Im Bauwesen gilt es Wildwuchs und Willkür zu verhindern. Hinsichtlich der Verhütung von Wildwuchs gilt: Kein Bau ohne Baubewilligung. Und betreffend Willkür: Alle Bürger und Institutionen sind von den Behörden und im Konfliktfall von den zutreffende Gerichten gleich zu behandeln.

Weil die zuständigen Instanzen diesen Grundsätzen nachleben, müssen in unserer Region gleich drei Rückbauten getätigt werden: Das «Goldene Dach» mit der zu grossen Lukarne in Olten, die ohne Baubewilligung erstellte Erweiterung eines Pferdestalls in Obergösgen und das ebenfalls ohne Baubewilligung mit einem Betonbelag ausgebaute Teilstück der Bergstrasse auf den Roggen in Oensingen. In Olten und Obergösgen sind Privatpersonen vom Rückbau betroffen, in Oensingen ist es die Bürgergemeinde.

Ich selber war auch schon einmal von einem Eingriff der Baubehörde betroffen. Es liegt zwar rund 30 Jahre zurück, doch das Ganze ist noch heute sichtbar. Es betrifft mein Wohnhaus in Wolfwil, bei dem seinerzeit im Rahmen der behördlichen Überprüfung festgestellt wurde, dass beim Dach ein Mass überschritten wurde. Deshalb durften zirka eineinhalb Quadratmeter des Daches nicht mit Ziegeln eingedeckt werden (siehe Bild).

Wie mir vor kurzem ein Architekt sagte, wäre das nach den heutigen Bauvorschriften problemlos möglich. Ich habe das nicht überprüft. Denn ich will dieses «Baudenkmal» ohnehin stehen lassen – als Mahnmal und Protest gegen übertriebene Paragraphenreiterei. Zudem löst das Loch im Dach vor Ort immer wieder interessante Diskussionen aus.

Nichts gegen Kampf dem Wildwuchs und der Willkür im Bauwesen. Im Gegenteil: (Rechts-)Ordnung muss sein. Trotzdem frage ich mich in meinem Fall noch heute, wen wohl die etwa 40 Ziegel mehr auf meinem Dach gestört hätten beziehungsweise stören würden. Unsere Justitia, Göttin der Gerechtigkeit? Kaum. Es war lediglich der Amtsschimmel, der wieherte.

beat.nuetzi@schweizamwochenende.ch