Auf dem Kaplaneiplatz beim Denkmal des «Königs von Olten» beginnt es. Aber kurz nach 14 Uhr, kaum sind die ersten Worte gesprochen, setzt der Regen ein. Wahre Fans hält dies natürlich nicht ab. Die Oltner Stadtführerin Emma Anna Studer von Olten Tourismus rief am Samstagnachmittag zur ganz besonderen Stadtführung unter dem Titel «Für die Katz?». Im Mittelpunkt, legendär, Stadtkater und Hoheit Toulouse, der seine Prominenz nicht zuletzt auch dem Schriftsteller Alex Capus zu verdanken hat.

Studer führte das Publikum durch des Katers Revier, die Oltner Altstadt. Hotspots waren etwa der Blumenladen an der Zielempgasse, die Hauptgasse allgemein, die Waadtländerhalle und natürlich die Marktgasse 39, der erste Standort der Papeterie von Susi Köpfli, Toulouses Besitzerin. Wir werden hier nicht die exklusiven Stadtführer-Geschichten des Katers teilen, sondern hörten uns im Publikum gleich selber um. Die Toulouse-Fans fanden sich ein, und darunter auch das eine oder andere Bekannte Gesicht. Jedem fällt etwas zu diesem Kater ein.

Toulouse und Alex

Thomas Zuber, höchster Kantonspolizist und Heimweh-Oltner: «Ich kenne Toulouse aus dem Buch von Alex Capus. Als der Kater noch lebte, habe ich ihn mal im Oberen Graben gesehen.» Aber auch der ehemalige Bezirksschullehrer Hubert Jenny war an der Stadtführung anzutreffen. 38 Jahre lang hatte er im Schulhaus Frohheim unterrichtet und hat alle Capus-Bücher gelesen: «Sehr originell und ausgefallen geschrieben», lobt er. Ja, wenn es um Toulouse geht, geht es oft eben auch um Alex Capus.

Von einer persönlichen Begegnung mit Toulouse kann die Oltnerin Sandra Morach berichten: «Er sprang mir mal in der Suteria auf den Schoss.» Besonders hübsch findet sie es, dass dem Kater dieses Denkmal am Kaplaneiplatz gewidmet wurde. Ihre Mutter, Liselotte Morach aus Däniken hingegen, begegnete Toulouse nie persönlich, sie kennt ihn durch die geläufigen Geschichten. Doch Liselotte Morach ist dennoch nahe beim Thema: «Auf unserem Bauernhof haben wir insgesamt neun Katzen», erzählt sie. Eine besonders treue Besucherin der Oltner Stadtführungen ist Rosmarie Spahr. Zu Toulouses Lebzeiten hatte sie einige Begegnungen mit dem Kater, und hat ihn oft fotografiert: «Per Handykamera habe ich die Bilder von Toulouse gemacht», blickt sie zurück. Aber einfach war es nicht immer, denn natürlich hatte der Kater seinen eigenen Kopf: «Einmal lag er der Länge nach ausgestreckt in der Buchhandlung. Ich dachte, das gibt ein schönes Fotomotiv. Doch kaum hatte ich das Handy parat, war die Pose weg.» Auch auf der Holzbrücke habe sie ihn immer wieder gesehen. Stadtführerin Emma Anna Studer hat ihre eigenen und exklusiven Toulouse-Geschichten, die sie sehr einfühlsam und manchmal mit einem Augenzwinkern erzählt. Es ist Stoff aus ihren Recherchen in der Altstadt: «Diese Geschichten stimmen alle», sagte sie, und: «Ich bin stolz, dass ich auf dies Weise den Kater am Leben erhalten kann. Er war ein ganz Schöner, mit diesem besonderen Blick.»

Was würde der Kater tun?

Nach einer Stunde, die sehr schnell verflogen ist, kehrten die Toulouse-Fans entweder in ein Restaurant ein, gingen heim, oder kauften noch kurz etwas. Alle liessen wehmütig ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Kater Revue passieren. Denn er ist ja nicht mehr da, sondern in den ewigen Jagdgründen. Draussen regnete es stetig weiter, die Aare floss trüb. Es lohnte sich trotzdem, den Spuren des Oltner Katers zu folgen. Aber Moment mal, was hätte Toulouse an diesem eher düsteren Samstag wohl gemacht? Esthi Wyss vom Schuhladen «Head over Heels» schilderte zu seinem Todestag vor fast exakt einem Jahr gegenüber dieser Zeitung folgende Episode: «Wenn es draussen regnete, sass er manchmal stundenlang auf dem grünen Sofa und machte keinen Wank.»

«Für die Katz?» ist eine neue Stadtführung, die über Olten Tourismus gebucht werden kann. Weitere Informationen und Termine auf: www.oltentourismus.ch