Provisorium 8
Wie solls weitergehen mit dem Jugendtreff?

Die Nutzerinnen und Nutzer des Provisorium 8 tun sich schwer mit der Vorstellung, dass sich etwas ändern könnte. Die Trägerschaft machte vor wenigen Tagen bekannt, per Ende Jahr die Segel zu streichen.

Urs Huber
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Betriebsleiter Jens Heumann, Raphael Klar (Mitte) und Stefano Mazzoleni (rechts), per Skype zugeschaltet sind Olivia Borer und Kevin Blum.

Betriebsleiter Jens Heumann, Raphael Klar (Mitte) und Stefano Mazzoleni (rechts), per Skype zugeschaltet sind Olivia Borer und Kevin Blum.

Remo Fröhlicher

Olivia Borer, Kevin Blum, Raphael Klar und Stefano Mazzoleni haben eines gemeinsam: Sie gehören zu den regelmässigen Nutzern des Hauses an der Oltner Rötzmatt 8, im Volksmund Provisorium 8 geheissen.

Olivia Borer nutzt die Räumlichkeiten im Mietverhältnis als Repräsentantin von Tink.ch, dem wöchentlich erscheinenden Online-Magazin, Kevin Blum möchte dort ein Web-Radio lancieren, Raphael Klar und Stefano Mazzoleni haben den Verein Gener8tors gegründet und treten im Provisorium 8 als Eventorganisatoren auf.

«Ohne die Unterstützung von Jens, dem Betriebsleiter, wäre das gar nicht möglich gewesen», sagt Raphael Klar. «Nur schon aus finanzieller Sicht nicht», weiss Stefano Mazzoleni. Party machen andernorts würde gar nicht ins Budget des Vereins passen.

Als Nächstes steht Halloween Special am 4. November auf dem Programm. Ihre Unternehmung sichern sie jeweils mit Jens Heumann, dem Betriebsleiter vom Provisorium 8 ab, lassen sich beraten, treffen Abmachungen, halten Sitzungen ab. Wer einen Anlass auf die Beine stellen will, hat immer was zu besprechen.

Töggelen, Billard spielen

Dies ist die eine Seite des Jugendhauses. Auf der andern Seite stehen die üblichen Nutzer einer solchen Einrichtung, wie man sich diese im herkömmlichen Sinn vorstellt: Das Trio Ardiol Ljatifi, Drilon Kerimi und Ardian Alimi etwa, alle 15-jährig, sind regelmässige Besucher des Jugendtreffs.

Das Gefäss für Jugendliche im schulpflichtigen Alter steht zweimal die Woche im Angebot. Töggelen, Billard spielen, plaudern, zusammensein halt. «Ich würde sehr bedauern, hätten wir die Möglichkeit des Treffs nicht mehr», sagt Ardiol. «Klar, ohne das Haus man wäre wohl einfach draussen», schiebt er hinterher. «Aber ins Provisorium 8 zu kommen ist eine Freude.»

Im Provisorium 8 ist nämlich eine gewisse Verunsicherung eingetreten, nachdem die Trägerschaft vor wenigen Tagen bekannt machte, Ende Jahr die Segel zu streichen. Immerhin hat die Stadt zugesichert, den Betrieb bis Mitte Jahr in bekannter Form zu garantieren. Aber dann?

Es stellt sich im Gespräch rasch heraus: Wer im Provi 8 verkehrt, dem wächst es ans Herz, zumindest für eine gewisse Zeit. «Es ist so etwas wie ein Spielplatz», sagt Heumann. Will heissen: Wer eine Idee hat, kann sich problemlos austauschen, Ratschläge holen, umsetzen. «Und man trifft sich erst noch dabei», so Stefano Mazzoleni.

Klar: Die Rötzmatt 8 ist kein homogenes Gefäss mehr, wie es die Färbi seinerzeit zu sein schien. Sie vergibt Räume an die Schauspielschule, ans Labor 8, einen Fotoklub mit Bindung zum Haus, einen Bandroom und, und, und. Aber noch immer ist sie Epizentrum jugendlichen Unternehmertums, des sozialen Lebens, einfach breiter gefächert.

Dass dies so bleibt, wünschen sich alle, die derzeit die Provi 8-Fahne hochhalten. Was anderes können sie sich gar nicht vorstellen. Die Rötzmatt gilt als Home Base, als Heimstätte für Jugendliche mit wenig Geld, die Sinn fürs Gesellige haben, experimentierfreudig sind und mit berechenbarem Risiko Erfahrungen als Unternehmer sammeln wollen.

Zu wenig attraktiv?

Den hin und wieder gehörten Vorwurf, das Jugendhaus ziehe zu wenig Publikum in seinen Bann, sei als Ort, wo man die Freizeit verbringe, nicht attraktiv genug, lassen die Jugendlichen nicht gelten. «Es gibt für viele zwischen 16 und 20 Jahren gar nicht so viele Möglichkeiten, mit beschränktem Budget anderswo hinzugehen», sagt Klar.

Dies treffe vor allem auf Schüler zu. Und ein Event mit 180 Gästen hätten sie beide schon mal organisiert. Auch sei schon vorgekommen, dass aus Sicherheitsgründen noch nicht mal alle Besucher Eintritt fanden. «400 Personen wollten bei einem Black Metall-Konzert dabei sein, doch der Raum war bloss für 250 Personen ausgelegt», sagt Heumann.

Auch der Jugendtreff lockt wöchentlich an die 30 bis 40 Gäste herbei. «Die Zahlen sind nie konstant, aber längerfristig ergibt sich in etwa diese Besucherzahl», so Heumann. Ganz ordentlich, wie er findet.

«Natürlich sind wir jetzt verunsichert», sagt Klar und wirkt ein bisschen ratlos. Einen Plan B gibts momentan für niemandem aus dem Gesprächszirkel. Vielleicht bringt Olivia Borer die allgemeine Stimmung mit einem kurzen Satz noch am besten auf den Punkt: «Ich hoffe einfach, dass alles gut kommt.»