Olten
Widerstand von links bis rechts – nun werden geplante Velounterstände zum Politikum

Beim Amthausquai gegenüber des Stadttheaters sollen die beiden Veloständer mit 56 Plätzen zu stehen kommen als Entlastung für die vollen Veloparkings am Bahnhof. Ob es tatsächlich so weit kommt, ist allerdings fraglich. Bereits gibt es zwei Einsprachen.

Fabian Muster
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Auf dem Amthausquai gegenüber des Stadttheaters sollen 56 Veloparkplätze entstehen als Entlastung für die Veloparkings beim Oltner Bahnhof.

Auf dem Amthausquai gegenüber des Stadttheaters sollen 56 Veloparkplätze entstehen als Entlastung für die Veloparkings beim Oltner Bahnhof.

Bruno Kissling

Die von der Stadt geplanten 56 provisorischen Veloabstellplätze beim Amthausquai gegenüber dem Stadttheater (wir berichteten) sind breiter Kritik ausgesetzt und werden nun zum Politikum. Es begann damit, dass FDP-Parlamentarier Max Husi in einem Leserbrief in der letzten Samstagsausgabe dieser Zeitung beklagte, dass mit den beiden Veloständern «ein Stück Alt-Olten rücksichtslos zerstört» würde.

Die Diskussion weitete sich auf die sozialen Medien aus: In der Oltner Facebook-Gruppe postete der ebenfalls ablehnend eingestellte Grünliberale-Parlamentarier Christian Ginsig eine Umfrage: Mehrere Amtskollegen von links bis rechts halten die geplanten Veloabstellplätze für zu wenig nützlich, weil sie zu weit weg vom Bahnhof sind – gemäss Google Maps müssten rund 180 Meter bis zur Aussentreppe zurückgelegt werden, die zur Martin-Disteli-Unterführung führt. Beim Kurznachrichtendienst Twitter äusserte sich auch die Oltner SP-Kantonsrätin Susanne Schaffner negativ über die Veloständer («Der Amthausquai ist zu schade für Provisorium») und regte eine Einsprache an.

So sind die zwei Velounterstände mit 56 Abstellplätzen geplant: Zwei Sitzbänke müssten versetzt werden, für die Zufahrt aufs Trottoir würde eine Rampe erstellt (Mitte).

So sind die zwei Velounterstände mit 56 Abstellplätzen geplant: Zwei Sitzbänke müssten versetzt werden, für die Zufahrt aufs Trottoir würde eine Rampe erstellt (Mitte).

zvg

«Visitenkarte wird verschandelt»

Nun ist es in der Tat so weit: Die städtische FDP hat gestern mitgeteilt, dass sie formell eine Einsprache macht, obwohl sie als Partei eigentlich gar nicht dazu berechtigt wäre. Dies sind nur direkte Anstösser oder Interessensverbände via Verbandsbeschwerderecht. Die Partei beruft sich aber auf ihre 580 stimmberechtigten Mitglieder und macht in ihrer Einsprache geltend, dass die geplanten Veloabstellplätze vor allem aus städtebaulichen Gründen nicht zu bewilligen seien. Sie widersprächen der vom Stadtrat genehmigten «Strategie Innenstadt 2012» und störten die «städtebauliche Harmonie» rund ums Amtsgericht und das Stadttheater. «Die Ansicht auf Amthausquai und Klosterplatz hat eine wichtige Imagefunktion für Olten», heisst es im Papier, die freiräumlichen Qualitäten des Amthausquais mit Ausblick auf die Aare, den Bahnhof und die Altstadtsilhouette sei zu erhalten und pflegen.

Ein weiteres Argument ist die zu grosse Distanz: «Die Unterstände dienen weder einer angemessenen Erschliessung der Altstadt noch des Bahnhofs.» Nicht zuletzt seien die Veloständer auch aus formalen Gründen abzulehnen: Das Projekt sei weder der Stadtentwicklungskommission noch der Altstadtkommission vorgelegt worden, obwohl in der Nähe der Altstadt bzw. dessen Schutzzone. «Wir wollen die Flanierzone beim Amthausquai schützen, weil für Fussgänger mit den Veloständern nur ein zwei Meter breiter Durchgang bestehen bliebe», sagt FDP-Fraktionschef Urs Knapp auf Anfrage.

Ex-FDP-Nationalrat Ruedi Steiner hat als unmittelbarer Anstösser der Liegenschaft Römerstrasse 4 ebenfalls Einsprache erhoben. Er beschwert sich darüber, dass «mit unschönen und billig wirkenden Velounterständen diese Visitenkarte und in massgeblichen Publikationen als ausserordentlich schöne, wertvolle und als schützenswert bezeichnete Ansicht in unzumutbarer Weise zerstört und verschandelt würde».

Stadt hat Alternativen geprüft

Grünliberale-Politiker Christian Ginsig fordert die Stadt nun auf, dass «nochmals eine alternative Lösung anstelle des Projekts Amthausquai eingehend geprüft wird» – an zentraler Lage und in kurzer Distanz zum Bahnhof. Es kursieren derzeit mehrere Alternativvorschläge: beim Känzeli oberhalb des Ländiwegs, im Hang beim Ländiweg, ein Ausbau des bestehenden Veloständers beim Amthausquai gegenüber dem «Aarhof» oder ein Veloständer beim Bahnhofquai, wo derzeit Dutzende von Pendlern ihr Velo wild parkieren.

Baudirektor Thomas Marbet sagt auf Anfrage, dass die Stadt mehrere Standorte geprüft, aber aus unterschiedlichen Gründen verworfen hätte – zu wenig Platz, als Provisorium zu aufwendig oder das Stadtbild zu stark beeinträchtigend. Der SP-Mann hält fest, dass die Veloständer beim Amthausquai eine «pragmatische, gewerbefreundliche und das Stadtbild nicht allzu stark beeinträchtigende Lösung» seien. Zudem könne der Versuch abgebrochen werden, wenn sich die Veloabstellplätze nicht bewährten.

Keine Einsprache via Verbandsbeschwerderecht machen wollen Pro Velo Region Olten und VCS Sektion Solothurn.