Lockdown

Wiener Schnitzel zum Mitnehmen: Wie Oltner Restaurants den Wechsel zum Take-Away schaffen

Oltner Gasthäuser machen aus der Not eine Tugend und werden zu schieren Take-away-Profis; auch Aarhof-Wirt Thomas Rhiner.

Also, man kann von der Take- away-Praxis halten, was man will: Aber was Oltner Gasthäuser in dieser Beziehung unter der Prämisse «Corona-Virus» präsentieren, das ist doch allerhand. Denn wer will, der kann seit Dienstag im Restaurant Aarhof bei Thomas Rhiner die leckersten Gerichte mittags und abends telefonisch bestellen und zeitgenau abholen. «Ich wollte unbedingt verhindern, dass sich vor dem Haus eine wartende Menschentraube bildet», sagt der Wirt, der innert Tagen zum Take-away-Pionier unter den Gastgebern der arrivierten Häuser geworden ist. «Nach der Bekanntgabe von Notstandmassnahmen war klar: Er musste sich was einfallen lassen.»

Und Rhiner liess sich mit seinem Küchenchef was einfallen, definierte Menus à la Aarhof, besorgte flugs Einweggeschirr und startete mit seinem Take-away-Service. Seither kann man sich etwa von einem «Original Aarhof Wiener Schnitzel» samt Pommes und buntem Marktgemüse verwöhnen lassen. «Wir pflegen im Wesentlichen ein herkömmliches und ein vegetarisches Menu anzubieten», so Rhiner.

Das Angebot stösst auf Resonanz

Der Mann, der seit über einem Vierteljahrhundert den «Aarhof» führt, ist mit dem Geschäftsgang absolut zufrieden. Anfangs wurden über Mittag 35 Menus verkauft, abends waren’s deren 20. Tags darauf lagen die Verkaufszahlen schon deutlich höher. Gestern über Mittag gingen 78 Menus über die Theke. «Natürlich vermag das Take-away-Angebot den üblichen Geschäftsgang nicht zu kompensieren», so Rhiner, der für seinen Betrieb Kurzarbeit angemeldet hat. Aber so kann er zum einen seine Angestellten beschäftigen und einen Teil der Fixkosten erwirtschaften. Denn der Umsatzrückgang betrug in den letzten rund zehn Tagen doch an die 70 Prozent. «Die Kunden nehmen das Angebot sehr gerne an», weiss Rhiner.

Dass die Menus aus der klassischen Küche kommen würden, war schnell klar. Frühlingsrollen etwa waren nicht wirklich eine Option. Die Tradition des Hauses verpflichtet. Dazu gehört auch, dass der Kunde eine Flasche Wein mitnehmen kann, zum halben Preis notabene.

Der Take-away-Service im «Aarhof» ist durchgetaktet. Draussen vor dem Haus wartet um viertel vor zwölf Uhr eine Handvoll Kunden auf ihr Menu. Der Abstand unter ihnen gemäss Empfehlung des Bundesamtes für Gesundheit. «Wir bieten den Service an, solange wir die Möglichkeit dazu haben», sagt Rhiner. Denn eine seiner Zielsetzungen ist es auch, den Kunden und Stammkunden eine kulinarische Freude mit in den Tag zu geben, «ein bisschen Normalität aufrechtzuerhalten und zu signalisieren, dass wir für unsere Gäste da sind», wie er prosaisch sagt.

Auch der «Salmen» ist mit von der Partie

Seit Mittwoch bietet unter vielen andern auch das Restaurant Salmen an der Ringstrasse einen Take-away-Service an. «Wir machen dies, damit wir minimale Einnahmen generieren können, weil jedes Restaurant jetzt ein finanzielles Problem hat», sagt Geschäftsführerin Isabelle Bitterli auf Anfrage. Die hohen monatlichen Lohnkosten und auch Rechnungen des letzten Monats müssen gezahlt werden. «Dies sind zum Teil aber so hohe Beträge, die wir gar nicht auf dem Konto haben und kaum zu bezahlen sind», sagt Bitterli. Als Reaktion auf die gesamte Situation in der Schweiz hat der «Salmen» Kurzarbeit beim Kanton beantragt. «Denn letztlich möchten wir auch einen Beitrag an die Gesellschaft leisten», sagt die Geschäftsführerin.

Aber wie läuft nun der Betrieb ab? Welche Menüs gibt es beim Take-away? Auf dem Speiseplan gibt es das Menu der Woche mit Gerichten wie Braunes Kalbsragout oder gebratenen Seeteufel mit Champagnersauce. Weiter sind auch die Klassiker wie die Weissweinsuppe, Cordon bleu vom Kalb oder das Swiss Prime Rindsfilet im Angebot. Der Menuplan ist via Restaurant-Homepage abrufbar. Die Gerichte können den Kunden auch per Lieferservice zugestellt werden. «Die Wirte arbeiten zusammen und sind füreinander da. Zusätzlich erhalten wir Unterstützung von Gastrosuisse», so Bitterli.

Im «Rathskeller»: Kein Lieferservice

Keinen Lieferservice gibt es hingegen beim «Rathskeller» am Klosterplatz 5. Das Restaurant bietet seit Mittwoch einen Take-away an. «Ich mache das ja nicht aus Spass, keines der Lokale macht dies aus Freude. Ich muss schauen, dass irgendwie Geld reinkommt», sagt Geschäftsführer Roger Lang. Die Auswahl der Gerichte reicht von Salaten über Schweinsschnitzel bis hin zu Hamburgern und Rindshufsteak. Die gesamte Take-away-Karte ist auf der Homepage einsehbar. «Das Angebot wird am Mittag sehr gut genutzt, allerdings war dies gestern der Fall, wie es heute sein wird, das kann ich noch nicht sagen», meint Lang.

Auch am Abend wurde der Take-away häufig genutzt. «Die Leute kommen spontan vorbei und bestellen ihr Essen telefonisch bei uns», sagt Lang. Dass das Essen jetzt via Take-away vor Ort abholbereit ist, darauf machte Lang auf Facebook bereits aufmerksam. «Anrufen und abholen müssen die Kunden aber selber», stellt der Inhaber klar. Die Zeiten für Restaurants sind derzeit allgemein schwierig. «Ich hoffe einfach, dass es nicht zu einer Ausgangssperre kommt», so Lang.

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