Im Naturmuseum und im Kunstmuseum sei es ein paar Tage lang bitterkalt gewesen, «weil die Gasheizung kein Gas mehr zum Verbrennen hatte». Das schrieb Alex Capus in seiner Kolumne vom vergangenen Donnerstag in dieser Zeitung. Die Radiatoren in den oberen Etagen seien eingefroren, berichtete Capus. «Im Naturmuseum musste der Hauswart Lüftungsschlitze der Terrarien verstopfen, damit die Gespensterheuschrecken nicht den Kältetod starben.» Was ist dran an diesen Aussagen?

Günstig kann auch nachteilig sein

Dass kein Gas mehr da war, liegt an einem Vertrag, der vorteilhaft, aber auch nachteilig sein kann. Dieser Februar war ausgesprochen kalt und führte beim Gaslieferanten der Stadt Olten, der a.en, zu Engpässen. Laut Vertrag kann der Lieferant relativ spontan seinen Abnehmer darüber informieren, dass die Gaslieferung vorübergehend eingestellt wird.

Das ist der Haken. Die Schokoladeseite des Vertrags: Wenn Gas strömt, dann strömt es zu grosszügigen Konditionen. Die Stadt Olten hat mit der a.en eine solchen Vertrag und steht damit nicht alleine da: «Rund 100 Kunden bedient die a.en zu solchen Vertragsbedingungen», sagt Beat Erne, Leiter Marketing und Kommunikation a.en. Die Verträge besagen im Übrigen weiter, dass die Lieferung im Kalenderjahr während insgesamt 30 Tagen unterbrochen werden kann.

«Hatten noch keine Gelegenheit»

In den Sportferien geschah folgendes: Beinharter Dauerfrost über Tage. Folge 1: Liefereinschränkungen des Energieanbieters. Folge 2: Umgehendes Umschalten der Heizung im Kunst- und Naturmuseum von Gas- auf Ölbetrieb. Folge 3: Es stellt sich heraus, dass sich bei Ölbetrieb in der Museumszeile nicht dieselbe Heizwirkung erzielen lässt.

«Wir konnten wirklich nicht davon ausgehen, dass der Winter dermassen hart werden würde», sagt Adrian Balz, Leiter der städtischen Baudirektion, meint aber, dass im optimalen Fall dieselbe Leistung erzielt werden könnte, wenn bei Ölbetrieb mal die Feinabstimmung optimiert würde. «Aber dazu hatten wir noch nie Gelegenheit; eine Situation wie diese hatten wir noch gar nie.»

Stabheuschrecken und «Eiszeit»

Es gibt Personen, die sprechen von einer mehrtägigen Kälteperiode in den Museen. Gemäss Balz hat die «Unterkühlung» an der Kirchgasse bei einer Temperatur von 16 bis 18 Grad gerade einen Tag gedauert. Dies allerdings auch nur darum, weil sich die a.en kulant zeigte und die Gaslieferung, nach einem Telefonat mit der Stadtbehörde, nach eintägigem Unterbuch wieder aufnahm.

Der bislang laufende Vertrag behält aber weiterhin seine Gültigkeit. Dennoch: Im Naturmuseum mussten tatsächlich die Lüftungsschlitze der Stabheuschrecken-Terrarien abgedeckt werden, damit diese in der kalten Zugluft nicht Schaden nehmen.

Die Aktion ist geglückt. Die Tiere haben die kleine «Eiszeit» gut überstanden. «Die Situation ist natürlich auch auf den ungenügend energetischen Standard der Museumshäuser zurückzuführen», sagt Balz. Nicht zuletzt deswegen sind in den oberen Stockwerken die Wasserleitungen zugefroren. «Schäden hatten wir allerdings auch hier nicht zu verzeichnen.

Für Baudirektor Martin Wey ist klar: «Die Angelegenheit muss überprüft werden.» Die Situation ist auch für ihn neu, denn diesbezügliche Erfahrungen liegen, wie er sagt, «einfach keine vor». (hub/szr)Gaslieferverträge haben einen Haken, wenn es denn so richtig kalt wird. In zwei städtischen Museen in Olten wurde es deswegen tatsächlich kalt.