Geschichte

Wie die Religion das Gesicht der Stadt Olten bis heute prägt

Ein Blick in die Marienkirche (gebaut 1952), die heute zu den Baudenkmälern von nationaler Bedeutung gehört

Ein Blick in die Marienkirche (gebaut 1952), die heute zu den Baudenkmälern von nationaler Bedeutung gehört

Urs Amacher veröffentlichte vor kurzem das Bändchen «Olten entdecken» über Kirchen, Kapellen und kirchliche Gebäude in Olten.

Keine solothurnische Stadt hat eine so wechselvolle religiöse Geschichte wie Olten. Dies obwohl die Stadt in der Reformation katholisch blieb und gar zur Bekräftigung dieses Glaubens während der Gegenreformation das Kapuzinerkloster Stadt gebaut wurde. Doch dann kam es zum Kulturkampf, in dem Olten eine wichtige Stellung einnahm. Die Katholische Kirche und der liberale Staat kamen sich ins Gehege. In Olten schieden sich die Geister daran, ob der Ortsgeistliche vom Stift in Schönenwerd oder von den Stadtoberen gewählt werden soll.

Die Antwort darauf war die Gründung der christkatholischen Kirchenverfassung, die an einer Konferenz Ende August 1873 in Olten beschlossen wurde. So kam es zur Abspaltung von der Katholischen Kirche.
Mit dieser geschichtlichen Episode leitet der Verfasser des soeben erschienenen Büchleins «Olten entdecken – Kirchen, Kapellen und kirchliche Gebäude» Urs Amacher in seiner 60-seitigen Publikation ein, und er zeigt damit, wie die Religion das Gesicht der Stadt Olten bis heute prägt.

Episoden und Legenden rund um Gotteshäuser

Amacher zählt insgesamt 23 Gebäude auf. Er beginnt mit einer chronologischen Aufzählung der grösseren Gotteshäuser. So ist beispielsweise zu erfahren, warum von der alten Pfarrkirche in der Oltner Altstadt heute nur noch der Turm zu sehen ist. Denn eigentlich hätte dieser heute für Olten so identitätsstiftende Turm genau wie das dazugehörenden Kirchenschiff 1844 abgebrochen werden sollen. Es ist zu erfahren, wie es zum Bau des Kapuzinerklosters kam und nachzulesen ist die spannende Geschichte über den Weggang der Katholiken aus der Stadtkirche zugunsten der Christkatholiken.

Am Palmsonntag 1873 wurde dort zum letzten Mal eine Frühmesse gefeiert, bevor die Katholischen dann in einem Privathaus während drei Jahre ihre Messen feierten. Zwar hätten die Christkatholischen ihren Vorgängern den Heiligkreuzaltar in der Stadtkirche zum alleinigen Gebrauch überlassen und vorgeschlagen, die Kirche simultan zu nutzen, doch der damalige Pfarrer lehnte dieses Angebot ab. 1876 wurde dann die sogenannte Notkirche, heute Josefsaal, erbaut und 1910 die grosse zweitürmige St. Martinskirche.

Auf Grund der starken Bevölkerungszunahme Anfang des 20. Jahrhunderts wurden weitere Kirchen gebaut; auf jeder Stadtseite existieren heute je eine Reformierte und eine Katholische.
Alle Baustile der Neuzeit sind in den Kirchenbauten vertreten: Art Deco (Friedenskirche), Architektur der Fünfzigerjahre (Marienkirche) mit Kunst von nationaler Bedeutung und Jurasüdfussarchitektur (Pauluskirche). Der Autor beschreibt auf jeweils zwei Seiten die Architektur und Ausstattung aller Gebäude. Auch werden Anekdoten und Legenden eingestreut.

Neben den Gotteshäusern sind auch Geschichten über Kapellen zu finden. Ebenso werden die verschiedenen Sozialeinrichtungen, die von Kirchgemeinden ins Leben gerufen wurden, beschrieben. Eine Besonderheit ist auch der Katholische Pressedienst KPO, der früher an der Solothurner Strasse 22 untergebracht war und aus welchem der Otto Walter-Verlag entstand. Der KPO existiert bis heute und ist übrigens der Auftraggeber für dieses Buch.

Hinweis: Amacher, Urs: «Olten entdecken». Buchhandlung am Klosterplatz Olten 062 212 27 39. Fr. 19.80

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