Olten

Weisswein mitten aus der Dreitannenstadt

Bei der Oltner Altstadt pflegt Hobby-Winzer Hans Dieter Jäggi 50 Rebstöcke. Dank des warmen Sommers war gestern, früher als sonst, die Weinlese.

Den ganzen Sommer über sind die Trauben an den Rebstöcken gereift. Doch der Herbst läutet die Weinlese ein: Winzer lesen ihre Trauben von den Reben, pressen sie und lagern sie über den Winter in Fässern ein. Auch in den Rebgärten der Region hat dieser Prozess langsam aber sicher begonnen.

So auch an der alten Oltner Stadtmauer, wo sich 50 Rebstöcke in einem Privatgarten aneinanderreihen. Pralle, saftige Trauben hängen daran. Auch sie sind mittlerweile bereit für die Lese.

Es handelt sich dabei um den Rebgarten von Hans Dieter Jäggi am Salzhüsliweg, der seit über 30 Jahren im Familienbetrieb besteht. Für Jäggi ist die Weinlese ein Hobby, eine Liebhaberei, beinahe schon eine Passion. Und der Wein selbst schlussendlich Produkt von unzähligen Stunden mühseliger Arbeit und liebevoller Pflege.

Von der Traube zum Wein

«Heuer sind wir sehr früh dran mit der Lese», sagt Jäggi. «Normalerweise sind die Trauben erst Anfang Oktober reif.» Weil es den Sommer über jedoch sehr warm war und die Reben im Frühjahr keine Frostschäden davontrugen, kann die Lese schon jetzt stattfinden. Auch, weil Jäggi die Trauben nicht selbst weiterverarbeitet, sondern von einem befreundeten Weinbauer abhängig ist.

Weinlese bei Hans Dieter Jäggi in Olten

Von der Traube zum Wein: Winzer Hans Dieter Jäggi erklärt das Verfahren

Einen Tag braucht Jäggi für alle 50 Rebstöcke. Am Abend fährt er die abgelesenen Trauben dann zu Peter Wehrli im aargauischen Küttigen. Dieser presst Jäggis Trauben und füllt den gewonnenen Saft in ein eigenes Fass, wo der Gärprozess stattfindet.

Im nächsten Frühjahr wird der fertige Wein dann in Flaschen gefüllt. Die Rebstöcke von Jäggi ergeben pro Jahr etwa 70 bis 80 Flaschen Weisswein. Diese versieht der Weinbauer schliesslich mit einer Etikette, die Gustav Zaugg im Jahr 1989 eigens für den Salzhüsli-Wein gezeichnet hat. Der Maler hat auch schon diverse Fasnachtsplaketten entworfen.

Angefangen hat Jäggi im Jahr 1983. Noch mit seinem Bruder und aus purer Lust und Laune. Mit den Jahren hat sich Jäggis Wissen über den Weinbau stets vergrössert. Aber richtig gelernt hat er das Handwerk nie. «Eigentlich ist alles angelesen und angelernt», sagt Jäggi.

Deshalb sei er auch glücklich über die Zusammenarbeit mit Wehrli, der ihm mit Rat und Tat zur Seite stehe. Der Profi führt im Frühling jeweils auch den Rebschnitt an den Stöcken durch. Dieser muss sorgfältig vorgenommen werden, damit die Reben wieder ausschlagen und wachsen können.

Einziger Weinbauer in Olten

Der Standort in Olten sei für die Reben optimal. «Weil der Hang südlich liegt, wird er immer von der Sonne bestrahlt», erzählt der Hobby-Weinbauer. Die Mauern der Stadtmauer speichern dann diese Wärme und sorgen so für ein gutes Klima.

Ausserdem reichen die Wurzeln der Reben bis hinunter ins Grundwasser, weshalb sie nicht zusätzlich bewässert werden müssen. Auch Spritzen würde Jäggi die Reben kaum: «Die Profis spritzen ihre Reben. Aber die leben ja auch davon. Ich nicht.» Deshalb sei ein Ernteausfall für ihn auch nicht gleich existenzbedrohend.

Für Jäggi ist die Weinlese ein Hobby, eine Liebhaberei. «Ich mache das einfach gerne.» Aus diesem Grund ist das Endprodukt auch nicht käuflich. Seit je werden die fertigen Flaschen an Freunde und Bekannte verschenkt. Nur ab und zu, an speziellen Anlässen, gibt es auch für Jäggi und seine Familie eine Kostprobe des eigenen Tropfens.

Schutz vor Ungeziefer

Die Trauben der Sorte Müller-Thurgau oder Riesling Silvaner schmecken jedoch nicht nur Jäggis Umfeld, sondern auch diversen Vögeln und Wespen. Das sei auch die Schwierigkeit des Standorts in Olten. «Jetzt stell dir Mal vor, da reist ein Wespenschwarm durch auf der Suche nach etwas Süssem. Wo geht der hin?», fragt Jäggi. «Der kann ja nur entweder in die Suteria oder zu mir», sagt er sogleich lachend.

Deshalb deckt Jäggi seine kostbaren Trauben mit Netzen ab, damit Wespen oder Vögel die Trauben nicht unbrauchbar machen können. Während der Weinbauer das erzählt, pickt er mit geübten Fingern die faulen Trauben raus und lässt sie auf den Boden fallen.

Dies sehr zur Freude von Hündin Jill, die die Weinlese mit Argusaugen überwacht und die heruntergefallenen Trauben artgerecht entsorgt. Guten Appetit, oder später dann eher: Prost.

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