Leerwohnungen Region Olten
Wer in ein Häuschen ziehen will, muss nach Mümliswil-Ramiswil

Die Statistik des Bundes zeigt: Die Leerwohnungsquote in der Region Olten ist überdurchschnittlich. Neuer Wohnraum ist aber meist sehr gut belegt.

Philipp Felber (Text und Grafik)
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Neuer Wohnraum in Rickenbach.

Neuer Wohnraum in Rickenbach.

Bruno Kissling

Hinter Appenzell Innerrhoden schweizweit die zweithöchste Leerwohnungsziffer: Mit diesem Prädikat darf sich der Kanton Solothurn derzeit schmücken. Rund 3500 Wohnungen standen im Kanton per 1. Juni 2016 laut Bundesamt für Statistik leer.

In der Region sind die Quoten zum Teil noch etwas höher. Der Bund bezeichnet alle Wohneinheiten als Wohnungen, darin enthalten sind aber auch Einfamilienhäuser. Wir haben die wichtigsten Fakten für die Region zusammengetragen.

In welchem Bezirk ist die Leerwohnungsquote am höchsten?

In den Bezirken Gösgen und Olten liegt die Leerwohnungsziffer bei 3,4 beziehungsweise 3,3 Prozent. Im Gäu und im Thal ist die Quote knapp unter dem kantonalen Durchschnitt. 2,5 (Thal) und 2,4 (Gäu) Prozent stehen zu Buche. Zum Vergleich: Der Durchschnitt der gesamten Schweiz liegt bei 1,3 Prozent. Seit Jahren hoch ist die Leerwohnungsquote im Bezirk Gösgen.

Dort hat Winznau mit über sieben Prozent die höchste Quote, gefolgt von Niedergösgen mit 6,4 Prozent. In Niedergösgen hat der Anteil an leeren Wohnungen gegenüber dem letzten Jahr stark zugenommen. Waren im letzten Jahr noch 23 Wohnungen frei, sind es nun deren 116.

«Es sind in den letzten Jahren viele Mehrfamilienhäuser gebaut worden, das ist tatsächlich so», sagt Niedergösgens Gemeindepräsident Kurt Henzmann. Ihm sei aber nichts zu Ohren gekommen, dass der Wohnraum im Dorf schlecht weggehen würde. Zudem ist wohl eine Entspannung in Sicht: Laut Henzmann ist momentan keine grössere Bautätigkeit vorgesehen.

In welchem Bezirk gabs den stärksten Anstieg?

Merklich ist der Anstieg vor allem im Bezirk Olten. Dort stieg die Quote von 1,3 Prozent im Jahr 2013 kontinuierlich an. In absoluten Zahlen ist der Anstieg noch imposanter: Standen 2013 noch 355 Wohnungen leer, sind es per 1. Juli 2016 nun 909. Der Löwenanteil der leerstehenden Wohnungen steht dabei in der Stadt Olten.

Dort sind ganze 314 Wohneinheiten leer. Zudem ist auffallend, dass der Anstieg des leeren Wohnraums in Olten erst im letzten Jahr stark ausfiel. Während sich die Zahl seit 2012 relativ stabil präsentiert, steigt sie von 117 (2015) auf 314 (2016) Wohnungen.

Dies dürfte vor allem mit den Bautätigkeiten in Olten SüdWest zusammenhängen. Gemessen am Anteil der Leerwohnungen am gesamten Wohnungsbestand liegt die Quote in Olten jedoch bei knapp 3 Prozent, also noch unter dem bezirksweiten Durchschnitt.

Wo sind die meisten Wohneinheiten zu kaufen?

Wer Wohnraum besitzen möchte, muss nach Dulliken. Seit Jahren sind dort über 30 Wohneinheiten käuflich zu erwerben. Auch Egerkingen und Oensingen sind mit 22 beziehungsweise 17 freien Wohnungen attraktiv, wenn man den Wunsch nach Wohneigentum hat. Praktisch brach liegt dafür der Markt in Olten und das seit Jahren. In diesem Jahr sind zwar 9 Wohnungen zu kaufen, seit 2012 standen zum Stichtag hin nie mehr als 2 Wohneinheiten zum Kauf bereit.

Wo lässt es sich am einfachsten in einem Häuschen niederlassen?

Wer sich in einem Häuschen niederlassen möchte, hat im Bezirk Olten ebenfalls in Dulliken die besten Chancen. Unter den freien Wohneinheiten, welche entweder zu mieten oder kaufen sind, sind 15 Einfamilienhäuser. Pech hat, wer dasselbe in Olten sucht. Gerade mal drei Einfamilienhäuser waren per Stichtag zu haben. Ein allgemeiner Trend, wo man am besten nach Einfamilienhäusern sucht, lässt sich aus den Zahlen des Bundes nicht lesen.

So stehen etwa in Mümliswil-Ramiswil zwar 20 Häuser frei, aber zum Beispiel im geografisch vergleichbaren Laupersdorf nur gerade 4. Kurt Bloch, Gemeindepräsident von Mümliswil-Ramiswil, sieht in den leer stehenden Einfamilienhäusern kein grundsätzliches Problem. Zwar seien etwa im Dorfkern zwei, drei Häuser seit einiger Zeit unbewohnt, was unschön sei.

Doch Wohnraum sei gefragt im Dorf. «In den letzten zwei, drei Jahren sind sicherlich zwischen 15 und 20 Einfamilienhäuser neu gebaut worden», sagt Bloch. Dazu ein 16-Familien-Haus und ein 5-Familien-Haus. «Einen kleineren Bauboom haben wir in der letzten Zeit miterlebt.»

Wie gut ausgelastet sind die neu gebauten Wohnungen?

Die Auslastungsziffer von neuen Wohnungen, das heisst solche, welche in den letzten zwei Jahren gebaut wurden, ist grundsätzlich sehr hoch. Über alle vier Bezirke gesehen liegt der Anteil der neuen Wohnungen bei gerade mal 9 Prozent. Schweizweit liegt dieser mit 15 Prozent weit höher. Somit scheint klar, dass der grosse Teil der leeren Wohnungen älterer Wohnraum ist.