Heftige Regenfälle führten Mitte Mai 1999 dazu, dass vor allem in der Region Olten/Niederamt diverse Bäche über die Ufer traten und Strassen gesperrt werden mussten. Stark betroffen war vor allem die rechte Stadtseite im Bereich Höhenstrasse: Der sonst harmlose Mühletälibach überschwemmte das Quartier. Die Feuerwehr liess Gräben ausheben, damit sich das Wasser sammeln konnte. Die Zivilschützer waren ebenfalls im Einsatz und halfen beim Auspumpen und Räumen der Keller. Zeitweise bestand sogar Explosionsgefahr, weil aus den Autos in den überschwemmten Einstellhallen Benzindämpfe aufgestiegen seien, wie diese Zeitung damals berichtete.

20 Jahre danach wird der Mühletälibach nun hochwassersicher saniert und renaturiert. Heute verläuft der Bach nach dem Säliwald in einem Rohr unter der Wiese hindurch. Neu wird der Bach freigelegt und verläuft in der Mitte mäandrierend durch die Wiese. Der Bach erhält gemäss Vorlage ans Gemeindeparlament einen «natürlichen Verlauf mit einigen Kurven, Engnissen und Verbreiterungen» (siehe auch Plan rechts). Der Bachverlauf wird auf ein Hochwasser ausgebaut, das gemäss Statistik alle 100 Jahre auftreten könnte. Dazu entsteht auch ein Hochwasserüberlaufbecken. Bei einem Ereignis würde das Hochwasser dann über die Wiese bis zur Höhenstrasse Ost fliessen. Dort soll ein Damm parallel zur Strasse erstellt werden, um die darunterliegenden Liegenschaften zu schützen. Im letzten Abschnitt würde das Hochwasser dann mittels einer Leitung zur bestehenden Bachdohle im Wilerweg zugeführt.

Die Kosten für das Renaturierungs- und Hochwasserprojekt belaufen sich auf 1,93 Millionen Franken. Das Gemeindeparlament hat am 20. Dezember 1,79 Millionen Franken abzusegnen. 145'000 Franken sind bereits als Vorarbeiten bewilligt worden. Der Grossteil der Kosten von 63 Prozent übernimmt aufgrund des guten Kosten-Nutzen-Verhältnisses der Kanton, die Stadt bezahlt noch einen Anteil von 650'000 Franken. Im Herbst 2019 sollen die Bauarbeiten beginnen.

Auf der Wiese unterhalb des Säliwalds wird der Bach ausgegraben und erhält mit dem Renaturierungsprojekt einen mäandrierenden Verlauf (siehe Plan unten). Der Perimeter des Wildparks Mühletäli wird zugleich erweitert. Der Verein hat vor, auf der Wiese Waldrentiere weiden zu lassen

Auf der Wiese unterhalb des Säliwalds wird der Bach ausgegraben und erhält mit dem Renaturierungsprojekt einen mäandrierenden Verlauf (siehe Plan unten). Der Perimeter des Wildparks Mühletäli wird zugleich erweitert. Der Verein hat vor, auf der Wiese Waldrentiere weiden zu lassen

Doch wieso hat die Stadt Olten 20 Jahre gewartet, bis Massnahmen gegen das Hochwasser realisiert werden? Laut Baudirektor Thomas Marbet musste zuerst der Gefahrenplan erstellt werden, um die tatsächlichen Bedrohungen festzustellen. Danach wurde der Nutzungs- und Teilzonenplan aufgelegt, was bis 2013 beides rechtskräftig vorlag. Später sei das Projekt wegen der angespannten Finanzlage mehrmals zurückgestellt worden.

Profitieren vom Renaturierungs- und Hochwasserprojekt wird auch der Wildpark Mühletäli. Die Wiese mit dem künftig natürlichen Bachverlauf wird dem Verein zur Verfügung gestellt. «Wir würden uns sehr freuen, wenn das Projekt zustande käme und wir so das Naherholungsgebiet aufwerten könnten», sagt Präsident François Baeriswyl auf Anfrage. Es wäre in seinen Augen quasi eine Verdoppelung der Parkperimeterfläche.

Der Verein hat bereits klare Vorstellungen, wie das neue Stück Land genutzt werden soll. Gemäss Baeriswyl werden sogenannte Waldrentiere darauf weiden. Erste Pläne für die Ansiedlung der Tierart seien bei der Stadt Olten eingereicht. Vorgesehen sind auf der neu eingezäunten Wiese diverse Bäume, verschiedene Grasarten und Übergänge über den Bach. Der Wildpark werde sonst aber gleich bleiben. «Es wird zum Beispiel weiterhin kein Eintritt verlangt», sagt Baeriswyl.

Bei der Überschwemmung vor knapp 20 Jahren war der Wildpark übrigens nicht betroffen. Weil er leicht erhöht ist, wurden die Gehege nicht überflutet.