Olten

Wenn die Strumpfkugel zum untrüglichen Symbol wird

«La visite» 1960–1964; Bleistift auf Papier (mit Strumpfkugel)

«La visite» 1960–1964; Bleistift auf Papier (mit Strumpfkugel)

Das Kunstmuseum Olten fingiert als Herausgeberin eines Kunstbands über Bruno Meiers künstlerisches Schaffen. «Stilles Leben» heisst das Werk.

Über das künstlerische Schaffen Bruno Meiers ist im Rahmen der Kunstmuseumsausstellung in Olten ein gehaltvoller Kunstband entstanden, zu dem die wissenschaftliche Mitarbeiterin Marina Stawicki die vielschichtigen, fein formulierten Texte schrieb, mit einem Vorwort durch die Museumsleitung Dorothee Messmer und Katja Herlach.

Nicht allzu bekannt

Die Figurendarstellungen, Landschaften und Stillleben dieses Zürcher Künstlers Bruno Meier (19051967) sind dem breiten Publikum nicht allzu bekannt. Mit diesem Kunstband und der damit verbundenen Ausstellung möchte man seine Arbeiten ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit bringen. Der Bildband zeichnet ein lebendiges Bild über diese hochstehende künstlerische Tätigkeit. Man erfährt Zusammenhänge über Bruno Meiers Leben. Seine Ehefrau Alice Meier überlebte ihn um fast vierzig Jahre und bemühte sich mit grosser Sensibilität um seinen Nachlass. Ihr ist es zu verdanken, dass so viele Arbeiten im Besitz des Kunstmuseums sind. 1994 machte sie diese Schenkung bestehend aus 93 Werken, die zum Ausgangspunkt dieser Publikation und der gleichnamigen Ausstellung wurden.

Bruno Meiers zurückhaltende Farbigkeit und die eher harmlos anmutenden Inhalte stellen für den Betrachter nicht unbedingt eine Herausforderung dar. Er malte und zeichnete nach der Natur, ohne sie lebensnah wiederzugeben. Er zeigte die Stille des Alltags und der unscheinbaren Dinge, in einer solch subtilen und sensiblen Art, dass sie einen tief berührt. Der Schwerpunkt der Werke im Kunstmuseum Olten liegt bei Arbeiten auf Papier. Eine kleinere, aber eindrückliche Gruppe umfasst Gemälde in Tempera oder in Öl auf Leinwand. Die grösste Gruppe besteht aus Figurenbildern, die meist eine Person zeigen, bei alltäglichen Arbeiten wie dem Nähen oder Lesen, meist still vor sich hinträumend, nachdenklich in sich eingeschlossen und viel Ruhe ausstrahlend. Ob man seinen Zeichnungen nachgeht oder sich in die farbigen Bildräume vertieft: Immer staunt man über die Präzision, mit der sie konstruiert wurden. Meiers Vorgehensweise gleicht der eines Architekten, der seine Bildräume sorgfältig in einer durchdachten Ordnung aufbaut. Und doch kommt eine leicht verspielte Note hinein, und zwar mit Bruno Meiers Kugel, einer hölzernen Strumpfkugel, die ihm seine Grossmutter schenkte und die in fast all seinen Bildern Bedeutung bekommt. Die Kugel ist für ihn zu einem Symbol der Harmonie , der Vollkommenheit geworden. Sie ist in ihrer runden Form ein Symbol der Perfektion, ohne Ecken und Kanten, ohne Anfang und Ende. Beim gemalten Bild «Geborgen im Weltraum» Öl auf Leinwand, erkennt man eine sitzende Frauengestalt mit hellem Kragen und einem Tuch gleich einer Schürze über dem Schoss, in einen dunklen Raum gesetzt , mit heller Abgrenzung , so als sässe sie in einer schachtelartigen Behausung, und daneben im freien blauen Raum erkennt man diese Kugel, zum Fassen greifbar. Manchmal löst sie sich auf einem Bild im Vordergrund fast auf oder sie rollt vor einen Stuhl oder Tisch, und man erkennt ihre schachbrettartige Musterung .

Unscheinbare Alltagsrealität

Bruno Meier setzte sich intensiv mit seinen bildnerischen Darstellungen auseinander. Die unscheinbare Alltagsrealität bekam bei ihm eine neue Dimension. Seine Stillleben zeigen besonders eindrucksvoll, wie konzentriert er seine Bildinhalte aufbaute. Allen Arbeiten ist gemeinsam, dass sie von einer grossartigen Stille geprägt sind. Oft hörte Bruno Meier beim Malen Musik, vor allem von Johann Sebastian Bach. Er war ein Perfektionist, deshalb ist es besonders reizvoll, seiner kleinen hölzernen Strumpfkugel zu begegnen, die als Symbol der Harmonie zugleich auch etwas Humorvolles an sich hat. In dieser ausgewogenen Publikation wird auf eine besondere Art deutlich, dass Bruno Meier ein ruhiges und zurückhaltendes Leben führte, fernab von gesellschaftlichen Gepflogenheiten. Ein Leben, das ganz der Kunst gehörte und dem heutigen Betrachter viel von dieser poetischen Zurückhaltung , von dieser inneren Stille weitergibt.

Buch «Stilles Leben» Bruno Meier liegt im Kunstmuseum auf.

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