Olten
Was bringt der Musikunterricht fürs spätere Leben? Ex-Leiter der Musikschule will es herausfinden

Georges Regner war zehn Jahre lang Schulleiter an der Musikschule Olten. Im Rahmen seines Studiums zur musikpädagogischen Forschung macht er nun eine Umfrage zur Wirkung des Musikunterrichts.

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Keystone

Viele Menschen, die als Kinder und Jugendliche Unterricht an Musikschulen besuchten, sind als Erwachsene nicht mehr musikalisch aktiv. Damit stellt sich die Frage, ob der Musikunterricht noch eine andere Wirkung im späteren Leben hat als das aktive Musizieren und ob sich die hohen Subventionen der öffentlichen Hand trotz dieses Umstands überhaupt rechtfertigen lassen.

Georges Regner, der zehn Jahre lang die Musikschule Olten leitete und heute pensioniert ist, will diesen Fragen nun im Rahmen des Projekts «Langzeitwirkung des Musikunterrichts an Musikschulen» in seinem CAS-Studium zur musikpädagogischen Forschung nachgehen und ehemalige Schülerinnen und Schüler dazu befragen. Die Musikschule Olten beteiligt sich daran.

Anhand der Daten aus dem Schuljahr 2004/2005 werden nun die Eltern der damaligen Schüler angeschrieben und gebeten, sich an einer Umfrage zur Wirkung des Musikschulunterrichts im Erwachsenenleben zu beteiligen. Rund 500 Briefe wird Regner in diesen Tagen verschicken. Er hofft auf einen möglichst hohen Rücklauf, damit die Auswertung aussagenkräftig wird. Unter den Teilnehmern wird ein Gutschein des Kultur- und Kongresszentrums Luzern (KKL) ausgelost für eine beliebige Veranstaltung mit zwei Personen.

Rechtfertigung für Subventionen

Im Bericht des Bundesamtes für Statistik über das Kulturverhalten in der Schweiz (Eine vertiefende Analyse – Erhebung 2008) wurde festgestellt: «In der Schweiz spielt jede fünfte Person ein Musikinstrument.» Im gleichen Bericht steht: «Fast die Hälfte der Schweizer Bevölkerung hat irgendwann eine nichtberufliche Musikausbildung von mindestens einem Jahr absolviert.» Es ist laut Regner davon auszugehen, dass die heute musikalisch aktiven Personen an die nichtberufliche Musikausbildung in ihrer Kindheit und Jugend anknüpfen und bis zu zwei Fünfteln der ehemaligen Musikschüler noch ein Musikinstrument spielen. Umgekehrt heisst das aber auch: Etwa zwei Drittel der ehemaligen Schüler der Musikschulen spielen ihr Instrument nicht mehr.

 Georges Regner, zehn Jahre lang Leiter der Musikschule Olten

Georges Regner, zehn Jahre lang Leiter der Musikschule Olten

Zur Verfügung gestellt

In seinen Augen ist daher die Technik, ein Instrument spielen zu können, nur Mittel zum Zweck für die musikalische Entwicklung der Person. Und letztes sei die nachhaltige Wirkung, weil viele im Erwachsenenalter gar kein Instrument mehr spielten, aber trotzdem etwa Wert auf die Musik legen würden, indem sie etwa ein Konzert besuchten oder ihre eigenen Kinder in die Musikschule schickten. Das legitimiert Regner zufolge auch die hohen Subventionen der Musikschulen: «Die Investition von öffentlichen Geldern lässt sich nicht alleine durch die musikalische Aktivität im Erwachsenenalter rechtfertigen, sondern primär durch den Gewinn an Musikalität und Kultur.»

Wenn die ehemaligen Schülerinnen und Schüler vermehrt und bewusst Musik hören und konsumieren, tragen sie laut Regner zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Musiktradition und -verbreitung bei. Viele Lehrer seien sich heute schon bewusst, dass sie Schüler ausbilden, die später nicht Berufsmusiker werden oder gar nicht mehr musikalisch tätig sind. Das heisst, der Unterricht muss dementsprechend auch anders ausgestaltet sein; zum Beispiel weniger nur das Spielen nach Noten forcieren, sondern auch die Improvisation.

Über die positive Wirkung des Musikunterrichtes wurde schon geforscht und publiziert: Eine erste Publikation wurde von Ernst Waldemar Weber 1981 nach einem Pilotprojekt an den Schulen von Muri bei Bern veröffentlich. Darin wurde die positive Wirkung von vermehrtem Musikunterricht mit insgesamt fünf Wochenstunden im Lehrplan aufgezeigt.

Es folgte ein grösseres Projekt, das diese Ergebnisse empirisch unterstrich. Weitere Publikationen folgten durch die Untersuchung von Hans Günther Bastian «Zum Einfluss erweiterter Musikerziehung auf die allgemeine und individuelle Entwicklung von Kindern» (1992–1998) in Berlin. (fmu/mgt)

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