Basketballkorb
Wie lang muss Olten noch aufs erste Dunking warten?

Kein einziger Basketballkorb steht im öffentlichen Raum Oltens zur Verfügung. Dies zu ändern, erweist sich als gar nicht so einfach.

Yann Schlegel
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Hier übten Basketballfreunde vor Jahren noch den «Dunk», bei dem der Spieler den Ball in den Korb stopft.

Hier übten Basketballfreunde vor Jahren noch den «Dunk», bei dem der Spieler den Ball in den Korb stopft.

Bruno Kissling

«Zu wenig Basketballkörbe in der Stadt Olten», titelte das Oltner Tagblatt am 5. Juni 2002. Wie dem Bericht zu entnehmen ist, gab es damals in der Schützenmatte einen Basketballkorb. Das Jugendparlament Region Olten empfand dies als mangelhaft. Es lancierte das Projekt «In Olten gemeinsam». Im Zuge dessen verlangten die Jugendlichen von der Stadt «wieder mehr öffentliche Basketballplätze».

Eine Zeit lang habe die Möglichkeit bestanden, auf fast allen Schulhausplätzen Basketball zu spielen. Nach etlichen Reklamationen in den Wohnquartieren entfernte die Stadt jedoch die Körbe. «Zurzeit besteht nur noch in der Schützenmatte die Möglichkeit, Basketball zu spielen», schrieb das Jugendparlament in der damaligen Medienmitteilung. Die Jungpolitiker forderten konkret die Installation eines zweiten Korbs mit einem markierten Spielfeld. Zudem hätten die Jugendlichen nach alternativen Standorten für Basketballkörbe gesucht.

Sportstadt ohne Basketballkörbe

Heute gibt es selbst den Basketballkorb auf der Schützenmatte nicht mehr. Und aufgrund der Kanti-Sanierung sind die beliebten Spielplätze am Rande des Hardwaldes voraussichtlich bis 2022 nicht zu nutzen. Aus diesem Grund bringt Luc Nünlist 15 Jahre nach den Forderungen des Jugendparlaments das Bedürfnis nach Basketballfeldern erneut aufs Tapet. In der Novembersitzung des Gemeindeparlaments scheiterte der SP-Vertreter mit einer Motion (wir berichteten).

Nünlist forderte explizit ein Basketballfeld auf dem Vorplatz der Schützenmatte. Der Stadtrat wollte sich nicht auf diese einzig gültige Option «festnageln» lassen, sagt Stadträtin Iris Schelbert von der Direktion Bildung und Sport. Und führt aus: «Wir hätten gerne alternative Standorte mit gelenkschonenderem Untergrund geprüft.»

Deshalb habe sie schon im Vorfeld der Sitzung den Dialog mit Luc Nünlist gesucht und ihn gebeten, die Motion in ein Postulat umzuwandeln. «Ich wollte nicht den Bedarf prüfen lassen: Darüber sind wir hinaus», sagt Nünlist. Eine Stadt mit 18'000 Einwohnern ohne Basketballkörbe sei mehr als erstaunlich und stelle «das Label ‹Sportstadt› schwer infrage», rechtfertigt der Bierbrauer seine Unnachgiebigkeit. Er habe in der Angelegenheit wiederholten Kontakt mit der Direktion Bildung und Sport gepflegt. «Die zögerliche Haltung befriedigte mich nicht», sagt Nünlist und tönt an, weshalb er letztlich eine Motion wählte. «Ich will im nächsten Frühling die Körbe sehen», sagt Nünlist. Er hatte mit seinem Vorstoss keinen Erfolg, weil Voten der bürgerlichen Parteien die Sache zu Fall brachten: Die finanzielle Tragweite der Motion sei nicht bekannt, monierten sie.

Hoheit des Stadtrates

Zusätzlich für Verwirrung sorgte in der Novembersitzung Rechtskonsulent Patrik Stadler. Beim Vorstoss handle es sich eher um ein Postulat, schätzte er ein. «Platzgestaltung liegt in der Kompetenz des Stadtrates», sagt Stadler heute auf Nachfrage. Daher greife Luc Nünlists Forderung in dieser Form in die Hoheit des Stadtrates ein. Im Sinne einer Anregung entspreche es daher formalrechtlich eher einem Postulat. Hätte das Parlament der Motion zugestimmt, wäre der Stadtrat gezwungen gewesen, fürs Budget 2019 eine Vorlage zu unterbreiten. Hingegen ist es ungewiss, ob der Stadtrat die Motion sofort über einen Nachtragskredit umgesetzt hätte. Denn verpflichtet wäre er dazu nicht.

Stadträtin Iris Schelbert sagt heute auf Anfrage, sie ziehe trotz abgelehnter Motion in Erwägung, Luc Nünlists Anliegen nach den Wintermonaten zu prüfen. Auf eine feste Zusage verzichtet sie aber. Derzeit würden Jugendarbeit und neues Schulhaus Priorität geniessen. «Aber wir haben Freude, wenn die Jugendlichen sich bewegen», sagt Schelbert und ist daher Nünlists Idee nach wie vor nicht abgeneigt. «Vor vielen Jahren erwirkte ein betagter Mann über ein Gerichtsurteil, dass die Stadt Basketballkörbe im Quartier abmontieren musste», erinnert sich die grüne Stadträtin. Weshalb der Basketballkorb in der Schützi weichen musste, ist auch ihr nicht mehr bekannt.

Damit Nünlists Wunsch in Erfüllung geht, bräuchte es viel Wohlwollen des Stadtrates und einen Nachtragskredit. Doch gemäss städtischem Rechtskonsulent Patrik Stadler müsse man dieses Mittel vorsichtig einsetzen. «Die Budgethoheit des Parlaments wird bei einem Nachtragskredit umgangen. Daher sollte der Stadtrat diese nur in zwingenden Fällen sprechen.»

Vieles deutet darauf hin, dass es vor 2019 keine Basketballkörbe im öffentlichen Raum geben wird. Sollten die Körbe auf der Schützenmatte eines Tages zurückkehren, würde sich ein Kreis schliessen. «Eventuell liegen irgendwo sogar noch solche herum», sagt Schelbert.

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