«Mitwirkungsverfahren tönt gut, aber wir fühlten uns in den letzten Jahren von der Stadt oft nicht ernstgenommen.» Dieser Satz von Käthi Vögeli sitzt. Und er drückt das Unbehagen vor dem neuen Sälipark 2020 aus, das Anwohner wie Theaterfrau Vögeli, SP-Kantonsrätin Luzia Stocker und SBB-Manager Hansruedi Kaeser vereint.

Damit sie nicht falsch verstanden werden: Sie sind nicht grundsätzlich gegen das 100-Millionen-Projekt, haben aber grosse Vorbehalte gegenüber dem Verkehrskonzept, das die Bauherrin Giroud-Olma und die Stadt in der Mitwirkung vorschlugen. «Wir vermissen eine gesamtheitliche Planung», sagt Stocker.

Etwa den Bifangplatz zu beruhigen, sei seit dem Quartierentwicklungskonzept Olten Ost ein Thema – und nun ist davon nicht mehr die Rede. Die geplante Begegnungszone auf der Riggenbachstrasse sei zwar gut und recht, aber «unglaubwürdig, weil ein Teil dieser Strasse zugleich die Hauptzufahrt zum neuen Sälipark-Parkhaus ist», so Vögeli. Die Begegnungszone müsste in ihren Augen nicht nur die Riggenbachstrasse umfassen, sondern auch auf die Bifangstrasse ausgeweitet werden, weil dort häufig Studenten, Schüler und Kindergärtler unterwegs sind.

«Diesen Weg als Hauptzufahrt zu etablieren, ist nicht sinnvoll», schreibt Vögeli darum in ihrer Eingabe. Neben der ungelösten Verkehrsfrage beschäftigt Vögeli die geplante Umplatzierung des samstäglichen Wochenmarkts. Sie hegt Zweifel, ob die projektierte Variante genügend Platz für die Marktstände aufweisen wird. Zudem sei die berechnete Zunahme des Verkehrs mit dem neuen Sälipark «schönfärberisch», da Verkaufsfläche und Wohnfläche proportional viel stärker erhöht werden, sagt Kaeser.

Ihr Hauptanliegen in Sachen Verkehr ist aber ein Wunsch, der auch bei einigen Anwohnern nicht nur auf Freude stösst, geschweige denn bei den Sälipark-Kunden. Sie fordern die Stadt auf, die Zufahrt zum Sälipark allein via Sälistrasse zu prüfen. Dem Einwand, das würde zum Verkehrskollaps beim Sälikreisel führen, begegnen sie mit dem Argument, dass die Idee erstens nicht neu sei und zweitens gerade das beweise, dass die Verantwortlichen mit viel mehr Verkehr rechneten als angenommen.

Sie verweisen auf den alten Zonen- und Erschliessungsplan aus dem Jahr 1991, der eine rückwärtige Zufahrt nur über die Sälistrasse für neue Bauvorhaben noch beinhaltete. Gegen die Baubewilligung für den Dienstleistungspark Marcoda, den heutigen Sälihof, prozessierten wegen der Verkehrssituation mehrere Anwohner 2001 bis auf Kantonsebene erfolglos. Damit war zugleich die nur rückwärtige Erschliessung via Sälistrasse vom Tisch, weil damit der Erschliessungsplan abgeändert wurde, der eine Zufahrt auch über Bifang- und Von-Roll-Strasse zuliess.

Zudem betonen die Anwohner, dass der Stadtrat noch vor dem Bau des heutigen Säliparks beteuerte, dass «neue Bauvorhaben sowohl unter- wie auch oberirdisch grundsätzlich von der Sälistrasse her erschlossen werden» (Oltner Tagblatt vom 1. Oktober 1994).

Ebenfalls nicht neu ist gemäss den Anwohnern die nun vorgeschlagene Sperrung der Riggenbachstrasse zwischen Bifangstrasse und Krummackerweg, um das Quartier vor Fremdverkehr zu schützen. Bereits in den Verkehrsmassnahmen zum heutigen Sälipark war das Bestandteil des Erschliessungsplans, wurde aber nie umgesetzt.

Lösung mit Stadt angestrebt

Kein Wunder haben die Anwohner etwas den Glauben an die Stadt verloren. In ihrem Kampf gegen Mehrverkehr geht es ihnen aber auch um grundsätzliche Fragen wie: «Möchten wir ein Quartier mit Lebensqualität für die Bewohner oder möglichst bequeme Zufahrtstrassen für Autofahrer in ein Einkaufszentrum?», so Stocker. Kaeser, der wie Stocker kein Auto besitzt, ergänzt: «Wir verzichten bewusst auf ein Auto, haben aber Fremdverkehr im Quartier.»

Und Vögeli fügt hinzu: «Ich kenne Neuzuzüger, die extra in unser Quartier wohnen kommen, damit sie ohne Auto leben können.» Die drei Anwohner haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, von der Stadt ernstgenommen zu werden. «Wir glauben an eine einvernehmliche Lösung», sagen sie versöhnlich. Die Einsprache sei noch nicht geschrieben.

Polizei probt neues Konzept

Nicht zufrieden sind die Anwohner auch mit der Polizei. «Das Fahrverbot mit erlaubtem Zubringerdienst wird nicht durchgesetzt», moniert Kaeser. Es gebe sehr viel Fremdverkehr, etwa wenn Studenten der Berufs- und Fachhochschule einen Parkplatz im Quartier suchten oder Sälipark-Kunden über die Quartierstrassen zu- und wegführen. Die Kantonspolizei hält dazu fest, dass «anlässlich der allgemeinen Patrouillentätigkeit alle Quartiere der Stadt auf Durchgangsverkehr kontrolliert» werden.

Eine Statistik, wann und wie oft ein Quartier überprüft wird, führt die Polizei allerdings nicht. Eine Busse kostet 100 Franken. Viele Autofahrer bringen «eine Ausrede als Grund für die Durchfahrt» vor, so die Polizei weiter. Zudem sei es schwierig, das Durchfahrverbot durchzusetzen: «Die Polizei benötigt einen lückenlosen Beweis, dass nirgends im Quartier angehalten wurde.» Das sei sehr personalintensiv, daher wird bis Mitte Jahr ein anderes Konzept probeweise umgesetzt.

Unter anderem seien Nachfahrten durchs Quartier mit zivilen Fahrzeugen geplant. Dies habe den Vorteil, dass so unmittelbar der Beweis erbracht werde, ob ein Autofahrer das Quartier zur Durchfahrt benutzt habe oder nicht.