Die Stadt Olten will das Gebäude an der Zielempgasse 8 in der Altstadt per Anfang September verkaufen. Dort, wo bis zu den Sommerferien noch die Jugendbibliothek untergebracht ist, gibt es auf 180m2 Platz für Neues. Die Stadt gibt einem potenziellen Käufer allerdings keine bestimmte Nutzung vor. Das heisst, es ist der Stadt schliesslich gleichgültig, ob Wohnungen oder Büros entstehen oder ein Gewerbebetrieb einzieht. 

Auch über den Kaufpreis schweigt sich die Bauverwaltung aus: Wer das Haus kaufen will, schickt sein Angebot mit einem Finanzierungsnachweis bis zum 24. März an die Stadt. Gibt es mehrere Bieter, dann kommt es zu einer zweiten Runde, wobei das Höchstangebot genannt wird, um den bisherigen Interessenten eine weitere Chance zu geben. Das Ziel der Stadt ist klar: Sie will das Gebäude zum höchstmöglichen Preis verkaufen, allerdings nicht unbedingt auf alle Fälle loswerden. «Der Stadtrat respektive das Gemeindeparlament behalten sich ausdrücklich vor, auf einen Verkauf zu verzichten, falls aus ihrer Sicht keine befriedigenden Angebote eingegangen sind», heisst es in der Verkaufsdokumentation. Wird ein Verkauf abgelehnt, müsste die Stadt nochmals über die Bücher, was mit dem Gebäude geschehen soll, wo sich seit 1970 die Jugendbibliothek befindet. 

Das sagen die Immobilienhändler

Wer auch immer das Haus kauft, muss zumindest eine sanfte Renovation vornehmen. Denn seit die Jugendbibliothek vor 46 Jahren eingezogen ist, seien keine Sanierungen gemacht worden, heisst es vonseiten der Stadt. Das ist auch für die angefragten Immobilienhändler der Knackpunkt. «Ein Käufer kann das Haus im bisherigen Zustand praktisch nicht so weiterverwenden», sagt Geschäftsführer Andreas Frey von der Oltner Firma Bussmann & Frey. Um es zum Beispiel in ein Wohnhaus zu verwandeln, müssten «mehrere hunderttausend Franken» investiert werden, weil weder Nasszellen noch Küche vorhanden seien. Er hält das Gebäude allerdings für «interessant» aufgrund der Altstadtlage und dem attraktivem Blick direkt auf die Aare. Wegen des grossen Investitionsbedarfs würde er aber für die Immobilie sicher nicht mehr als eine Million Franken zahlen.

Eine konkretere Zahl nennt Roger Rettenmund von den Avida Immobilien-Treuhand aus Olten. «Zwischen 500'000 und 600'000 Franken, mehr würde ich für das Haus auf keinen Fall bezahlen.» Alles, was darüber sei, sei ein «Liebhaber-Preis», sagt Rettenmund, der allerdings nicht ausschliessen will, dass ein Interessent genau das tut. «Wer ein Büro sucht und unbedingt an diese Lage will, zahlt auch mehr.» Aufgrund der fehlenden Parkplätze erachtet er allerdings die Altstadt weniger geeignet für Büros. Wohnungen könnte sich Rettenmund eher vorstellen, mehr als eine 2-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss und eine Maisonette-Wohnung mit Galerie in den darüberliegenden drei Stockwerken sind in seinen Augen aber nicht möglich. Ob das für ein Renditeobjekt reicht, dahinter setzt er hingegen ein Fragezeichen.

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Was dem Haus zudem im Vergleich zu Nachbarsgebäuden fehlt, ist ein Balkon oder eine Terrasse. Dies nachträglich anzubauen ist laut dem Präsidenten der Altstadtkommission eher ausgeschlossen: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Balkon oder ein Dacheinschnitt zum Beispiel für eine Terrasse bewilligt würden», sagt Reto Esslinger. Man beurteile ein Gebäude allerdings erst auf seine Zonenkonformität hin, wenn jemand ein konkretes Bauprojekt einreiche.

Weitere angefragte Immobilienhändler wollten sich aus Zeitgründen oder ohne genauere Kenntnis des Verkaufsobjekts nicht äussern.