Süsslich, leicht nach Pisse riechend und immer von einer starken Grundnote abgestandenen Zigarettenrauchs getragen: So roch es in den Telefonkabinen stets. Oder besser: Riecht es in den Telefonkabinen stets. Schliesslich gibt es sie noch, diese Relikte aus einer Zeit, in der nicht jeder ständig und überall erreichbar war. Als Grundversorgung noch anders gewichtet wurde als heute. Zugegeben, ich weiss nicht genau, ob es heutzutage in den Telefonzellen immer noch so riecht. Schliesslich war ich seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr in einer. Warum auch.

Mit der Umstellung von Münztelefonen zum Taxcard-System ging bereits ein gewichtiger Vorteil der Telefonzellen verloren. Denn im Notfall war die Taxcard meist gerade leer und natürlich war zu einer gewissen Uhrzeit keine neue mehr zu kriegen. Natürlich hat die Swisscom darauf reagiert und teilweise wieder umgesattelt auf Münztelefone, aber halt nicht überall. Was mir herzlich wenig bringt. Denn da kommt mit heimtückischer Sicherheit Murphys Gesetz zur Anwendung. Nämlich, dass alles, was schiefgehen kann, auch schiefgehen wird. Im Notfall finde ich eine Zelle ohne Münzschlitz oder habe ganz einfach kein Kleingeld dabei.

So lob ich mir den Siegeszug des mobilen Telefonierens, immer und überall. Günstig ins Ausland könne man damit telefonieren, für Touristen seien die Telefonzellen ebenfalls wichtig, sagt die Swisscom. Nur leider telefoniere ich nicht ins Ausland, und auch als Touri habe ich stets mein mobiles Telefon dabei. Auch im Ausland. Ist zwar schweineteuer, aber halt viel weniger aufwendig. Und als Notfalltelefon ist die Zelle ebenso nur bedingt zu gebrauchen.

Denn ich zum Beispiel kann genau fünf Telefonnummern auswendig. Davon sind zwei meine eigenen, dann die ehemalige Nummer eines Schulschatzes, die aktuelle eines Kollegen und die meiner Eltern. Und die letzten zwei werden zu Notfallzeiten entweder neben mir stehen oder schlafen tief und fest. Alle anderen Nummern sind mobil gespeichert, was mir im Fall der Fälle unterirdisch wenig bringt. Denn ich kann mir keinen Telefonnotfall vorstellen, der nichts mit einem leeren Akku oder einem verlorenen beziehungsweise kaputten Handy zu tun hat.

Warum sollte es mich persönlich also stören, wenn langsam die Grundversorgung mit Telefonzellen abgebaut wird? Vielleicht aus Solidarität mit Leuten, die ihre Verwandten und Bekannten im Ausland erreichen wollen. Eine billigere und praktischere Lösung wird es sicherlich geben. Man denke hier nur schon an Angebote wie Skype, da sieht man den Gesprächspartner auch noch gleich. Ob dies allerdings immer ein Vorteil ist, sei dahingestellt.

Ins Feld führen könnte man auch so etwas wie Nostalgie. Doch waren wir denn nostalgisch, als die ersten Modems mit dem unverwechselbaren Geräusch durch ADSL-Leitungen abgelöst wurden? Wohl kaum. Oder als die Waschmaschine ganz allmählich die Handwäsche zurückgedrängt hat? Oder als der Airbag plötzlich verhinderte, dass man nostalgisch korrekt aufs Steuerrad knallte?

Klar, nicht jedes dieser Beispiele ist in diesem Zusammenhang plausibel, doch genau so unplausibel wäre es, wenn die Swisscom aus Nostalgiegründen das Netz an Telefonzellen aufrechterhalten würde. Denn Artenschutz haben die Dinger keinesfalls verdient. Darum weg damit! Dafür die Telekomanbieter zu einem richtig günstigen Grundversorgungsangebot fürs Handy oder Festnetz zwingen. Damit wäre wohl den meisten mehr gedient als mit diesen stinkenden Dinosauriern der Telekommunikationsbranche.