Aus der Küche des idyllischen Einfamilienhauses von Familie Häseli in Schönenwerd erklingen fröhliche Kinderstimmen. «Ich möchte auch Spätzli», sagt Eva* in akzentfreiem Schweizerdeutsch. Sie ist neuneinhalb Jahre alt und vor zweieinhalb Jahren aus Eritrea geflohen.

Seit Mai lebt sie zusammen mit ihrer siebenjährigen Schwester Elise* bei Simon und Simone Häseli und deren sechsjährigem Sohn Len. Unterstützung erhält die Familie dabei vom Verein familynetwork aus Oftringen. Dieser will helfen, minderjährige Asylsuchende, die ohne Eltern in die Schweiz kommen, in einer Pflegefamilie unterzubringen.

«Eigentlich haben wir uns nie Gedanken darüber gemacht, Pflegekinder aufzunehmen», sagt Simon Häseli. Seine Frau kannte Eva bereits seit einem Jahr, weil sie ihr Deutschunterricht gab.

Sie bekam mit, dass für die beiden Schwestern ein Pflegeplatz gesucht wurde. «Anfangs nahmen wir die Mädchen wochenendweise zu uns. Dann ging plötzlich alles sehr schnell», sagt Simon Häseli. Und Familie Häseli wurde als erste in der Region, die Flüchtlingskinder aufnahm, ungewollt Teil eines Pilotprojekts.

«Wenn man sich für diesen Schritt entscheidet, darf man nicht blauäugig sein», sagt Simone Häseli und ihre blauen Augen strahlen eine mütterliche Wärme aus. Die ersten Monate seien harte Arbeit gewesen.

«Die Mädchen erlebten quasi einen familiären Kulturschock.» Denn die zwei Jahre, welche die Kinder vorher in der Schweiz waren, lebten sie in Auffanglagern und in einer Institution für Kinder und jugendliche Asylsuchende.

«Sie mussten viele kleine Dinge lernen, beispielsweise, dass man in einer Familie Ämtli erledigt.» Und die Kinder lernen schnell. «Ich bin stolz, wie gut die Mädchen bereits Hoch- und Schweizerdeutsch sprechen», sagt Simone Häseli.

Wichtig sei, dass man bedenke, dass die Kinder jederzeit rückplatziert werden könnten. «Man schliesst sie ins Herz. Dennoch muss man auf eine Trennung vorbereitet sein.» Denn oftmals tauchten plötzlich Eltern auf. So erfuhr die Pflegefamilie etwa im Sommer, dass der Vater der Mädchen auf dem Fluchtweg nach Basel gelangt ist.

Nach vier Jahren wurde das Wiedersehen gefeiert. «Unsere Aufgabe sehen wir auch darin, die Familie zusammenzuführen.» Viel über das Schicksal von Eva und Elise wissen Häselis noch nicht.

«Wir sind laufend daran, ihre Geschichte zu ermitteln», sagt Simon Häseli. Auch beschäftige man sich automatisch auf eine ganz andere Art mit aktuellen Geschehnissen. «Nachrichten im Fernsehen über Flüchtlinge betreffen mich nun mehr.»

Anknüpfungspunkte an die eritreische Kultur zu finden sei schwierig. Die Mädchen schwärmen oft vom Essen dort. Und abends beten alle zusammen in Tigrinya – eine Landessprache Eritreas – ein «Vater unser». «Das bedeutet für sie Heimat», sagt Simone Häseli.

* Namen von der Redaktion geändert