Kunstmuseum Olten
Wie Künstler die Schweiz sehen

Die Ausstellung «Grüezi! Bienvenue! Welcome!» im Kunstmuseum Olten zeigt auf, wie Künstler unser Land sehen. Und zeichnet dabei ein überraschend vielschichtiges Bild der Schweiz.

Isabel Hempen
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Neue Austellung im Oltner Kunstmuseum
6 Bilder
Wegweiser vor dem Oltner Kunstmuseum
Ton-Installation «Balgerei» von Urban Mäder und Peter Allamand: Acht computergesteuerte Staubsauger ziehen acht Schwyzerörgeli auf
Neue Ausstellung im Kunstmuseum mit eigenen und fremden Beständen
Gesellschaftsspiel «Gartenzwerg im Kopf» des Künstlerduos «Interpixel»

Neue Austellung im Oltner Kunstmuseum

Bruno Kissling

Wer der politischen Lage im Land überdrüssig ist, tut gut daran, sich der Kunst zuzuwenden. Nicht, weil diese Lösungen böte. Aber eine neue Sicht der Dinge immerhin. Der aktuellen Ausstellung «Grüezi! Bienvenue! Welcome» im Kunstmuseum Olten gelingt ebendies: Sie zeigt auf, wie Künstler unser Land sehen. Und zeichnet dabei ein überraschend vielschichtiges Bild der Schweiz.

Drei Schilder – drei Begriffe

Darauf deutet bereits der Wegweiser des Künstlers Florian Graf vor dem Kunstmuseum hin: drei Schilder – «Liberté», «Egalité», «Fraternité» – drei Himmelsrichtungen. Werken aus der Sammlung des Museums werden zeitgenössische Arbeiten gegenübergestellt.

Ferdinand Hodlers «Mönch» etwa, ein majestätischer Höhepunkt des schweizerischen Kunstschaffens, trifft auf eine künstlerische Dokumentation der Schweizerin Sasha Huber, die sich seit Jahren dafür stark macht, dass das nach dem Naturforscher und höchst umstrittenen Rassentheoretiker benannte Agassizhorn in den Berner Alpen umbenannt wird.

Wobei der Hodler neben dem Crossmediaprojekt völlig untergeht. Das ist gewollt. Museumsdirektorin und Kuratorin Dorothee Messmer geht es dabei nicht um Provokation. Was die Schau eigentlich vermittelt, und darin liegt ihr Verdienst und ihre Relevanz: Spannung. Eine spannende Schweiz.

Wenig überraschend, taucht der Berg darin wiederholt auf: Der von Martin Disteli festgehaltene Rottalgletscher aus dem frühen 19. Jahrhundert zeugt von der Eroberung der Berge, Ueli Sager hingegen fotografierte sein «Matterhorn» 1980 im Disneyland Los Angeles.

Die schwedische Künstlerin Carla Åhlander begibt sich ausgehend von einer Ferienaufnahme ihres Vaters auf Spurensuche in die Schweiz. Und kann den darauf schemenhaft abgebildeten Berg tatsächlich ausfindig machen.

Dass die Schweiz «A land fit for heroes», ein Land für Helden sei, vertritt das Künstlerduo collectif_fact mit dem gleichnamigen Film. Die Kamera schwenkt hier in einer einzigen Einstellung über eine schweizerische Kleinstadt, deren Idylle jäh gestört wird... Anleihen ans Wildwest-Genre, und Suspense, auch hier.

Einmaliger Nachlass

Einmalig der Nachlass des Oltner Künstlers Hans «Kü» Küchler (1929-2002). Dieser wird derzeit vom Kunstmuseum Olten aufgearbeitet und in Auszügen präsentiert. Der ehemalige Chefgrafiker der Schweizerischen Verkehrszentrale, der unter anderem auch für den Nebelspalter zeichnete, ist mit urschweizerischen Themen präsent: einer satirischen Serie zu Tell (KarTell, ATel, ...), markanten Ski-Modellen.

Einen eher ungewohnten Auftritt legen auch die Schwyzerörgeli in der Ton-Installation «Balgerei» von Urban Mäder und Peter Allamand hin. Computergesteuerte Staubsauger ziehen diese auf und schaffen ein Konzerterlebnis, dem man rasch entfliehen möchte.

Tradition zeigen auch die Neujahrsblätter von Cuno Amiet, welche die Post in den 1920er-Jahren unter dem klingenden Titel «Schönheiten der Alpenstrasse» herausgab. Hans-Rudolf Fitze widmet sich ebenfalls der Landschaft, irritiert aber mit deren Dekonstruktion.

Mit das aktuellste Werk bietet wohl das «Aufenthalt-Alphabet» der Palästinensers Habib Asal, der an der Zürcher Hochschule der Künste studierte. Sehen die einen Besucher darin lediglich unifarbene Leinwände, denen je ein Buchstabe zugeordnet ist (der erste Gedanke eines Schweizers vielleicht: Periodensystem der Elemente?), bedarf es für die anderen keiner Erklärung: Niederlassungsbewilligung G, B, N, Ci, S, C, L, F.

Flughafenstimme

Tatsächlich wäre jede einzelne der präsentierten Arbeit erwähnenswert, aus Platzgründen sei aber auf die Ausstellung verwiesen. Ach ja, und was es mit deren Titel auf sich hat: So wird man von der Tonbandstimme am Flughafen Zürich willkommen geheissen. «Grüezi! Bienvenue! Welcome!»

Die Ausstellung «Grüezi! Bienvenue! Welcome!» im Kunstmuseum Olten dauert vom 21. Mai bis 21. August 2016. Die Vernissage findet am Freitag, 20. Mai, 18.30 Uhr statt.