Olten
Wer in Olten mal muss, könnte das für die Stadt auch günstiger tun

Öffentliche WC-Anlagen kosten die Stadt Olten eine Stange Geld – dabei gibts mit der «Netten Toilette» eine günstigere Variante. Was halten die Stadt und die Oltner Wirte davon?

Urs Huber
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Eine "Nette Toilettte" in der Barockbar in Solothurn (Archiv).

Eine "Nette Toilettte" in der Barockbar in Solothurn (Archiv).

Noëlle Karpf

Ob die Idee der «Netten Toilette» nicht eine willkommene Sparidee für die von Geldsorgen geplagte Stadt Olten sein könnte? Natürlich sei das Thema im Rahmen der städtischen Sparbemühungen diskutiert worden, sagt Stadtrat Thomas Marbet, zuständig für die Direktion Bau in Olten. «Allerdings haben wir davon wieder Abstand genommen, nachdem die jährlichen Kosten für Pflege und Unterhalt der öffentlichen Toilettenanlagen doch stark gesenkt werden konnten.» Konkret um rund 70'000 Franken. Belasteten die Toilettenanlagen die Stadtkasse im Jahre 2013 noch mit gut 270'000 Franken, so resultierten in der Rechnung 2015 noch 206'000 Franken.

Zwölf stille Örtchen

Zwölf öffentliche Bedürfnisanstalten, wie die Position in Budget und Rechnung jeweils heisst, unterhält die Stadt derzeit – fünf auf der rechten, deren sieben auf der linken Aareseite. Zu den Hotspots, was den Aufwand angeht, gehört jene auf der Bahnhofterrasse. «Sie ist die ‹strübste›», wie sich René Wernli, Leiter des städtischen Werkhofs, ausdrückt. Nicht zuletzt darum ist die Stadt bemüht, für die Betreuung der Anlage dort andere Mitzahler zu gewinnen; so etwa die SBB oder der Restaurationsbetreiber in unmittelbarer Nähe. Gespräche unter dieser Prämisse haben bereits stattgefunden, wenn auch noch ohne kommunizierbare Resultate.

Geschlossen dagegen wurde das Pissoir am westlichen Kopf der Holzbrücke. Fortgesetzte Vandalenakte waren Grund dafür. Das Pissoir wird jetzt nur noch bei Grossanlässen geöffnet. Dass viele der öffentlichen Toiletten nicht mehr ganz den Ansprüchen der Moderne genügen, daraus macht Wernli keinen Hehl. Aber: «Benutzt werden die Anlagen sicher.» Anders liessen sich Reaktionen, welche nicht täglich gepflegte Anlagen monieren, auch nicht erklären. Seit die Stadt spart, werden nämlich einige Anlagen in den Monaten November, Dezember, Januar und Februar, entgegen der üblichen Praxis, nicht mehr täglich gereinigt.

Die zwölf noch regelmässig unterhaltenen WC-Anlagen in Olten auf einen Blick.

Die zwölf noch regelmässig unterhaltenen WC-Anlagen in Olten auf einen Blick.

Allerdings ist die Idee der «Netten Toilette» in Olten noch nicht vom Tisch. «Wir interessieren uns sehr für die Erfahrungen, die in Aarau gemacht werden», so Stadtrat Marbet. Er kann der Idee durchaus Gutes abgewinnen, speziell wenn die Restaurants auch offen und damit zugänglich sind.

An Sonntagen allerdings dürfte das erfahrungsgemäss schwierig sein. Im Übrigen ist Oltens Baudirektor auch der Ansicht, die «Nette Toilette» könne nicht alle öffentlichen Anlagen hinfällig machen. So etwa jene beim Stadtpark, wo sich kein Restaurant in unmittelbarere Nähe befindet.

Aarau startet im Sommer

Olten beobachtet, Aarau handelt: Die Hauptstadt des Nachbarkantons zeigt sich an der Einführung der «Netten Toilette» interessiert und startet diesen Sommer ein einjähriges Pilotprojekt. In Aarau hat man fünf von total acht öffentlichen Anlagen geschlossen und dafür in Restaurationsbetrieben Alternativen gefunden.

Eine tiefe vierstellige Summe (in Thun 1000 Franken, in Luzern 1500 Franken) wird den Wirtsleuten für diese Dienstleistung jährlich ausbezahlt. Im Juli 2017 wird Bilanz gezogen und über das weitere Vorgehen entschieden. Die Stadtkasse Aarau verspricht sich vom Projekt jährliche Einsparungen im fünfstelligen Bereich.

Unterschiedliche Wirtemeinungen

Und was sagen Oltner Wirte? Für Hasan Makolli vom Café Rodeo wäre die «Nette Toilette» mit dem städtischen Zustupf eine gute Idee. «Schon heute nutzen viele Passanten ohne zu fragen und ohne Konsumation unsere Toilette», meint er. Da wäre der städtische Obolus zumindest eine kleine Entschädigung.

Für Klaus Kaiser von der «Suteria» wäre die «Nette Toilette» auf jeden Fall die bessere Lösung als die aktuelle. Vor allem bei Grossanlässen werden die WC-Anlagen der Confiserie sehr häufig von Nichtkunden genutzt. «Im ganzen Rummel lassen sich Kunden und Nichtkunden kaum mehr auseinanderhalten», so Kaiser. «Aber im Grundsatz habe ich mir dazu noch keine grossen Gedanken gemacht», räumt der «Suteria»-Chef ein.

Eher skeptisch dagegen steht Marius Studer vom Hotel/Restaurant Astoria der Idee gegenüber. «Wenn jemand fragt, besteht da gar kein Problem. Da zeigt man sich natürlich kulant.» Aber: «Ich sehe die Sache eher so, dass die Toilettenanlagen primär für unsere Gäste da sind.»