Entführungsfall

Wegen Skype: Ermittler tappen im Dunkeln

Aus diesem Haus in Düsseldorf (D) wurde der Junge in der Samstagnacht vom 25. Juni 2016 befreit.

Aus diesem Haus in Düsseldorf (D) wurde der Junge in der Samstagnacht vom 25. Juni 2016 befreit.

Der Entführer des 12-Jährigen aus dem Kanton Solothurn ging geschickt vor. Seine Opfer lockte Werner C. in Programme, in denen seine Spuren nicht nachverfolgt werden können.

"Der Beschuldigte ist sehr geschickt vorgegangen und hat seine Spuren im Internet verwischt." Das sagte der deutsche Oberstaatsanwalt Ralf Herrenbrück (53) gegenüber "Blick". Die Masche des 35-jährigen Hilfskochs: Er gab sich im Netz jeweils als Webmaster einer Gruppe aus, chattete mit den Kindern und lockte sie nach einer Weile auf Skype.

Und das aus folgendem Grund: Skype speichert die Gespräche nicht und sie können auch nicht im Nachhinein erstellt werden. Zudem sind gemäss Herrenbrück Abklärungen, die einen Server in den USA betreffen, schwierig. Der Weg führt über langwierige Rechtshilfegesuche.

Deshalb wissen die deutschen Ermittler nicht genau, was Werner C. im Netz mit den Kindern gesprochen und kommuniziert hat. Zudem schweigt der Deutsche. Die Ermittler werten gemäss "Blick" offenbar mehrere Terabyte an Daten aus. 

Ob andere Kinder betroffen sind, ist nicht bekannt. Doch muss davon ausgegangen werden, denn Nachbarn des 35-Jährigen haben immer wieder Kinder in der Wohnung des Deutschen gesehen.

Dieser hatte den in Gunzgen wohnhaften Jungen am 18. Juni nach einem Chat-Kontakt unter noch nicht bekannten Umständen in der Schweiz abgeholt und nach Düsseldorf gebracht. Dort wurde er von einem Sondereinsatzkommando am 25. Juni befreit.

Der Junge ist seit Mittwoch zurück bei seinen Eltern. Nach den Sommerferien soll er wieder zur Schule gehen.

(01.07.2016)

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