Olten
«Wie heisst der Fluss? – Mir doch egal»

Was Touristen wo erfahren, wenn sie Stadt und Region kennenlernen wollen und was wo nicht. Eine kleine Kreuzfahrt durch den touristischen Alltag der grössten Stadt im Kanton.

Urs Huber
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Selten benannt und bei den Einheimischen scheinbar doch so begehrt: die Aare mit der alten Holzbrücke.

Selten benannt und bei den Einheimischen scheinbar doch so begehrt: die Aare mit der alten Holzbrücke.

Bruno Kissling

«Kalkutta liegt am Ganges, Paris liegt an der Seine ...», sang Vico Torriani zu Beginn der Sechziger des letzten Jahrhunderts. Das war fast so etwas wie eine Geografielektion, auch wenn darin London und die Themse, Berlin und die Spree, Rom und Tiber, Lissabon und Tejo oder Dublin mit der Liffey nicht vorkommen. Und wo bitte liegt Olten? Klar, Olten liegt an der Aare. Das weiss jetzt jede und jeder. Aber wo ist dies zu erfahren für einen Besucher, wenn ers noch nicht weiss und zu den über 80 000 Personen gehört, die täglich den Bahnhof Olten frequentieren? Der Name des Flusses ist nämlich nirgends zu lesen im ganzen Bahnhofbereich; weder Anschlagbrett noch Namenstafel mit dem entsprechenden Hinweis sind auffindbar.

Nur eine einzige Affiche könnte den Besuchenden dazu verleiten, dem Fluss den richtigen Namen zuzuordnen. Ein Plakat erklärt dem Neugierigen auf der Plattform vor der Martin-Disteli-Unterführung die Tierwelt an der Aare. Schier könnte man meinen, in Olten rechne niemand mit Fremden. Und wenn, dann mit solchen, denen der Name des Flusses so oder so einerlei ist, wie jenem Vater, der auf die Frage seines Sohnes, wie der Fluss heisse, antwortet: «Mir egal.»

Bei Olten Tourismus

Wenn er denn nicht irgendwelche Passanten fragt, der nicht wissende Besuchende, dann erfährt er von der Aare erstmals bei Olten Tourismus, gleich jenseits des Flusses. «Gut die Hälfte der Besucher holt sich bei uns Informationen über Sehenswürdigkeiten der Stadt», sagt Christian Gressbach, Direktor von Region Olten Tourismus. «Aber wollen die Besuchenden den Namen des Flusses denn wissen? Oder kennen sie ihn schon?», sinniert er dann. «Wir wurden jedenfalls noch nie danach gefragt.» Aber bei vielen Beratungen falle der Begriff natürlich. «Aare aufwärts gehts zur Altstadt.

So geben wir den Interessierten die allgemeine Richtung an», sagt er. Denn der vom Tourismusbüro ausgehändigte Führer «Rundgang durch Oltens Geschichte» startet zwar nicht in der Altstadt, benennt dort aber – naturgemäss – die meisten Sehenswürdigkeiten. Ringmauer beim Hexenturm, Kapuzinerkloster, Rathskeller, Zielemp, Stadtbad, ehemaliges Rathaus (heute Stadtbibliothek), ehemalige Kaplanei, Spittel, Stadtturm. Orte übrigens, die per Schild sauber – wenn auch diskret – gekennzeichnet und mit kurzen historischen Fakten ergänzt sind. Immerhin: Auch der in der Broschüre aufgeführte schematische Stadtplan nennt den Namen des Flusses.

Ansage im Bus: in Mundart

In andern Broschüren von Tourismus Region Olten zu finden sind auch Destinationen ausserhalb der Stadt, die etwa mit dem Bus zu erreichen sind. In welcher Sprache findet denn die Ansage der Haltestellen statt? «In einer hiesigen Mundart» so der stellvertretende Direktor des Busbetrieb Olten Gösgen Gäu (BOGG), Andreas Studer. «Viele der Haltestellennamen haben sowieso einen mundartlichen Namen, da bringt eine Ansage in Hochdeutsch gar nichts», erklärt er.

Und wers in Mundart nicht verstehe, der verstehe die Ansage auch in Hochdeutsch nicht, kommt er zum Schluss. Und auf mögliche Touristen im Bus angesprochen meint er, das komme wirklich äusserst selten vor. Die BOGG transportiere fast ausschliesslich Pendler, die eh schon wüssten, wo sie zu- und aussteigen müssten. Olten ist eben keine wirkliche Touristenstadt; in Olten gilt Werktag.

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