Die Mischung machte es. Und der Name natürlich: Wenn Gastgeber Alex Capus zum Heimspiel lädt, dann kommen sie alle, die Berufs- und die Heimweholtner. «Alex Capus’ bunter Oltner Abend» vermochte die Schützi denn auch wie schon die vorangegangenen Veranstaltungen im «knapp live»-Programm zu füllen.

Und wieder einmal bewies der Autor, dass Olten wohl gerade auch seinetwegen so liebenswert ist: Wie kein zweiter versteht er es, ein herzerwärmendes Bild des Städtli in die Köpfe einzuschreiben. Ein Bild, dem auch kein Grau und kein Nebel etwas anhaben kann. «Wir nehmen nicht etwa in Anspruch, die schönste Barockstadt im Universum zu sein», stellte er zwar fest. Aber Olten habe eine schöne Willkommenskultur: «Wenn einer nicht blöd tut, dann ist er nach vierzehn Tagen ein Oltner.»

Chansonnière und Comic-Papst

Capus’ Gäste an diesem Abend: Weggefährten oder Leute, die er auf dem Weg durch Olten gerne grüsst. Iandara Brobecker etwa, die 2013 bei «The Voice of Switzerland» auf sich aufmerksam gemacht hatte und auch schon in Capus’ «Galicia» auftrat. Edith Piafs «La vie en rose» widmete sie dem Gastgeber, der darauf gerührt meinte: «Das sind die Momente im Leben, wo man bereut, dass man keine Tochter hat.» Und schelmisch Werbung in eigener Sache machte: «Aber ich habe einen Haufen attraktiver Söhne in allen Grössen.»

Iandara Brobecker aus Wangen tritt bei Knapp Live in der Oltner Schützi auf

Iandara Brobecker aus Wangen tritt bei Knapp Live in der Oltner Schützi auf

Als schriller Gast entpuppte sich Comic-Papst Cuno Affolter, den Capus als einen seiner ältesten Freunde aus Kanti-Zeiten vorstellte. Dessen Comic-Sammlung sei zu einer Belastung seiner Biografie geworden, sodass er diese der Stadtbibliothek von Lausanne geschenkt hatte. Mit der Auflage, im Gegenzug eine Konservatorenstelle auf Lebzeit für seine eigene Sammlung zu erhalten. Auf der Bühne herumtigernd, kommentierte Affolter auf Leinwand projizierte Comicszenen, in denen etwa sein eigener Grabstein, seine Wohnung oder er selbst zu sehen waren. Anhand von Beispiel erklärte er, wie im Cartoon die Liebe dargestellt werde: «Sie verbrösmelet wie ein Wernli-Biscuit aus Trimbach.»

Nostalgische Stadtansichten

Die Fotografen Silvia Baerle und André Albrecht zeigten persönliche Bilder von Olten. Albrecht, ebenfalls ein Freund Capus’ aus Kindertagen, begeisterte mit ungewöhnlichen Ansichten der Dreitannenstadt. Nostalgie kam auf bei Ansichten, die so nicht mehr vorhanden sind: der Notausgang des Zielemp-Theaters, der direkt in die Aare führte, das Coop-Gebäude, wo heute die Fachhochschule steht, oder auch «König von Olten» Toulouse, der dieser Tage leider nicht mehr durch die Stadt streunt.

Nostalgisch oder eher schon historisch wurde es auch bei David Escher. Der leidenschaftliche Sammler alter Aufnahmen von Olten zeigte Kurzfilme, die in der Stadt gedreht wurden. Von 1945 etwa das Schulfest, oder aus dem Jahr 1947 das Motorradrennen «Grosser Preis von Olten». Sein Lieblingsfilmchen von 1968 zeigte die Installation der Ross- und Reiter-Skulptur «Remonte», die derzeit renoviert wird. Es habe damals sogar empörte Leserbriefe gegeben, weil der Reiter nackt sei, wusste Escher.