Nach drei von neun Runden liegen die Oltner mit 2 Punkten auf dem 7. Platz unter zehn Teams, von denen die beiden Letztplatzierten absteigen. Neben zwei Niederlagen (3½:4½ gegen Schwarz-Weiss Bern und 2:6 gegen Baden) gewannen sie überraschend mit 4½:3½ gegen den letztjährigen Dritten Tribschen Luzern. «Wir haben uns in der Startrunde zwar eher gegen Schwarz-Weiss Chancen ausgerechnet, uns dann aber umso mehr über den unerwarteten Sieg gegen Tribschen gefreut», sagt Björn Holzhauer.

Bis zum erneuten Klassenerhalt ist es zwar noch ein weiter Weg, denn im vergangenen Jahr brauchten die Oltner 7 Punkte, um oben zu bleiben. Doch Björn Holzhauer sieht dem weiteren Verlauf der bis zum Oktober dauernden Meisterschaft zuversichtlich entgegen – auch weil die Mannschaft konstanter und selbstbewusster geworden ist, weil sie permanent auf stärkere Gegner trifft. «Wichtig wird vor allem sein, dass wir in der 6. Runde Ende August den direkten Abstiegskonkurrenten Nimzowitsch Zürich schlagen. Dann stehen unsere Chancen gut.»

Die Nummer 2 im Oltner NLB-Team hinter FM Bruno Kamber hatte schon letzte Saison mit 4½ Punkten aus acht Partien massgeblichen Anteil am Klassenerhalt. Und auch seine diesjährige 50-Prozent-Bilanz mit einem wichtigen Sieg gegen Tribschen, einem Unentschieden und einer Niederlage lässt sich sehen. Wohl spielt er aus beruflichen und familiären Gründen keine Mehrtages-Open. Doch er fehlt kaum an einem SKO-Klubabend im Bahnhofbuffet Olten und sammelt Spielpraxis in den Vereinsturnieren.

Dort ist der Vereinsmeister und Rapid-Turnier-Sieger 2014 und 2015 sowie frischgebackene Blitzmeister 2016 zwar meistens der klare Favorit. Weil er aber wegen des Schweizer Systems gegen die jeweils stärksten SKO-Spieler antreten muss, «ist es keineswegs trivial, jede Partie zu gewinnen. Denn meine Gegner bereiten sich oft gut auf die Partien gegen mich vor.»

So musste der Titelverteidiger in der laufenden Vereinsmeisterschaft, wo er hinter Bruno Kamber als Nummer 2 gestartet ist, in den ersten vier Runden bereits anderthalb Punkte abgeben. Adrian Kamber, seines Zeichens Captain des NLB-Teams, brachte ihn in der 3. Runde mit Weiss dank einer guten Eröffnungsvorbereitung unter Druck und holte ein Remis heraus. Und eine Runde später musste sich Björn Holzhauer gar dem 423 ELO-Punkte weniger aufweisenden, in der 3. Liga spielenden 14-jährigen Oliver Angst geschlagen geben. «Man muss im Schach lernen, dass man auch mal gegen nominell schwächere Gegner verlieren kann. Und es ist ja ein gutes Zeichen, wenn wir im SK Olten starken Nachwuchs haben», nimmt es Holzhauer sportlich.

Die Meister-Gans

Dass der 37-jährige Deutsche seit drei Jahren für den Schachklub Olten spielt, hat berufliche und Hobby-Gründe. Weil er in Basel arbeitet und seine Frau in Zürich, suchten sich die beiden einen Wohnort, von dem aus beide Arbeitsorte gut zu erreichen sind. In Fulenbach wurden sie 2012 sesshaft, weil sie dort ein Einfamilienhaus fanden, wo sie sich ihrer gemeinsamen Leidenschaft – der Gänsezucht – widmen können. Derzeit haben die beiden zwei Elternpaare und acht Junge. 2014 holte ihre gefiederte Schönheitskönigin Victoria bei der nationalen Geflügelausstellung den Titel in der Kategorie «Champion Gänse».

Apropos Titel: Aktuell arbeitet der Diplom-Mathematiker, der bei Novartis klinische Studien im Bereich Atemwegerkrankungen plant und ausführt, berufsbegleitend an seiner Promotion. «Wie kann man Daten über Nebenwirkungen von Medikamenten besser analysieren?», lautet die interessante Fragestellung für seine Dissertation. Schach, Gänse, Beruf, Doktorarbeit – Björn Holzhauers Leben ist alles andere als langweilig.