«Es ist faszinierend, was mit Kindern innerhalb einer Woche möglich ist. Nicht nur, was das Spielen auf der Bühne betrifft, sondern auch, wie sie persönlich aufblühen.» Wenn dann die Kinder mit leuchtenden Augen das Ergebnis der einwöchigen Erarbeitung in der Schützi präsentieren, so Käthi Vögeli, berühre sie das immer wieder.

Auch jetzt noch, nach dreissig Jahren Schaffen mit den Erst- bis Sechstklässlern aus Olten und Umgebung. Das Projekt wurde von Anfang an von der Direktion Bildung und Sport in Olten getragen.

Seit 1999 trägt sie die Verantwortung gemeinsam mit Ursula Berger, was das Projekt in grössere Dimensionen anwachsen liess. Während Käthi Vögeli sich auf das Theater spezialisiert hat, erarbeitet Ursula Berger mit den Kindern den tänzerischen Teil. Beide Aspekte greifen nahtlos ineinander über und ergeben eine Aufführung, in der Theater und Tanztheater gleichermassen zum Zug kommen.

Freiheiten beim Gestalten zu lassen ist ihnen dabei sehr wichtig. Es sei nicht die Idee, den Kindern ein vorgefertigtes Programm zum Einstudieren vorzulegen. «Wir denken uns im Voraus den roten Faden aus, auf den die Ideen der Kinder aufgefädelt werden», umschreibt Vögeli die Idee. So geben die Projektleiterinnen beispielsweise vor, dass eine Szene auf einem Schiff stattfinden soll. Was auf dem Schiff passiert und wer welche Rolle übernimmt, obliegt hauptsächlich der Fantasie der Kinder.

Dieses Denken begleitet Vögeli bei vielen ihrer Tätigkeiten. Nach dem Abschluss ihres Lehrdiploms leitete sie vier Jahre lang den Robinsonspielplatz und den Spielbus in Olten. Dort lernte sie, dass es besser ist, wenn die Kinder selbst mitgestalten können. «Dann sind sie viel motivierter bei der Sache», so Vögeli.

Im Anschluss an die Zeit auf dem Robi-Spielplatz folgte die Theaterausbildung bei Jacques Lecoq in Paris, wo sie dies im Theater umzusetzen lernte. Als Schauspielerin arbeitete sie allerdings nur wenige Jahre in Neuenburg und in Biel, wo sie das «Théatre de la Grenouille» mitbegründete. Bald wechselte sie in die Regie, da ihr dies mehr Spass machte. In 30 Jahren brachte sie 18 Stücke zur Aufführung, neben Inszenierungen von bestehenden Werken auch eigene Kreationen.

Aktuell arbeitet sie an ihrer neuen Inszenierung von «Romeo und Julia», die im Sommer im Schlosshof Niedergösgen aufgeführt wird. «Ich habe die beeindruckende Felswand gesehen und sofort an dieses Stück gedacht.» Bei ihrer Inszenierung soll die Feindschaft zwischen den zwei Clans im Vordergrund stehen, nicht die daraus entstehende Tragödie der zwei Verliebten, «da ich dies spannender finde und es aktuell ist».

Als Lehrerin arbeitete Vögeli trotz Lehrdiplom nur in Stellvertretungen, doch bald verband sie Theater mit Pädagogik. Sie lehrt an Theaterschulen, die professionelle Schauspieler ausbilden, und bildet Kurse und Weiterbildungen an. Zudem leitet sie theaterpädagogische Projekte mit Kindern und Jugendlichen. Dazu gehören neben dem Oltner Aprilprojekt, welches sie 1986 mit Yvonne Scholl ins Leben rief, auch über 20 schweizweite Theaterlager, Projekte mit Theater JUcKT! sowie Theaterprojekte mit Jugendlichen im Rollstuhl am Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil. Weiter gehören auch Seminare in Körpersprache, Stimme und Auftreten zu ihren Tätigkeiten, zum Beispiel für Führungspersonal an Spitälern.

Ihre Tätigkeiten ergänzen sich gut, so Vögeli. Als Freischaffende kann sie sich die Arbeit gut einteilen. Beispielsweise könne sie Seminare in Phasen legen, in der die Regie eines neuen Stücks nicht viel Zeit beansprucht. In der anstrengenden Zeit vor Aufführungsbeginn konzentriert sie sich hauptsächlich auf das Theaterprojekt. Auch finanziell gleichen sich die Projekte gut aus. 

Zu den anstrengenden Phasen gehöre das Aprilprojekt in Olten, stellt Vögeli fest. In dieser Woche mit den Kindern arbeiten sie und Berger je an die siebzig Stunden. Nebst den Theater- und Tanzgruppen morgens und nachmittags gilt es nämlich auch, Abläufe zu erstellen und den Auftritt zu koordinieren. Die 50 bis 60 teilnehmenden Kinder arbeiten in vier Gruppen aufgeteilt: Je eine Gruppe morgens und nachmittags widmet sich entweder dem tänzerischen Teil oder dem Theater. Unterstützt werden die Leiterinnen von zwei Assistentinnen. «Am Freitagabend proben wir erstmals in der Schützi und fügen alle vier Gruppen zusammen. Das ist sehr anstrengend, da es nun gilt, gute Übergänge zu schaffen. Ausserdem müssen sich die Kinder im Backstage-Bereich der Schützi zurechtfinden.»

Wie kann das funktionieren in nur einer Woche? Diese Frage wird Vögeli und Berger oft gestellt. «Da braucht es vor allem viel Erfahrung. Zudem hilft es, dass viele Kinder mehrere Jahre nacheinander mitmachen», erklärt Vögeli. «Sie wissen schon, wie der Laden läuft, und können die anderen unterstützen. Ausserdem helfen die Älteren den Jüngeren. Dadurch sind die Kinder sehr selbst-ständig.»

Doch das Wichtigste bei all ihrer Arbeit sei es, die anderen Menschen ernst zu nehmen. Dies lernte sie ebenfalls auf dem Robi-Spielplatz. «Es ist mir wichtig, auf die Leute einzugehen und auf ihren Anliegen die Arbeit aufzubauen. Daraus kann viel entstehen» Dazu gehören aber auch Erwartungen: «Egal ob ich mit Kindern, Amateurschauspielern oder Professionnellen arbeite, ich stelle immer den Anspruch, etwas Künstlerisches zu erschaffen. Auch an mich selbst.»

Ans Aufhören denkt die 60-jährige noch nicht. «Wenn ich gesundheitlich mag, werde ich noch weitermachen. Schliesslich gehe ich meinen Projekten mit Leidenschaft nach», so Vögeli mit leuchtenden Augen.