Ein unüblicher Ort für Anlässe der heiteren Art: die Abdankungshalle des Oltner Friedhofs Meisenhard. Was aber die wenigsten der gut 130 Gäste nicht davon abhielt, dabei zu sein. Wird ein Buch wie «hin-über» vorgestellt, erst recht nicht.

Ort und Buchinhalt passen

Der Ort nämlich stimmt mit dem Buchinhalt überein. Warum? Im Buch gehts um den Tod. Der nämlich möchte eigentlich nur in Ruhe seinen Morgenkaffee schlürfen. Doch die Welt lässt ihn nicht. Es wird rundherum gestorben und er hat Pikett. Er ist immer im Dienst; 365 Tage im Jahr, 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag, ununterbrochen. Ausnahmen kommen seit Anbeginn des Lebens nicht vor.

Ein anstrengender Job, mit Burnout-Risiko für den Gevatter. Und so kommts halt auch. Und dann? Was dann? Sterben wir dann noch? «Ein Buch über den Tod, das alles beinhaltet, was das Leben so ausmacht. Es wird gelacht, geweint, geliebt und Karaoke gesungen!» So viel jedenfalls verrät der Covertext zum fast 180-seitigen Werk, welches sich süffig zu lesen scheint.

Auch wenn der etwas sperrig anmutende Titel «Hin-über oder anders gesagt tot, töter, am tötesten» in seiner vollen Länge anderes vermuten liesse. Ihr Herz, so verriet Murielle Kälin am Mittwochabend, schlage fast ein bisschen mehr fürs Buch denn fürs Theaterstück.

Letzteres hatte im Juni vergangenen Jahres erfolgreiche Premiere in der Oltner Pauluskirche gefeiert und liegt jetzt adaptiert in einer Buchfassung vor. Logisch, liess Murielle Kälin es sich auch nicht nehmen, ein paar Sequenzen aus dem Buch vorzulesen. Sie blieb dabei erfrischend kurz und konnte sich einer treuen Fangemeinde sicher sein. Einfühlsam begleitet wurden sie dabei von Shanky Wyser an der Hammondorgel.

Stimmung war heiter

Auch wenn der Tod per se am Lebensgeist nagt, die Stimmung in der Abdankungshalle war heiter. Ja, wirkte zuweilen so, als würden Autorin Murielle Kälin, Verlegerin Rosmarie Bernasconi und Illustratorin Nina Kyburz zusammen mit den Gästen aufblühen. Noch nicht mal die von der Autorin abschlägig beantwortete Frage, ob das Theaterstück vielleicht auch mal in gebundener Form erscheinen werde, vermochte die Stimmung zu trüben.

«Ich habe im Moment viel um die Ohren, dass eine Bühnenfassung in Buchform unmöglich zu realisieren ist», die Antwort der Autorin. Kälin ist denn auch umtriebig und hat als Grabrednerin und Abschiedsgestalterin, ihrem zweiten Beruf nach ihrer Bankkarriere, auch schon einen TV-Auftritt bei Kurt Aeschbacher hinter sich; nicht in einer Abdankungshalle übrigens.