Am Mittwochabend war die Kapuziner Klosterkirche für die Hora Musica ausgebucht. Michael Erni und Anton Koudryavtsev begeisterten mit einem Gitarrenduo der besonderen Klasse. Anton Koudryavtsev erlernte das Gitarrenspiel in seiner ukrainischen Heimat.

Nach erfolgreichen Studien in St. Petersburg, die er mit dem Konzertdiplom abschloss, kam er 1966 in die Schweiz und bildete sich am Konservatorium Biel und an der Musikhochschule Bern aus. Er ist wie Michael Erni auch Preisträger von verschiedenen Musikwettbewerben und hat nationale und internationale Auszeichnungen erhalten. Michael Erni ist für Olten und weit über die Region, national und international, als Musiker und Komponist ein Begriff. Er ist ein Meister im Spielen der Gitarre, geprägt von der spanischen Musik.

Vivaldi zur Eröffnung

Eröffnet wurde der Abend mit einem Stück von Antonio Vivaldi (1678-1741). Vivaldi, bekannt für seine melodischen Musikstücke, vermag im Gitarrenspiel noch intensiver zu begeistern. In spielerischer Leichtigkeit, in erstaunlich variablen Tempi stieg man in dieses Stück ein und genoss die unterschiedlichen Passagen. Ferdinando Carullis (1770-1841) Musik erlebte man in schwungvollen spielerischen Abläufen. Eindrucksvoll waren die kurzen abwartenden Momente. Es war so, als hielte man für Augenblicke den Atem an, um dann wieder voll in die Variationen der unterschiedlichen Melodien einzusteigen. Es war dies ein Duo G-Dur von starker Ausstrahlung, das aus dem Kontrast heraus lebte. Fernando Sor ( 1778-1839) präsentierte wiederum ein anderes Stück, das ganz zart und spielerisch begann. Man lauschte den feinen Melodien, die manchmal davoneilten wie ein verloren gegangenes Lied. Die beiden Gitarristen verstanden es meisterlich, diesem «L’encouragement» auf den Grund zu gehen. Sie tauchten mit viel Spieltalent in diese reizvolle Musik ein und verzauberten das Publikum.

Tango als Krönung

Als Krönung erlebte man im zweiten Teil gegen den Schluss hin Tangos para dos guitarras von Carlos Gardel ( 1890-1935). Reizvoll waren die Unterschiede im Tempo, in der Betonung und im Zusammenspiel, das auch feine Kontraste in sich trug. A media luz, oder Tomo y obligo präsentierten im besonderen Masse Tango in all seinen Schattierungen: bald leidenschaftlich, temporeich, und dann wieder zart, melancholisch, immer in einer faszinierenden Leichtigkeit. Der MI Buenos Aires querido führte in den letzten Teil dieses grandiosen Abends ein, wiederum geprägt vom Tango, und zwar von Astor Piazzolla (1921-1992). Wir Europäer fühlen uns vom Tango in besonderem Masse angezogen. Die wechselnden Tempis, die raffinierten Feinheiten, wobei eigentlich nichts ausformuliert wird, sondern ständig in neue Befindlichkeiten eintaucht, verlangt viel musikalische Begabung, perfektes Spiel und eine leidenschaftliche Liebe zum Tango. Die Zugabe mit einer Eigenkomposition in der zweiten Stimme von Michael Erni schloss den Abend poesievoll ab.

Am Sonntag 14. Dezember 2014 findet im Stadttheater Olten das Weihnachtskonzert mit Tenor Matthias Aeberhard und Michael Erni, Gitarre statt.