Region Olten
Wie sinnvoll ist das Handy-Verbot in der Nähe des Busfahrers?

Ablenkung der Fahrer durch laute Gespräche, Beeinflussung der technischen Geräte – Handys stellen im Bus in der Nähe des Fahrers laut dem Busbetriebs Olten Gösgen Gäu eine Gefahr dar. Deshalb gilt ein Handy-Verbot. Wie sinnvoll ist es?

Deborah Onnis
Drucken
Teilen
Unterwegs in einem der vielen BOGG-Busse in Olten: Links und rechts sind Kleber angebracht, die eine klare Botschaft ausdrücken.

Unterwegs in einem der vielen BOGG-Busse in Olten: Links und rechts sind Kleber angebracht, die eine klare Botschaft ausdrücken.

Deborah Onnis

Kurz Mails checken, der Freundin eine Whats-App-Nachricht senden und gleichzeitig auf soziale Medien herumstöbern – das macht man heutzutage mit einem Smartphone praktisch von überall aus. Auch unterwegs, im öffentlichen Verkehr. Grenzen kennt man da selten. Warum auch? Wlan gibt es vermehrt auch an öffentlichen Plätzen und Flatrate-Angebote zuhauf.

In Olten, in den Bussen des Busbetriebs Olten Gösgen Gäu AG (BOGG), hingegen werden Grenzen gesetzt. An der Trennwand hinter dem Chauffeur und gleich nebenan ist jeweils ein rund zehn Zentimeter hoher und breiter Kleber angebracht: Ein roter Balken durchtrennt quer ein Handy-Symbol. Ein Handy mit einer herausragenden Antenne. Ein altes Modell, definitiv. Das seit fünf Jahre geltende Handy-Verbot gilt aber nach wie vor.

«Es bedeutet, auf dem Sitzplatz hinter und neben dem Chauffeur nicht laut zu telefonieren oder das Telefon anderweitig zu benutzen», erklärt Toni von Arx, Geschäftsleiter des BOGG. Er nennt auch gleich zwei Gründe für das Verbot, das er lieber «Hinweis» nennt. Laute Telefongespräche an diesen Plätzen hätten die Fahrer und Fahrerinnen in der Konzentration gestört. «Die Massnahme dient also auch der Sicherheit der Fahrgäste und des Personals», so von Arx. Und zweitens habe man das Risiko reduzieren wollen, dass Handys die elektronischen Geräte beim Chauffeur beeinflussen könnten, zum Beispiel die Kasse, den Funk oder die Fahrgastzählung.

«Würde ein solcher Störungsfall eintreffen, würden die Schäden hoch ausfallen», sagt er. Falsche Daten könnten zum Beispiel dem Buchhaltungssystem übermittelt werden, das direkt mit der Kasse verbunden ist und die Einnahmen der Fahrer dokumentiert. Und falls der Fahrgastzähler einen Fahrgast nicht oder doppelt erfasst würde, hätte dies konkrete finanzielle Folgen für den Busbetrieb. Dieser erhält laut von Arx vom A-Welle-Tarifverbund jeweils pro Fahrgast einen Beitrag. Bei Fehlern würde der BOGG also zu wenig oder zu viel Geld erhalten.

Solche Störungsfälle habe es bis jetzt aber keine gegeben. «Es gibt auch keine Tests, die den Einfluss der Handys auf die verschiedenen Geräte beweisen», so von Arx. Eine Störung, die man aber offenbar auf das Handy zurückführen kann, sei das Rauschen und Rattern, das die Fahrer per Funk hören, wenn in der Nähe eine SMS verschickt werde. Dasselbe Geräusch hört man etwa, wenn man neben einem Radio eine Nachricht sendet.

«Lautes Telefonieren stört wirklich»

Halten sich die Fahrgäste aber überhaupt an das Verbot? Laut dem Geschäftsführer ja: «Die weit überwiegende Mehrheit der Fahrgäste verhält sich rücksichtsvoll und beachtet generell die Hinweisschilder.» Ein am Oltner Bahnhof zufällig getroffener Buschauffeur berichtet jedoch von einer anderen Situation: «Es ist bekannt, dass im Bus das laute Telefonieren und der Handygebrauch gleich hinter und neben dem Fahrersitz immer noch ein Problem ist.» Vor allem das laute Telefonieren – von jüngeren bis älteren Fahrgästen – störe den Fahrer wirklich. «Wenn es dazu noch ein interessantes Gespräch ist, wird es noch einmal schwieriger sich zu konzentrieren», sagt der Chauffeur und lacht.

Die Leute würden selten das Verbot respektieren. «Werden sie von uns darauf aufmerksam gemacht oder gebeten leiser zu sein, ignorieren sie uns einfach.» Folgen hat dieses Verhalten für die betroffenen Fahrgäste nicht. «Bestraft wird niemand», sagt Geschäftsführer von Arx. Der angetroffene Chauffeur fühlt sich machtlos: «Mehr als ein Verbot kann man ja nicht aufstellen.» Er schüttelt resigniert den Kopf. «Es ist einfach schade. Wir appellieren ja nur an den gesunden Menschenverstand.»

Ob bei einigen Fahrgästen eine bewusste Respektlosigkeit dahinter steckt, auch wenn sie nicht explizit vom Chauffeur auf den Kleber aufmerksam werden? Oder ist es vielleicht Unaufmerksamkeit oder Gewohnheit? Telefoniert wird schliesslich praktisch überall. Laut dem Geschäftsführer ist vermutlich der Umgebungslärm ausschlaggebend: «Unsere Erfahrung zeigt, dass Telefongespräche im Bus deutlich lauter geführt werden als Gespräche mit Personen, die zum Beispiel im Bus via-à-vis sitzen.» Die Personen am Telefon seien sich oft gar nicht bewusst, dass sie lauter sprechen als normal.

Am den Lärm der Kunden stören sich auch Fahrer des Busbetriebs Solothurn und Umgebung (BSU). «Es gibt vereinzelte Meldungen von Chauffeuren, die sich am Lärm der Kunden stören», sagt Christine Schulz, Sprecherin BSU und RBS, auf Anfrage. Ein Handy-Verbot sei bei ihnen aber im Moment kein Thema. «Der Bus ist schliesslich auch Gemeinschaftsraum», sagt Schulz. Da müsse man auch telefonieren können. Der Fahrer dürfe aber bei ablenkenden Geräuschen natürlich auf höfliche Art die Kunden auffordern, sich gemässigter zu verhalten.

Auch Kurt Rüttimann, Leiter Betrieb Bus der Aare Seeland Mobil AG, kennt kein Handy-Verbot. «Im Seeland bieten wir in einer Buslinie sogar Wlan an», sagt er.

Aktuelle Nachrichten