Das Oltner Stadthaus ist laut der FDP mit der Verwaltung, der Kantonspolizei, der Sozialregion und ab Sommer mit der Jugendbibliothek flächenmässig zu wenig ausgelastet. Das Hochhaus mitten im Zentrum könnte der Partei zufolge statt den nur 150 Mitarbeitern bis zu 900 Leuten einen Arbeitsplatz bieten. Berechnungsgrundlage ist der Platzbedarf in einem Grossraumbüro von mindestens 8 m2 pro Arbeitsplatz. Derzeit würde der einzelne Stadtangestellte in den Augen der FDP mit bis zu 30 m2 viel zu viel Raum beanspruchen. 

Die Partei fragt daher in einem Vorstoss beim Stadtrat nach, ob ein Teil des Stadthauses nicht an Dritte vermietet werden könnte. Der FDP geht es dabei zum einen um eine Belebung der Innenstadt mit den zusätzlichen Mitarbeitern oder Fremdmietern im Erdgeschoss des Stadthauses, zum anderen könnten die zusätzlichen Mieteinnahmen einen willkommenen Zustupf für die Stadtkasse leisten.

Konradstrasse als Flaniermeile

Ideen, wie mögliche Lücken vor allem im Erdgeschoss gefüllt werden könnten, sind bereits vorhanden. «Es müsste etwas sein, sodass auch abends oder an den Wochenenden etwas läuft, um mehr Publikum in die Innenstadt zu locken», sagt FDP-Fraktionschef Urs Knapp. Er denkt dabei an Gewerbe- oder Gastrobetriebe. FDP-Gemeinderat und Olten-Tourismus-Präsident Deny Sonderegger hat die Konradstrasse im Auge, die als Flaniermeile ähnlich wie die heutige Kirchgasse aufgewertet werden müsste. «Die 20er-Zone funktioniert nur zur ‹Magazin›-Seite», sagt Sonderegger. Unterstützung erhalten die Freisinnigen von der SP, die dem Stadtrat bereits in einem Vorstoss vor acht Jahren eine Zusatznutzung im Erdgeschoss schmackhaft machen wollten. Fraktionspräsident Ruedi Moor fände es sinnvoll, wenn die Seite zur Konradstrasse hin attraktiver werden könnte. «Ich kann mir eine Bar vorstellen, für einen grösseren Gewerbebetrieb ist der Platz wohl zu klein.»

Auf wenig Gegenliebe stösst eine Drittnutzung bei der CVP/EVP/GLP-Fraktion. Fraktionschef Christoph Fink: «Ein Gastro-Betrieb wäre nicht funktionskonform. Ein Stadthaus ist ein Stadthaus, kein Restaurant oder Gemischtwarenladen.» Aus seiner Warte müsste es das Ziel sein, alle städtischen Funktionen im Stadthaus zu zentralisieren. Ebenfalls auf wenig Musikgehör stösst eine Vermietung bei der SVP. Fraktionschefin Doris Känzig: «Das Stadthaus kann man nicht einfach in Grossraumbüros umwandeln, um möglichst viele Leute hineinzupferchen.» Die FDP dürfe die Verwaltung nicht wie einen Wirtschaftsbetrieb betrachten.

Gegenwehr gibts auch von der Stadt: In der Antwort auf den Vorstoss schreibt SP-Baudirektor Thomas Marbet, dass die FDP von falschen Annahmen ausgehe: Derzeit hätte ein städtischer Mitarbeiter 18 m2 pro Arbeitsplatz zur Verfügung. Abgesehen von den Räumen im 10. Stock, wo der Kunstverein Ausstellungen durchführt, gäbe es laut dem Stadtrat «aktuell keine weiteren Restflächen für eine Fremdvermietung zur Disposition». Zudem gibt es derzeit genügend freie Büroflächen in der Stadt, sodass ein «Angebotsüberhang» bestehe (wir berichteten).