Am 4. März stimmen die Oltnerinnen und Oltner über eine Volksinitiative ab, die eine Kulturfachstelle schaffen will. Recherchen dieser Zeitung zeigen, dass mehrere Protagonisten aus dem Kulturbereich gegen eine solche Anlaufstelle bei der Stadt sind, die in einem 60-Prozent-Pensum pro Jahr rund 80'000 Franken kosten würde.

Öffentlich dagegen äussern will sich die Hälfte der angefragten Kulturprominenz allerdings nicht. «Es ist ein Thema in diesen Kreisen», sagt eine Stimme, die nicht namentlich genannt werden will. Eine andere Person sagt: «Ich habe mich einmal an einer Veranstaltung dazu geäussert und hatte dann viele negative Reaktionen.» Und eine weitere Kulturpersönlichkeit will den Pro-Kultur-Olten-Leuten, welche die Volksinitiative eingereicht hatten, nicht in den Rücken fallen und äussert sich deshalb nicht dazu.

Wer von den Kulturköpfen öffentlich dagegen Stellung bezieht, tut dies sehr zurückhaltend. Beim Oltner Schriftsteller und «Galicia»-Barbetreiber Alex Capus herrscht auf die Frage, wie er zur Kulturfachstelle steht, mehrere Sekunden Stille in der Telefonleitung. Dann sagt er: «Ich bin der Einzige in meinem Kreis, der dagegen ist.» Er zählt seine Gründe auf: «Wir brauchen keine Kulturbeamtenstelle.» Kultur müsse dort passieren, wo sie stattfinde. «Leute, die ich kenne und Kultur machen wollen, brauchen keine Anlaufstelle, sondern die machen einfach.»

Für Meinungsbeitrag abgesagt

Auch Christof Schelbert, Präsident des Oltner Kunstvereins und Kunstmarkt-Mitorganisator, ist gegen die zusätzliche Stelle in der Stadtverwaltung. Er äussert sich allerdings erst im zweiten Anlauf öffentlich. Eine Anfrage für den Kontra-Meinungsbeitrag zur ganzseitigen Abstimmungsvorschau, welche letzten Mittwoch in dieser Zeitung erschienen ist, hat er nach anfänglicher Zusage im letzten Moment negativ beantwortet.

Nun nennt er gegenüber dieser Zeitung trotzdem seine Gegenargumente. Die Stadt Olten hätte seit den klammen Finanzen seit 2014 viel gespart bei Unterstützungs- und Fördergeldern. «Ich fände es jetzt komisch, zuerst eine neue Verwaltungsstelle zu schaffen, bevor die gekürzten Gelder bei den diversen Institutionen wieder rückgängig gemacht würden.»

Zudem solle die Stadt den vielen Leuten, welche Kultur schaffen und veranstalten, nicht dreinreden und nennt als Beispiel den Kunstmarkt, welchen er mitorganisiert: «Wir machen es, solange wir wollen und nicht, weil es jemand anderes will.» Zudem erachtet er den Job als Kulturverantwortlicher der Stadt als schwierig, weil die Person von allen Sparten etwas verstehen müsse. Nicht zuletzt hält er Olten für zu klein für eine Kulturfachstelle: «Veranstaltungen soll man nicht grösser machen, als sie tatsächlich sind», sagt er.

«Die Verantwortung wird abgeschoben»

Ebenfalls gegen die Fachstelle äussert sich die kulturaffine FDP-Parteipräsidentin Monique Rudolf von Rohr. Sie hat an der Berufsschule Olten immer wieder versucht, den jungen Lernenden Literatur und Theater näher zu bringen und hat dazu Künstler direkt in die Schule geholt. Zudem unterstützt sie Oltner Kulturschaffende wenn möglich auch finanziell. Rudolf von Rohr misstraut ganz grundsätzlich einer Fachstelle. «Die Verantwortung wird abgeschoben und die Leute erhoffen sich, dass die Fachstelle alle Probleme löst.» 

Zwar sieht sie die Notwendigkeit einer gewissen Koordination und Anlaufstelle, doch stimmen in ihren Augen die Kosten mit der vorgeschlagenen Lösung nicht. Daher kam von der FDP-Seite auch der Vorschlag im Gemeindeparlament, das Stadt- und Kulturmagazin «Kolt» oder Olten Tourismus könne Teile des angedachten Pflichtenheftes der Fachstelle übernehmen.

Sie gibt nachträglich zu, dass es «sehr unglücklich» war, «Kolt» vorgängig nicht darüber zu informieren, trotzdem hält sie den Weg über Leistungsvereinbarungen mit existierenden Einrichtungen immer noch für den besseren. Ferner leiden bestehende Institutionen wie etwa die Stadtbibliothek bereits jetzt an knappen finanziellen und personellen Ressourcen. Hier sollte in ihren Augen zuerst angesetzt werden.