Olten

Wegen Corona-Einnahmeausfällen: Ein Vermieter erlässt Coiffeur-Betrieb den Zins

Hauseigentümer Claude und Zita Schoch erlassen ihrer Mieterin, die im Parterre in der Oltner Altstadt einen Coiffeursalon betreibt, wegen dem Coronavirus und den ausfallenden Geschäftseinnahmen den Mietzins.

Hauseigentümer Claude und Zita Schoch erlassen ihrer Mieterin, die im Parterre in der Oltner Altstadt einen Coiffeursalon betreibt, wegen dem Coronavirus und den ausfallenden Geschäftseinnahmen den Mietzins.

Claude und Zita Schoch in der Oltner Altstadt verzichten auf eine Monatsmiete des Coiffeurlokals in ihrer Liegenschaft – und fordern Nachahmer.

Mit den vom Bundesrat verfügten Geschäftsschliessungen werden viele Gewerbler an den Rand ihrer finanziellen Existenz getrieben. Zwar erhalten diese nun erleichterten Zugang zu Kurzarbeit und Darlehen. Oder sie versuchen sich mit neuen Geschäftsmodellen wie Take-away-Services über Wasser zu halten. Trotzdem fallen bei einigen Gewerblern alle Einnahmen weg. Ein Beispiel dafür sind Coiffeur-Betriebe wie jener von Sandra Terriblini. Sie führt das Geschäft H20 in der Oltner Altstadt an der Marktgasse 31.

Sie kann nun zusätzlich zu den Massnahmen von Bund und Kanton auf die Unterstützung ihres Vermieters zählen. Die Liegenschaftsbesitzer Claude und Zita Schoch haben dem Laden kurzerhand die Miete für den Monat April erlassen. Auf Facebook hat der ehemalige Gesamtleiter der Oltner Kabarett-Tage und frühere FDP-Gemeindeparlamentarier die Sache mit dem Slogan «Taten statt Worte» öffentlich gemacht. Er hat dafür über zweihundert Likes und mehrere positive Kommentare erhalten. Er schreibt darin als Aufruf an die Oltner Hauseigentümer: «Einfach mal auf eine Monatsmiete verzichten – und das gleich jetzt. Das löst nicht alle Probleme, ist aber eine spürbare Entlastung.»

Auf Anfrage sagt Schoch, dass es schliesslich nichts bringe, wenn das Geschäft Konkurs ginge. Zudem seien die Hypothekarzinse in den vergangenen Jahren günstiger geworden und dafür die Rendite höher, so dass man als Vermieter sicher einen Monat auf die Miete verzichten könne. Für Gewerbler sei die Miete neben den Löhnen nämlich die grösste Ausgabe. «Ich fände es ein schönes Zeichen der Solidarität, wenn es in Olten weitere Hausbesitzer gäbe, die das tun würden», fordert Schoch zum Nachahmen auf. In seinem Fall hat er dies formlos ohne Vertragsänderung einfach der Mieterin mitgeteilt. Konkret geht es um 1300 Franken Monatsmiete.

Coiffeur-Inhaberin Sandra Terriblini schätzt die «grosszügige Geste», wie sie auf Anfrage sagt. Mietzinsreduktionen seien in ihrer Branche sowieso ein Thema. Meist müssten aber die Gewerbler selbst auf den Vermieter zugehen. Der Verband Coiffeur Suisse stellt diesbezüglich sogar einen Musterbrief auf seiner Website zur Verfügung.

Co-Präsident Darko Bosnjak des Oltner Gewerbeverbands schreibt auf Anfrage, dass viele Gewerbler mit ihren Vermietern diesbezüglich in Verhandlung seien, aber auch Anweisungen vom Bund erwarten. Der Gewerbeverband kommuniziere aber nicht von sich aus. Auch bei der Wirtschaftsförderung Region Olten verweist man zuerst auf die Unterstützungsmöglichkeiten bei Bund und Kanton, sagt Rolf Schmid auf Anfrage. Im weiteren Verlauf eines Gesprächs mache er aber auch darauf aufmerksam, doch einmal mit dem Vermieter zu sprechen. «Wir gehen deswegen aber nicht aktiv auf die Gewerbler zu.»

Meistgesehen

Artboard 1