Olten
Wie weiter mit dem öffentlichen Verkehr in SüdWest?

Der Stadtrat schlägt dem Parlament eine teurere und eine günstigere Variante für die Buslinie 504, welche das neue Quartier Olten SüdWest erschliesst, vor.

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Die Buslinie 504 bedient Olten SüdWest vielleicht bald nur noch zu den Hauptverkehrszeiten. Melina Aletti

Die Buslinie 504 bedient Olten SüdWest vielleicht bald nur noch zu den Hauptverkehrszeiten. Melina Aletti

Melina Aletti

Gerade mal 58 745 Fahrgäste hat die Buslinie 504 seit ihrer Einführung im Dezember 2015 aufzuweisen. Erwartet worden waren rund 100 000 Passagiere. Damit liegt die 504 mit 11,25 Prozent weit hinter jenem minimalen Kostendeckungswert von 20 Prozent, der zur Aufnahme ins kantonale öV-Programm berechtigen würde. Während der Hauptverkehrszeiten befuhr die Linie im 20-Minuten-Takt die Strecke Hauptbahnhof–Innenstadt–Mühlegasse und Schützenmatte ins Quartier Olten SüdWest. In den Nebenverkehrszeiten zirkulierte der Bus alternierend auf der Schlaufe Bahnhof–Innenstadt–Schöngrund–Innenstadt–Bahnhof.

Nun ist die Stadt auf der Suche nach einer Übergangslösung für die Linie 504, weil die in Aussicht gestellte und für Olten kostenlose Erschliessung von SüdWest durch die aus dem Gäu kommende Linie 511 wider Erwarten nicht wie vorgesehen Ende 2017, sondern erst im Dezember 2018 eingerichtet sein wird. Folglich hat die Stadt, will sie die öV-Anbindung von Olten SüdWest aufrechterhalten, noch einmal für die Betriebsdauer eines Jahres in die Taschen zu greifen.

So hat das Oltner Gemeindeparlament diese Woche über das kurzfristige Schicksal der Buslinie 504 zu befinden, nachdem vor zwei Jahren der zweijährige Versuchsbetrieb mit jährlichen Kosten von rund 300 000 Franken grossmehrheitlich gutgeheissen wurde.

Zwei Varianten stehen zur Wahl

Der Stadtrat sieht zwei Varianten als Übergangslösung vor, wobei er die Fortführung des ursprünglichen Versuchsbetriebs favorisiert. Seiner Ansicht nach hätte die totale einjährige Sistierung einer Anbindung negative Auswirkungen auf die Neuausrichtung des Quartiers und würde von der dortigen Anwohnerschaft als schlechtes Zeichen verstanden. Die Varianten:

Vorschläge Stadtrat

Variante 1: Die Verlängerung des seit Dezember 2015 laufenden Versuchsbetrieb um ein Jahr. Kosten für die Stadt: 207 340 Franken. Kosten für den Kanton: rund 90 000 Franken.

Variante 2: Die einjährige Überbrückung mit einer Reduktion des bisherigen Angebots auf die Hauptverkehrszeiten (Montag bis Freitag: 5.42 bis 8 Uhr und 16.22 bis 19.20 Uhr). Der Busservice im Schöngrund entfällt. Kosten für die Stadt: 79 200 Franken. Kosten für den Kanton: rund 20 000 Franken.

Die reduzierte Variante berücksichtigt die gut frequentierten Morgen- und Abendverbindungen zwischen Hauptbahnhof und Olten SüdWest. Diese erklärt sich aus dem besonderen Bevölkerungsmix im neuen Quartier.

Ruftaxi nicht praktikabel

Als nicht praktikabel hat sich das Alternativmodell des Ruftaxis erwiesen, bei welchem sich die Fahrgäste 30 bis 60 Minuten vor Fahrantritt via Telefon oder App anmelden und ein paar Franken Zuschlag zu den eigentlichen Fahrtkosten übernehmen. Ruftaxis werden üblicherweise eingesetzt auf wenig frequentierten Strecken und in dünn besiedeltem Gebiet. Die Zahl der Fahrgäste übersteige die Kapazitäten des Ruftaxis, so der Stadtrat. Die Einrichtung sei bestenfalls als Ergänzung zu Variante zwei denkbar, für die Stadt aber keineswegs kostenlos. Zudem gibt der Stadtrat zu bedenken, dass eine solche Lösung präjudizierend für andere Quartiere wäre.