Sogar das Wallstreet Journal berichtete 1987 darüber, dass eine Schweizer Firma in Mekka eine sieben Meter hohe Uhr aufstellen durfte, darunter ein Sockel mit dem Bildnis des saudiarabischen Königs Fahd. Es handelte sich um ein Produkt der Uhrenfabrik Candino. Sie gehört heute zur Festina-Gruppe, doch sie hat ihre Wurzeln in Herbetswil, wo noch heute produziert und repariert wird.

In Erinnerung gerufen wird die erwähnte Episode – und viele weitere – durch das Buch «Zeitlebens – Lebenszeit; Time ist an Adventure», geschrieben von Tamara Flury-Schlappritzi, der zweiten Gattin von Armin Flury, dem Gründer der Firma Candino Watch. Das Buch gibt denn auch vorderhand das Leben Armin Flurys und dessen Erkenntnisse wieder.

Wie ein roter Faden zieht sich durch Armin Flurys Geschichte: Er fand immer einen Ausweg und setzte sich durch. Schon als Bub. Während des Spielens mit Kameraden musste er häufig auf seine kleine Schwester aufpassen. Damit diese nicht immer aus dem Kinderwagen ausstieg, stellte er diesen einfach in die Nesseln. Als er für die Oberstufe nach Balsthal zur Schule musste, reklamierte sein Banknachbar, er wolle nicht neben einem sitzen, der nach Kuhdreck stinkt. Armin machte dann vom Faustrecht Gebrauch. Auch hatte er früh seine Fähigkeit des Handelns entdeckt. Er kaufte Grosspackungen von Präservativen und verkaufte sie einzeln «zu horrenden Preisen».

Mehrere Wechsel

Als 21-Jähriger wurde er Buchhalter bei einer Spirituosenfirma. Seine Chefs erkannten Armins Verkaufstalent und so fuhr er durchs Land und verkaufte mit Erfolg Whisky, Gin und Cognac. Unterdessen hatte sein Vater Adolf in Herbetswil ein Uhrenatelier eröffnet. Armin übernahm die kaufmännische Führung, 1954 stieg sein Bruder Kurt als Produktionsleiter mit ein und man wollte künftig Uhren herstellen und verkaufen, die ein eigenes Label tragen. Dieses lautete zuerst «candido», aus dem Lateinischen für rein, ehrenwert, schön. Doch ein Kunde meldete, unter «candido» verstehe man in Südamerika auch eine Hure. Ein Buchstabe wurde gewechselt, fortan hiess die Marke Candino.

Es folgte noch ein Wechsel: Aus Fluri wurde Flury mit der Begründung, Fluri sei in Englisch nur schwer auszusprechen. Die beiden Brüder Flury brachten das Unternehmen zum Blühen, die Marke Candino wurde in der Schweiz und weltweit zu einem Begriff. Zeitweise arbeiteten 240 Personen für die Firma, der Jahresumsatz betrug bis zu 55 Mio. Franken. Wie sich Höhen und Tiefen abwechselten und es schliesslich zum Verkauf der Firma kam, hat die Autorin auf sehr persönliche Weise festgehalten.

Erhältlich ist das Buch bei Tamara Flury-Schlappritzi, 2572 Mörigen; per Email: a.t.flury@bluewin.ch