Coronakrise
Wie reagieren die Läden auf die ersten Lockerungen? Fünf Geschäfte in der Region Olten berichten

Es trifft nicht alle gleich: Gewisse Geschäfte dürfen heute Montag wieder öffnen. Für die einen ist es höchste Zeit, andere brauchen erst mal eine Pause. Eine Umfrage in der Region Olten.

Noël Binetti
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Sabine und Anton Fleischli: Das Gärtnerehepaar schafft auch in diesen Zeiten nicht extra ein Lesegerät für Bezahlkarten an, auch wenn es praktisch wäre.

Sabine und Anton Fleischli: Das Gärtnerehepaar schafft auch in diesen Zeiten nicht extra ein Lesegerät für Bezahlkarten an, auch wenn es praktisch wäre.

Patrick Lüthy

«Ich hoffe auf eine Rückbesinnung der Leute»: Der Gärtnereibetrieb lief auch während dem Lockdown

«Wir wurden von den Leuten beinahe überrannt», sagt Sabine Fleischli hörbar erstaunt in den Hörer. Zusammen mit ihrem Mann führt sie in Wangen bei Olten eine Gärtnerei. Im Betrieb sind vier Personen angestellt. Sie hätten in ihrer Gärtnerei nicht mit einem solchen Ansturm gerechnet als der Bundesrat ab dem 17. März den Lockdown verordnete, im Gegenteil. «Wir sind eine kleine Gärtnerei, unser Geschäft liegt etwas abseits», sagt Fleischli, normalerweise würden sie fast etwas vergessen.

Und so rechneten sie mit einem Stillstand für das Geschäft, schlossen den Verkauf und stellten sich ein auf eine ruhige Zeit. Doch nur in den ersten Tagen sei wenig los gewesen. Dann begannen die Anrufe. Viele Leute aus der Umgebung hätten sich plötzlich erkundigt, ob sie Gemüsesetzlinge oder Erde bestellen könnten. Diese bereiten sie im Betrieb selbst auf und sie seien bei ihren Stammkunden bekannt für deren Qualität. Mit den Preisen der Grosshändler können Fleischlis dabei kaum mithalten.

Aber sie bieten ihren Kunden eine solide Beratung an. Und Fleischlis würden die Pflanzen auch nicht möglichst früh im Jahr anbieten, sondern zu deren natürlichen Saison. Als plötzlich die Nachfrage stieg, schufen sie die Bedingungen, um Bestelltes zur Abholung bereitzustellen. «Die Koordination war eine Herausforderung,» erzählt Fleischli. Doch es klappte. Setzlinge waren gefragt wie nie. Weil die eigenen Fenchelpflanzen noch nicht bereit waren, kauften Fleischlis davon zu: «Das haben wir auch so deklariert.»

Fleischli erzählt von schönen Begegnungen mit Kundinnen und Kunden in der letzten Zeit und schaut hoffnungsvoll in die Zukunft: «Hoffentlich konnten wir einige Leute so zufriedenstellen mit unserer Arbeit, dass sie wieder zu uns kommen.» Denn es sei klar, mit dem Angebot im Supermarkt können sie nicht mithalten. Manchmal muss die lokale Gärtnerei etwas erst bestellen. Ihre Geranien seien etwa noch nicht bereit, derweil im Grosshandel bereits die ersten Blumen verwelken.

«Ich sehe die Situation als Chance und hoffe auf eine Rückbesinnung der Menschen» sagt Fleischli. Viele Leute würden denken, eine Gärtnerei züchte einfach Blumen für die Läden, doch das sei seit bald 20 Jahren nicht mehr der Fall. «Als Dorfgärtnerei bieten wir kompetente Beratung rund um den Garten an. Vom Überwinterungsservice bis zum Besorgen von Gräbern. Und wir ziehen Gemüsesetzlinge selber auf.»

Für am Montag haben Fleischlis vorgesorgt: Die Treibhäuser sind nur von einer Seite zu betreten. «Es gilt Einbahnstrasse.» Sie würden die Personenanzahl begrenzen und auf die Abstände achten, denn die Wege in den Treibhäusern sind schmal. «Wir brauchen aber kein Plexiglas bei der Registrierkasse, eine solche gibt es nicht. Bei uns ist alles ganz einfach gestaltet», lacht Fleischli. Sie hätten auch kein Gerät für die Bezahlung mit der Karte. «Das führen wir nicht extra ein, auch wenn so ein Gerät jetzt praktisch wäre», gibt Fleischli zu.

«Durch alle Maschen gefallen»: Der Neustart im Kosmetikstudio ist bitter nötig

«Ich fiel durch sämtliche Maschen». Dayana Lauper führt als Selbständige in Olten das Geschäft «Makellos Kosmetik und Fusspflege». Sie hatte in den letzten Wochen Existenzängste. «Ich musste ständig rechnen, wie weit das Geld noch reicht. Eine Planung war kaum möglich». Die Ungewissheit machte ihr zu schaffen.

Bis heute habe sie lediglich von der AHV einen kleinen dreistelligen Betrag erhalten. Das sei ein Tropfen auf den heissen Stein und decke in keiner Weise ihre fixen Ausgaben. Umso mehr freut sie sich auf den Neustart. Um optimal auf die Verordnungen des BAG vorbereitet zu sein, wartet sie mit der Öffnung bis morgen Dienstag zu. Dann ist sie im Besitz der zusätzlichen Schutzausrüstung.

Ein Höchstmass an Hygiene ist für Lauper aber üblich: «80 Prozent der Massnahmen sind bei unserem Beruf auch im Alltag Standard.» Für sie sei das Tragen einer Maske Pflicht. Wenn sie Pflege im Gesicht von Kundinnen vornimmt, trägt sie zusätzlich eine Art Helm, der sie mit einer Plexiglas-Scheibe vor einer Ansteckung schütze. Das Desinfizieren von Räumen und Gerätschaften sei für sie Usus. «Ich habe das Glück, dass ich über drei Behandlungsräume verfüge», so könne der räumliche und auch der zeitliche Abstand zwischen den Klientinnen gewahrt werden.

Die Lieferung der Masken habe drei Tage gedauert. Sie habe auf einen anderen Lieferanten ausweichen müssen, der Preis war viermal höher als üblich. In den Vorschriften vom Berufsverband sieht Lauper keine grossen Hürden. Für ihr Geschäft ist überlebenswichtig, dass es keinen Rückfall gibt. «Manche von meinen Dienstleistungen sind für Bedürfnisse, die sich aufschieben lassen.» Anders ist es bei Beschwerden an den Füssen, diese dulden kaum Aufschub.

Sie ist überzeugt: «Es wird Zeit brauchen für eine Normalisierung der Lage», sie rechne mit einer Dauer von zwei bis drei Monaten. Für ihre Kundinnen will sie sich Zeit nehmen. Es gelte Nähe zu schaffen, trotz Abstandspflicht. Auf verschiedenen Kanälen weist Lauper darauf hin, dass sie am Dienstag ihr Geschäft wieder öffnet. Noch seien es nicht allzu viele Termine.

Dayana Lauper: Die Lieferung der Masken dauerte drei Wochen.

Dayana Lauper: Die Lieferung der Masken dauerte drei Wochen.

Oltner Tagblatt

Zurück zum Alltagsrhythmus: Praxisbesitzerin vergrössert zum Start Pause zwischen Klienten

In ihrer Praxis bietet Jeannine von Gunten Akupunktur, Tuina und Bioresonanzbehandlungen an. Alle geplanten Termine ab dem 17. März musste sie absagen. «Zuerst herrschte etwas Unklarheit», sagt von Gunten. Für Behandlungen welche über einen grösseren Zeitraum stattfinden oder sich in einem bestimmten Zyklus abspielen, sei der Unterbruch sicher nicht ideal gewesen.

Für von Gunten hatte die verordnete Pause aber auch gute Seiten: «Ich konnte zu Hause viele Dinge tun, hatte Zeit für mich und widmete mich dem Homeschooling meiner Tochter. Von der AHV habe von Gunten noch keine Zusage von Unterstützungsgeldern. Doch die Sofortzahlung des Kantons über 2000 Franken habe ihr geholfen, zudem sei der Mietzins für die Praxis nicht allzu hoch. Von Gunten sagt im Hinblick auf die Wiedereröffnung, eine gute Organisation der Termine sei zentral.

Über zu wenige Neuanmeldungen will sie sich nicht beklagen, die erste Woche sei bereits gut gebucht. Bereits nach der Medienkonferenz des Bundesrates, an der die ersten Lockerungen bekannt gegeben wurden, hätten sich die Leute wieder bei ihr gemeldet. «Ich rechne damit, dass für mich das Tragen einer Maske ab Montag (stand Freitag, Anm. d. R.) Pflicht sein wird. Ob dies auch für meine Klientinnen und Klienten gilt, weiss ich noch nicht.»

Von Gunten wartet noch auf die Information durch ihren Berufsverband. Auf jeden Fall ist sie gut ausgerüstet. «Meine Praxis liegt oberhalb der Drogerie Wyss, dort kann ich mich mit allem eindecken.» Sie werde darauf achten, dass ein Abstand von einer halben Stunde zwischen den einzelnen Terminen liege. So würden Wartezeiten und zusätzlichen Kontakte zwischen Klienten vermieden.

Von Gunten versteht nicht, weshalb die Schule erst später wieder in den regulären Betrieb übergehen dürfe. «Wegen der Betreuung meiner Tochter hätte ich mir eine gleichzeitige Wiederaufnahme gewünscht», sagt sie.

Jeannine von Gunten: Konnte sich Zeit für sich nehmen.

Jeannine von Gunten: Konnte sich Zeit für sich nehmen.

Oltner Tagblatt

Von den Kunden wertgeschätzt: «Allerart» hatte während des Lockdowns viel Arbeit

Das Blumengeschäft Allerart Blumen in der Oltner Altstadt wird von Jenny Wüthrich geführt. Mit ihr im Betrieb arbeiten noch sechs weitere Personen, manche sind Teilzeit angestellt, andere in Ausbildung. «Am Anfang des Lockdowns herrschte ein wenig Chaos» sagt Wüthrich. Es war unklar, was noch erlaubt ist und was nicht. «Wir haben dann begonnen, die Arbeitsplätze neu einzurichten. Draussen vor dem Geschäft haben wir einen Abholtisch für Bestellungen installiert.»

Es sei ein logistischer und administrativer Mehraufwand gewesen, den das Team motiviert gemeistert habe. «Unsere Kunden haben wir telefonisch und per Mail beraten, die Abstände wurden eingehalten und wir lieferten Blumen in Olten und der ganzen Region aus», blickt Wüthrich auf die Lockdown-Zeit zurück.
Damit ihr Geschäft nicht vergessen ging, war Wüthrich aktiv in den sozialen Medien unterwegs.

Jetzt hätten sich alle im Team an das neue Konzept gewöhnt. Auch in Wüthrichs Laden gilt ab heute ein «Einbahnprinzip». Zudem beschränkt sie die Zahl der Kunden. Maximal vier Personen dürfen gleichzeitig im Laden sein. Es sei alles vorbereitet, um die aus dem Detailhandel bekannten Massnahmen umzusetzen. Wüthrich bleibt zuversichtlich: «Wir erlebten in diesen Tagen viele schöne Reaktionen von unseren Kundinnen und Kunden.»

Die Leute haben sich per Postkarte bedankt, ein Znüni und sogar ein Osternestli vorbeigebracht. Man habe in diesen Tagen die Dankbarkeit der Menschen für ihre Arbeit gespürt. Auch merke man, dass die Leute das lokale Gewerbe unterstützen wollen, das sei ein schönes Gefühl. «Teilweise sind Engpässe bei der Blumen- und Pflanzenbeschaffung entstanden», so Wüthrich.

Dabei denkt sie an einen der für Floristinnen wichtigsten Tage im Jahr: «Mit dem 10. Mai steht der Muttertag praktisch vor der Tür, das wird eine grosse Herausforderung für uns.» Die Arbeit geht nicht aus.

Jenny Wüthrich: Wir hatten schöne Kundenreaktionen.

Jenny Wüthrich: Wir hatten schöne Kundenreaktionen.

Oltner Tagblatt

«Sollen spüren, dass wir da sind»: Das Coiffeurgeschäft Trendsetter hofft auch auf Laufkundschaft

«Wir wollten unsere Kundschaft trotz Lockdowns zufriedenstellen.» Das sagt Cinzia Maiolo, sie ist Filialleiterin vom Coiffeur Trendsetter in Olten. In den letzten Wochen hat sie Kundinnen am Telefon beraten und ihnen Produkte per Post nach Hause geschickt. «Sie sollen spüren, dass wir für sie da sind», sagt Maiolo.

Für heute Montag wurde das Geschäft auf Vordermann gebracht und herausgeputzt. Auch Masken sind ausreichend vorhanden: «Unseren Kunden geben wir Einwegmasken ab und auch unsere Mitarbeitenden werden eine solche tragen.» Bei Arbeiten vis-à-vis einer Kundin werde zusätzlich ein Gesichtsschutz getragen. So soll Sicherheit für beide Seiten geschaffen werden. Maiolo leitet ein Team von insgesamt zehn Angestellten, inklusiv Lernende und Teilzeitmitarbeitende. Sie hofft, dass die Verordnung des Bundesrates keine bleibenden Auswirkungen auf das Geschäft haben wird.

Die Buchungen von Terminen für die erste Woche nach dem Lockdown seien intakt. Doch man müsse jetzt starten und sehen, wie es sich entwickle. Wie das Geschäft mit Passanten anlaufe, sei abzuwarten. Denn im Moment kämen ja nicht sofort wieder alle Leute in die Stadt. «Wir werden draussen vor dem Geschäft einen Tisch haben. Dort kann man Termine buchen, erhält eine Maske und hat die Möglichkeit, sich die Hände zu desinfizieren», sagt Maiolo.

Ausserdem werde nur an jedem zweiten Platz gearbeitet. So sei der Abstand zwischen den Kunden garantiert. Das Personal wird die gesamte Arbeitsausrüstung nach jedem Gebrauch sorgfältig desinfizieren.

«Mit der Bestellung von den von uns verwendeten Produkten hatten wir während des Ausnahmezustands keinerlei Probleme», sagt Maiolo und fügt hinzu: «Und auch die Pakete der Post sind immer pünktlich eingetroffen, obwohl die Post darauf hingewiesen hat, dass es zu Verzögerungen kommen könne.»

Aurora Gomez, stellvertretende Filialleiterin, ist ausgerüstet.

Aurora Gomez, stellvertretende Filialleiterin, ist ausgerüstet.

Oltner Tagblatt