Einsprache
Wegen neuer Halle: Oensinger befürchten Mehrverkehr aus Niederbipp

Die Kuralit Immobilien AG will in Niederbipp für ein Holzwerkstoffzentrum eine grosse Halle bauen. Der Oensinger Gemeinderat befürchtet aber, dass der Verkehr dadurch stark zunimmt. Deshalb verlangt er einen Umweltverträglichkeitsbericht.

Alois Winiger
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Östlich vom grossen, 2008 eröffneten Neubau mit dem Holzwerkstoffzentrum, soll eine zweite, fast ebenso grossen Halle gebaut werden.

Östlich vom grossen, 2008 eröffneten Neubau mit dem Holzwerkstoffzentrum, soll eine zweite, fast ebenso grossen Halle gebaut werden.

Alois Winiger

Das war knapp: Am 27. Dezember läuft die Einsprachefrist für ein Bauvorhaben in der Nachbargemeinde Niederbipp ab. In seiner Sitzung vom letzten Montagabend hat der Einwohnergemeinderat Oensingen beschlossen, Einsprache zu erheben. Seiner Überzeugung nach liegt ein Verfahrensfehler vor, es fehle ein Umweltverträglichkeitsbericht.

Das Vorhaben der Kuralit Immobilien AG hat es in sich: Sie will für das Holzwerkstoffzentrum HWZ Kuratle&Jecker AG eine Halle erstellen, 120 Meter lang, 94 breit und 14 Meter hoch. Praktisch gleich gross wie das 2008 bezogene, blau-gelbe Gebäude an der Industriestrasse in Niederbipp, nahe der westlichen Gemeindegrenze von Oensingen.

Verärgert wegen des Vorgehens

In der Ratssitzung zeigte man sich ziemlich verärgert. Zum einen, weil die Gemeinde Niederbipp relativ kurzfristig orientiert habe und dies nur anhand von Plänen, statt mündlich wie sonst auch bei grösseren Vorhaben. Ferner, weil man anhand der vorliegenden Pläne davon ausgeht, es handle sich hier um ein Logistikzentrum, folglich sei mit erhöhtem Verkehr von Lastwagen zu rechnen, und diese würden sicher alle via Oensinger Industrie zur Autobahn fahren. Im Baugesuch sei rein gar nichts über den Verkehrsfluss zu lesen.

Erwähnt wurde ferner, dass höchstwahrscheinlich bereits für das 2008 bezogene Holzwerkstoffzentrum ein Umweltverträglichkeitsbericht (UVB) nötig gewesen wäre. Jetzt erst recht, denn der geplante Bau würde mit dem bestehenden Gebäude verbunden, zusammen ergebe sich daraus ein Lagervolumen von weit über 20000 Kubikmeter. Da sei ein UVB Pflicht.

«Spielball der Kantone»

George Kuratle, Verwaltungsratspräsident und Inhaber der HWZ Kuratle&Jaecker AG, äussert sich vorsichtig, hat er doch durch die Anfrage dieser Zeitung von der Einsprache erfahren. «Ja, da werden wir sehen müssen, wie wir den Rank finden.» Es sehe so aus, als würde er nun zum Spielball der Kantone Bern und Solothurn, weil sie sich offenbar nicht einigen können, wie das Verkehrsproblem gelöst wird. «So viele Mehrfahrten, wie der Oensinger Rat befürchtet, gibts gar nicht. Wir rechnen mit etwa acht zusätzlichen pro Tag, jetzt sind es im Schnitt etwa sechzehn.» Ferner handle es sich beim Neubau nicht um einen reinen Logistikbetrieb, sondern darin werde auch produziert, erklärt Kuratle. «Zudem richten wir einen Schulungsraum mit bis zu fünfzehn Plätzen ein.» Aktuell seien in Niederbipp 46 Personen beschäftigt, nach Vollendung des Neubaus kämen voraussichtlich weitere 40 Arbeitsplätze hinzu.

Nicht einverstanden mit den Vorwürfen aus Oensingen ist der Niederbipper Bauverwalter René Suter: «Wir haben die Pläne am 21. November abgeschickt. Wenig später hat mich der Oensinger Bauverwalter wegen des Umweltverträglichkeitsberichts kontaktiert. Ich habe klar gesagt, dass es einen solchen nicht braucht. Weder vom Lagervolumen noch vom Verkehr her.» Suter begründet dies damit, dass zwar der geplante Neubau über ein Dach mit dem bestehenden Bau verbunden werde. «Aber es ist ein separates Gebäude auf einer separaten Parzelle.» Das Argument mit dem fehlenden UVB kommt Suter etwas gesucht daher: «Es ist schade, wo wir doch seit einiger Zeit sonst einvernehmlich miteinander umgegangen sind. Aber wenn man halt auf einen solchen Bericht besteht, so muss eine höhere Instanz darüber entscheiden.»

Anderweitig bauen?

George Kuratle hofft nicht, dass es so weit kommen muss. Und schon gar nicht, dass er seine Expansionspläne anderweitig realisieren müsste. Er verspricht sich viel davon, wenn er sein Vorhaben dem Oensinger Gemeinderat erläutern und die Befürchtungen ausräumen kann. Im Januar soll es soweit sein. Dann wäre allerdings die Einsprachefrist ohnehin abgelaufen. «Ich hätte es gerne früher gemacht», sagt Kuratle, «doch man hat mir keinen früheren Termin angeboten.»