In diesem Jahr wird der Balsthaler Willy Hafner mit dem Ende der Legislatur seine Zeit als aktiver CVP-Politiker abschliessen. Für die Nachfolge im Kantonsrat stehen Leute bereit. Nicht aber für das Amt des Gemeindepräsidenten von Balsthal, das Willy Hafner seit September 2001 ausübt.

Für seine Nachfolge werden – nicht nur im Dorf – mehrere Namen von Personen gehandelt. Darauf angesprochen, sagen die einen ganz klar Ja oder Nein. Die anderen, dass sie es sich überlegen würden, falls – ja falls die Gemeinderatswahlen zu ihren Gunsten ausgehen werden. So wie Enzo Cessotto (FDP), der bereits anno 2001 fürs Gemeindepräsidium kandierte, dann aber gegen Willy Hafner unterlag. «Ich bin seit 16 Jahren im Gemeinderat, war auch Gemeindevizepräsident, habe mich vielerorts engagiert, auch ausserhalb der Politik», sagt er. Nun wolle er zuerst anhand der Resultate – für Gemeinderat und Kantonsrat – feststellen, ob seine Mitarbeit noch erwünscht ist. «Wenn ich genügend Wind spüre, der mich trägt, so würde ich über eine Kandidatur nachdenken.»

50-Prozent-Job als Kriterium?

Cessottos Parteikollege und aktueller Gemeindevizepräsident Thomas Fluri hat bereits nachgedacht und ist zum Schluss gekommen: «Das Präsidium ist ein toller Job. Aber ich stehe trotzdem nicht zur Verfügung.» Liegt ein Grund darin, dass das Pensum für das Gemeindepräsidium nicht auf 80 Prozent erhöht worden ist, sondern gemäss Entscheid der Gemeindeversammlung vom letzten Dezember bei 50 Prozent bleibt? «Das spielt zwar eine Rolle, ist aber nicht entscheidend», antwortet Fluri. Im Vordergrund stehe für ihn die Arbeit bei der Solothurnischen Gebäudeversicherung, wo ihm vor drei Jahren die Leitung Brandschutz übertragen wurde. «Diesen Job kann ich sowieso nicht in einem halben Pensum schaffen.» Im Gegenteil, die Herausforderungen würden immer grösser und komplexer, sodass er voraussichtlich auch nicht mehr für den Gemeinderat kandidieren werde, erklärt Fluri. Für das Bürgergemeindepräsidium hingegen werde er weiterhin zur Verfügung stehen.

André Schaad, Präsident der FDP Balsthal, weiss von Fluris Entscheid. «Wir müssen das akzeptieren», sagt er. «Gespräche laufen, aber im Moment können wir niemanden präsentieren.» Das beunruhige ihn aber nicht, auch in den Parteipräsidien gebe man sich entspannt.

«Transparenz muss her»

Dem widerspricht Christine Rütti, Präsidentin der SVP: «Wir wollen, dass frischer Wind in die Balsthaler Politik kommt. Transparenz muss her», erklärt sie. Ob die Partei bereits eine Person auserkoren habe, die für das Präsidium geeignet wäre, will sie nicht sagen. Durchblicken lässt sie jedoch, dass die SVP gewillt wäre, eine Person einer anderen Partei zu unterstützen. «Aber nur, wenn diese Person es wagt, hinzustehen, durchzugreifen und für Transparenz zu sorgen.»

Die Kandidatensuche für ein 80-Prozent-Pensum wäre ihrer Ansicht nach etwas leichter gewesen. Doch jetzt müsse man halt mit den 50 Prozent auskommen. Sie ist überzeugt, dass dies ausreiche, wenn sich die Person rein auf die Aufgaben des Präsidiums konzentriert. «Schliesslich haben wir ja noch Gemeinderäte und eine Verwaltung.»

Nicht zwingend für die CVP

Wie sehr der Faktor 50- oder 80-Prozentpensum eine Rolle spielt, will Jörg Hafner, Präsident der CVP Balsthal nicht abschliessend beurteilen. «Ich bin gespalten, wie es die Partei vor der Abstimmung war.» Er glaubt aber, dass das Halbamt die Kandidatensuche nicht einfacher mache. Diese muss nämlich weiter gehen, denn CVP-Mann Stephan Berger, viel genannter Kandidat für das Präsidium, hat bereits abgesagt. «Ja, ja, ich werde immer wieder darauf angesprochen», sagt er. Was mit ein Grund gewesen sei, sich eine Kandidatur ernsthaft zu überlegen. «Aber beim Abwägen meiner Aufgaben als Vorsteher des Oberamtes und jenen eines Gemeindepräsidenten hat mein jetziger Job eindeutig mehr Gewicht bekommen.» Auf die Frage, wer sonst noch von der CVP infrage kommen könnte, verweist Berger auf den Parteipräsidenten Jörg Hafner. «Wir haben schon Ideen, aber noch keine konkreten.» Letztlich sei es aber aus Sicht der CVP nicht zwingend, das Gemeindepräsidium mit jemandem aus ihren Reihen zu besetzen. «Es soll vorab eine Person sein, die fähig und akzeptiert ist.»

SP-Müller würde es reizen

Als Einziger meldet Fabian Müller von der SP klar Interesse an: «Das Präsidium ist ein spannendes Amt. Das würde mich schon reizen», gibt er zu. Aber sich jetzt schon auf eine Kandidatur zu fokussieren, sei dann doch etwas vorlaut. «Zuerst stehen die Gemeinderatswahlen an, die werden zeigen, wie die Chancen überhaupt stehen.» Und letztlich stimmt Fabian Müllers Fazit mit jenem der anderen Personen an, die zum Thema Gemeindepräsidium befragt worden sind: «Man wird schauen, was läuft. Je nach dem würden wir auch jemanden aus einer anderen Partei unterstützen.»