Ab 27. Dezember stand das Alters- und Pflegeheim Haus zur Heimat unter Quarantäne. Seit gestern Donnerstag, 4. Januar, läuft der Betrieb wieder normal. Grund des knapp zehntägigen Quarantäneintermezzos: das Norovirus. In der Schweiz erkranken pro Jahr schätzungsweise 400'000 Personen an einem durch diesen Erreger verursachten Brechdurchfall. Im Haus zur Heimat war wahrscheinlich die Hälfte der 72 Bewohner, also 34, vom Virus befallen, es können aber auch andere Ursachen Durchfall und Erbrechen auslösen.

Wie aber hält man einen Heimbetrieb unter solchen Bedingungen aufrecht? Wie minimieren Heimleitung und Personal die Ansteckungsgefahr? Heimleiter Marco Petruzzi weiss um die spezielle Herausforderung für Heimbewohner und Personal in dieser Situation.

Marco Petruzzi, wie lange dauerts, bis sich der Verdacht auf einen Norovirusbefall bestätigt

Marco Petruzzi: Das kommt ein bisschen auf die Situation an. Erst stellt sich bei einigen Heimbewohnern, welche nicht an chronischem Durchfall leiden, das typische Krankheitsbild ein: Erbrechen, Durchfall. Dies war am 26. Dezember der Fall.

Und reagiert die Heimleitung dann sofort?

Ich habe entschieden, die Entwicklung noch eine Nacht lang zu verfolgen. Erhärtet sich der Verdacht auf einen Virusbefall, werden per sofort die Quarantänemassnahmen in Kraft gesetzt. Als nächstes folgt ein Labortest, welcher allenfalls die letzte Gewissheit liefert, dass das Norovirus ist da.

Wie sehen die Massnahmen aus?

Nun, als Erstes platziert man entsprechende Informationsschreiben an den Hauseingängen. Dann folgen praktisch zeitgleich betriebsinterne Massnahmen sowie die Information an die Angehörigen der Bewohner, dass derzeit keine Besuche möglich sind. Schliesslich werden die Medien mit den Informationen bedient, damit erfüllen wir unsere Informationspflicht möglichst flächendeckend.

Entsteht bei dieser offnen Informationspraxis nicht auch ein Imageschaden fürs Heim, welches innert zweier Jahre zwei mal gegen das Virus zu kämpfen hatte?

Nein; der Virusbefall erfolgt von aussen nach innen, wird quasi eingeschleppt und hat mit der innerbetrieblichen Hygiene-Praxis nichts zu tun. Man muss wissen: Senioren gehören zur klassischen Risikogruppe, zusammen mit Kindern und Schwangeren. Im Übrigen ist es mir lieber, die Öffentlichkeit erhält über offizielle Kanäle Kenntnis von der Situation im Heim als über aussenstehende Dritte. Letzteres sorgt meist für Spekulationen und Irritationen. Dabei kann allenfalls ein Imageschaden entstehen.

Besuchsverbote über die Feiertage stossen nicht überall auf Verständnis?

Es gibt beides; man trifft auf eine Menge Verständnis und natürlich auch Unverständnis. Aber letztlich ist es in einer solchen Situation auch unsere Aufgabe, den Viren nicht zur weiteren Verbreitung zu verhelfen. Die Quarantäne ist auch als ein Schutz für die Welt ausserhalb des Heimes zu begreifen. Das verstehen im ersten Moment nicht alle von der Situation Betroffenen.

Wie präsentiert sich der Heimalltag unter diesen Bedingungen?

Generell werden Massnahmen verstärkt, welche die Sterilität unterstützen: Mitarbeitende tragen Wegwerfhandschuhe, Mundschutz sowie Schürzen, die ausschliesslich im Kontakt mit einem jeweils befallenen Heimbewohner getragen und vor dem Zimmereingang platziert werden. Die Mitarbeitenden halten sich während ihrer Arbeitszeit nur auf den jeweiligen Stockwerken auf, essen also auch dort. Die Pflegedienstleitung kommuniziert via Handy oder Email mit dem Personal und begibt sich nicht auf die Stockwerke. Sie koordiniert und organisiert die Einsatzplanung, gleichzeitig soll sie in dieser Funktion nicht ausfallen.

Materiallieferungen aus dem Lager erfolgen ausschliesslich über den hauseigenen technischen Dienst. Zum Einsatz kommt in solchen Momenten auch Wegwerfgeschirr. Alles, was aus der Küche kommt, findet nicht mehr den Weg zurück dorthin. So unterbrechen wir den möglichen Kreislauf einer wiederkehrenden Infektionsgefahr. Kontakte im Betriebsablauf werden minimiert.

Das tönt alles ziemlich anstrengend.

Es ist sicher ein besonderer Effort, der in solchen Momenten geleistet werden muss und verlangt von den Mitarbeitenden auch hohe Disziplin und Ihnen gebührt ein grosser Dank. Aber: Das Heim hat auf solche Interventionen vorbereitet zu sein. Und das sind wir.

Nun scheint alles vorbei. Geht man jetzt zum Normalbetrieb über?

Es folgt noch das Debriefing, eine Analyse des Geschehenen. Daraus können mögliche Verbesserungen abgeleitet werden. Im Wesentlichen aber bin ich der Überzeugung, mit der Situation gut und erfolgreich umgegangen zu sein.

Woraus schliessen Sie das?

Nun, wir haben die Quarantäne im Voraus eingegrenzt und diese Termine so einhalten können. Mit mindestens 5 bis 6 Tagen müssen Sie grundsätzlich rechnen, da allein die Inkubationszeit, also die Zeitspanne zwischen Befall und Ausbruch der Krankheit, bis zu zwei Tagen betragen kann.