Seine Sammlung gilt europaweit als einmalig und sie wurde komplett oder teilweise in Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz gezeigt anlässlich des 200. Geburtstages von Adolphe Sax, dem Erfinder des Saxofons. Zu sehen war die Sammlung auch in Aarburg, wo Willy Kenz Organist in der reformierten Stadtkirche ist, sowie in Olten an der Kanti, wo er seit 35 Jahren klassisches Saxofon unterrichtet. «In diesen Jahren hat sich enorm viel verändert. Leider nicht alles zum Guten», sagt Kenz. Doch davon später.

Willy Kenz, geboren 1956, aufgewachsen in Bad Schönborn (D) bei Karlsruhe, ist nicht nur Saxofonlehrer mit Diplom, Leib und Seele – er bezeichnet sich als Missionar des Saxofons –, sondern auch ein fundierter Kenner dieses Instruments sowie dessen baugeschichtliche Entwicklung und Bedeutung in der Musikgeschichte.

Ferner ist er Dirigent und Kirchenmusiker, seine Studien schloss er vorwiegend in Basel ab. Sein Zuhause in Füllinsdorf BL – eine umgebaute Scheune – ist ganz auf die Musik ausgerichtet. Eine englische Hausorgel von 1893 beansprucht die Höhe von fast zwei Stockwerken. Das Herz des Hauses bildet ein Mahagoni-Flügel aus dem Jahr 1904. «Das Klavierspielen ist mein täglich Brot», erklärt Willy Kenz.

«Ja, wie eigentlich?»

Wie aber kam Kenz zu dieser Saxofonsammlung? «Ja, wie eigentlich? Darüber habe ich», antwortet er nach einigem Überlegen, «noch gar nie konkret nachgedacht.» Ganz bestimmt habe er sich als Bub danach gesehnt, ein besseres Instrument zu haben als jenes, das man ihm seinerzeit in der Dorfmusik in die Hand gedrückt hatte. «Ich musste das Saxofon zuerst spielfähig machen, es fiel beim Üben auseinander.» Bessere Zeiten seien gekommen, nachdem er mit einer von ihm gegründeten Tanzmusikband etwas Geld verdient hatte.

«Einen Schub gab mir wohl meine Dienstzeit im Militärmusikkorps der Bundeswehr», sagt Kenz nach weiterem Nachdenken, «da spielte ich vor allem Tenorsaxofon und auch Klarinette, Querflöte und Piccoloflöte. Es ergaben sich Kontakte zu Leuten in ganz Deutschland, auch zu Amerikanern, und somit eröffneten sich weitere Gelegenheiten, Instrumente zu erwerben.» Wenn nötig reparierte er sie selber, denn auch das habe er in der Bundeswehrzeit gelernt.

Bald stellte Kenz fest, dass unter diesen Saxofonen auch Raritäten älteren Jahrgangs dabei waren. «Je mehr ich davon hatte, desto mehr begann mich die geschichtliche Entwicklung zu interessieren. Wie haben die Instrumente geklungen zu jener Zeit, als die dafür geschriebenen Kompositionen entstanden sind?» Kenz nennt als Beispiel Musik von Alexander Glasunow (1865–1936) oder Maurice Ravel (1875–1937).

Selbstverständlich spiele auch der Jazz eine sehr grosse Rolle, kam doch von Amerika her ab etwa 1920 eine Wiederbelebung des Saxofons. Er selber spiele gerne ab und zu jazzige Nummern, sei es auf dem Saxofon, auf dem Klavier oder auf der Orgel. «Geprägt hat mich aber mein Studium bei Professor Iwan Roth auf dem klassischen Saxofon in Verbindung mit der französischen Lehrtradition, und diese gebe ich weiter.»

Spürnase entwickelt

Im Laufe seines Studiums in Basel ergab sich für Kenz eine Laufbahn als Kirchenmusiker in der St. Josephskirche in Basel, wo er von 1981 bis 2009 als Organist und Chorleiter angestellt war. Zudem entwickelte sich mit Organisten, Chorleitern und Solisten eine intensive Zusammenarbeit, die im In- und Ausland in Konzerten von Gregorianik bis hin zur Rockmusik mündeten. Kenz bearbeitete auch Werke im Bereich Blasorchester, mit Einbezug von Chor oder Kirchenorgel. Zwei solcher Bearbeitungen erscheinen im Herbst.

Das Beziehungsnetz wurde grösser und es entstanden Verbindungen zu Instrumentensammlern und Museen. Dazu gehörte auch Karl Burri in Bern. Ihm wollte Kenz ein Basssaxofon abkaufen. Burri habe gesagt: «Ja, wenn du mir eine Wagnertuba bringst.» Trotz seiner Spürnase brauchte Kenz sieben Jahre für die Suchaktion. 1991 stiess er auf ein Baritonsaxofon mit der Aufschrift «Georgeophone», gebaut ca. 1878/81, in der Form der Ophikleïde, dem direkten Vorläufer des Saxofons.

Es stellte sich als ein Highlight heraus. Denn: «So viel man weiss, ist es weltweit das einzig erhaltene Exemplar mit dieser Bauform», erklärt Kenz. Ihm kann man zusehen und zuhören, wie er auf diesem Instrument spielt (youtube, historical bariton saxophon).

Originale von Adolphe Sax

«Die absolute Rarität ist das komplette Quartett mit Sopran-, Alt-, Tenor- und Baritonsaxofon, gebaut um 1860 in den Werkstätten von Adolphe Sax in Paris.» Dieses Quartett sowie ein grosser Teil der Sammlung von Willy Kenz kamen europaweit zum Einsatz, vor allem im Jahr 2014 bei Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag von Adolphe Sax. Auch Kenz selber war zu diesen Anlässen eingeladen: Einerseits als kompetenter Referent, anderseits als Musiker; in Berlin interpretierte er zur Eröffnung des Festivals eine Komposition von 1875, begleitet von der Orgel in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.

Woran es fehlt

So wie Willy Kenz dem Instrument Saxofon auf den Grund geht, so tut er es beim Unterrichten. «In den 35 Jahren, in denen ich an der Kanti Olten Saxofon unterrichte, hat sich vieles verändert», sagt er. Die Schülerzahl im Bläserbereich sei stark geschrumpft. Und er stelle fest, dass den Grundlagen immer weniger Beachtung geschenkt werde. «Da kommen Schülerinnen oder Schüler, die bereits mehrere Jahre Unterricht hatten, denen es an der richtigen Atmung, an Fingerhaltung und -technik fehlt.

Oder sie spielen alles gleich laut und ohne eine Betonung. Zungenstoss, Tonumfang, Intonation, Vibrato, Gestaltung, Takt, Rhythmus – alles sehr zufällig. In den meisten Fällen wollen die Jugendlichen angenehm beschäftigt sein. Erst allmählich wird ihnen klar, dass sie hier etwas lernen sollen.» Ferner hätten viele keine Erfahrung im gemeinsamen Musizieren, ausser mit ihrem CD-Player. «Bei mir wird ein Notentext gemeinsam erarbeitet und interpretiert. Als Musiklehrer ist es für mich selbstverständlich, dass ich meine – und auch andere Schüler – am Klavier begleite.»

Und noch ein Instrument

«Bei jenen Schülern jedoch, die wirklich Saxofon spielen wollen», so betont Kenz, «ist das Niveau stark angestiegen.» Das zeige sich zum Beispiel bei Solistenwettbewerben. Weil die Zahl der Saxofonschüler abgenommen hat, widmet sich Kenz vermehrt der Kirchenmusik als Chorleiter und Organist. Und dann ist da noch ein weiteres Instrument, das früher ebenfalls in der Kirchenmusik eingesetzt wurde als Ersatz für eine Orgel: das Harmonium. Willy Kenz ist fasziniert davon, hat fünfzehn Exemplare gesammelt und möchte sie restaurieren. «Doch damit muss ich wohl zuwarten, bis ich pensioniert bin.»