Kunstmuseum Olten

Werden bald Private mitbestimmen was ausgestellt wird?

Anonyme Mäzenaten-Gruppe ist bereit, einen Anbau beim Kunstmuseum zu finanzieren, wenn dafür im Haus ein «Morach-Zentrum» entsteht.

Anonyme Mäzenaten-Gruppe ist bereit, einen Anbau beim Kunstmuseum zu finanzieren, wenn dafür im Haus ein «Morach-Zentrum» entsteht.

Um zu überleben wird beim Kunstmuseum Olten auf Zusammenarbeit mit Institutionen und Museen und grosszügige Mäzene gesetzt. Auch künftig sollen Private stark eingebunden werden, die aber jetzt schon Bedingungen setzen.

Über drei Etagen erstreckt sich derzeit im Kunstmuseum Olten die Ausstellung des Thurgauer Malers Adolf Dietrich. Eine relativ grosse Schau für das Kunstmuseum, dessen Schliessung vor rund einem Jahr noch diskutiert wurde. «Ohne meine Kontakte zum Kunstmuseum Thurgau hätten wir die Ausstellung gar nicht machen können», sagt Dorothee Messmer, Direktorin des Kunstmuseums Olten.

In der aktuellen Ausstellung handelt es sich bei vielen Bildern und Objekten um Leihgaben aus dem Kunstmuseum Thurgau. Der frühere Arbeitsort von Messmer. «Es hiess sofort ‹kein Problem›. Ich durfte ausleihen, was ich wollte.» Das Kunstmuseum Olten profitiert aber nicht nur vom grossen Beziehungsnetz Messmers, sondern erhielt nach der Budgetkürzung Unterstützung von vielen Seiten, wie die Museumsdirektorin sagt.

Besucherzahlen gestiegen

Mittlerweile wird das Museum zum Beispiel auch stark von anderen Institutionen und Veranstaltern mit Events eingebunden, wie die aktuelle Agenda zeigt. Das jüngste Beispiel ist die kabarettistische Führung durch das Haus, welche während der Oltner Kabarett-Tage stattfand. «Wir wurden von den Institutionen angefragt. Seit letztem Jahr geschieht das vermehrt. Ihre Solidarität ist natürlich sehr schön und wertvoll», so Messmer.

Der Wille, das Museum zu erhalten und zu pflegen, sei aber auch in der Bevölkerung klar spürbar. «Wir haben dieses Jahr das erste Mal einen Aufruf lanciert, in dem wir nach ehrenamtlichen Helfern gesucht haben. Und es haben sich 25 Leute gemeldet», sagt Messmer. Auch die Besucherzahlen im Museum haben zugenommen: 7913 Besucher waren es 2014, drei Jahre zuvor waren es lediglich 5675.

Eine Viertel Million von Privaten

Die Solidarität von einigen geht sogar so weit, dass mittlerweile eine anonyme Mäzenaten-Gruppe das durch die Budgetkürzung entstandene Loch mit rund einer Viertel Million stopft. Und zwar für sechs Jahre. In dieser Zeit darf die Stadt dafür die Nettokosten von aktuell 550 000 Franken für das Kunstmuseum nicht weiter kürzen. Das sind laut Stadtschreiber Markus Dietler die Bedingungen, welche die Stadt ab diesem Jahr mit den anonymen Geldgebern eingegangen ist.

«Grundsätzlich haben wir in dieser Hinsicht keine Berührungsängste», so der Stadtschreiber. Inhaltliche Bedingungen habe es vonseiten der Geldgeber keine gegeben. Sie haben also keinen Anspruch darauf mitzubestimmen, was im Kunstmuseum ausgestellt wird. «Bis jetzt haben wir keine negativen Erfahrungen gemacht. Die Museumsdirektorin wird auch nicht beeinflusst», sagt Dietler.

Keine inhaltlichen Bedingungen

Deshalb kann sich der Stadtschreiber gut vorstellen, dass auch nach den sechs Jahren Private weiterhin finanziell eine wichtige Rolle spielen werden. Auch wenn es dann der Stadt finanziell besser gehen würde. «Wir wollen diese Strategie wenn möglich weiterführen», so Dietler. Unabhängig würde das Kunstmuseum laut ihm aber trotzdem bleiben.

Wenn sich eine neue Trägerschaft, zum Beispiel eine Stiftung, anbieten würde, «würden wir die Gelegenheit prüfen, aber die Bedingungen genau fixieren.» Schliesslich wolle die Stadt einen gewissen Einfluss beibehalten, da das Kunstmuseum eine grosse eigene Sammlung besitzt, die zu weiten Teilen der Stadt gehört. «Eine Privatisierung wäre deshalb nur teilweise möglich.»

Unabhängigkeit bewahren

Museumsdirektorin Dorothee Messmer kann sich eine vollumfängliche Privatisierung des Kunstmuseums Olten nicht vorstellen, da die Sammlung Eigentum der Oltnerinnen und Oltner sei. Dennoch: «Eine langfristige Zuwendung von Privaten ist natürlich höchst willkommen und wünschenswert, und ein allfälliger Trägerschaftswechsel kann diskutiert werden.» In jedem Fall wolle sie als Leiterin des Hauses aber inhaltliche Unabhängigkeit bewahren. «Anders könnte ich nicht arbeiten», so Messmer.

Dorothee Messmer, Direktorin des Kunstmuseums Olten, will in jedem Fall die inhaltliche Unabhängigkeit bewahren. Auch falls in Zukunft die Trägerschaft des Museum wechseln würde. "Anders könnte ich nicht arbeiten", so Messmer.

"Anders könnte ich nicht arbeiten"

Dorothee Messmer, Direktorin des Kunstmuseums Olten, will in jedem Fall die inhaltliche Unabhängigkeit bewahren. Auch falls in Zukunft die Trägerschaft des Museum wechseln würde. "Anders könnte ich nicht arbeiten", so Messmer.

Immer wieder erhalte sie inhaltliche Inputs für Ausstellungen und das schätze sie auch. «Ich habe meine Ohren und Augen immer offen.» Schliesslich aber entscheide sie und ihre Stellvertretung Katja Herlach, was ausgestellt wird.

Morach-Zentrum in Olten?

Laut Christian Pflugshaupt, Mitglied im Verein «Freunde Kunstmuseum Olten» und Morach-Sammler, soll in Zukunft im Kunstmuseum ein Morach-Zentrum entstehen. Stadtschreiber Dietler weiss von einem «separaten Raum im Kunstmuseum Olten», der alleine dem Solothurner Maler Otto Morach gewidmet sein soll, falls die gleiche anonyme Mäzenaten-Gruppe bei der geplanten Sanierung einen Anbau am Kunstmuseum finanziere. Die Zuwendung sei ihnen zumindest «in Aussicht gestellt worden».

«Es ist ein Geben und ein Nehmen», so der Stadtschreiber. Diese Bedingung sei die Stadt aber eingegangen, weil Morach auch gut in die bestehende Sammlung passe. Aktuell sind laut Katja Herlach bereits rund 200 Arbeiten von Otto Morach in Besitz des Kunstmuseums Olten. Davon sind 123 Gemälde eine Schenkung von Hugo Stüdeli, einem Neffen von Otto Morach. Christian Pflugshaupt: «Auch ich werde aus meiner privaten Sammlung ein paar Bilder an das künftige Morach-Zentrum abgeben.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1