und komme 2019 auf den Markt.

Weitere Innovationen seien gefragt, weil sich das eingesetzte Baumaterial stetig verändere und der Einsatz von vorgefertigten Bauelementen rasant zunehme. «Zum Verbinden und Befestigen müssen also die Dübel dem Material angepasst werden.» So beschäftige man allein im Baulabor und in der Entwicklung fünf Mitarbeitende. Zudem müsse die Qualität – erdbebensicher und korrosionsbeständig - hoch, sehr hoch sein.

Auf einer riesigen Anlage im Kaltumformwerk in Olten werden fast rund um die Uhr Stahlbolzendübel gefertigt. Gefüttert wird die Anlage mit Draht, am anderen Ende kommt der fertige Stahlbolzen heraus. «Über 18 Millionen Stück produzieren wir pro Jahr», sagt Annaheim. Dazu würden über 1500 Tonnen Draht verarbeitet.

Auf den Bereich Stahldübel entfallen rund 35 Prozent des Umsatzes, ebenso gross ist der Bereich Nylondübel. Bei den Nylondübeln sind die Stückzahlen noch höher. Über 100 Millionen sind es jährlich, welche die Hochpräzisions-Spritzgiessanlagen jährlich ausspucken. Den Rest des Umsatzes erwirtschaften die Oltner mit chemischen Befestigungen und anderen Handelsgütern.

Gute Marktstellung

In den 50 Jahren seit der Gründung sei es der Mungo AG gelungen, eine gute Marktstellung zu erreichen. So sei man in der Schweiz – das Marktvolumen für Dübel liegt bei rund 80 Millionen Franken – unter den Top-3-Anbietern. Weltweit gehöre Mungo zu den fünf bedeutendsten Herstellern von Dübeln. Eingesetzt werden die Oltner Dübel in über 50 Ländern mit Ausnahme von Afrika und Südamerika überall.

Die Mungo AG ist der einzige Dübelproduzent in der Schweiz. Mungo vertreibt die Produkte in der Schweiz über den Direktvertrieb und im Ausland zu grossen Teilen über den professionellen Fachhandel. Ein Verkauf über Baumärkte der Grossverteiler sei kein Thema. Annaheim erläutert, dass sich die Entwicklung von Mungo-Dübel ganz auf die Bedürfnisse der professionellen Kunden fokussiere. «Das ist für uns also keine Option.»