Olten
Warum Hugo Ruf als Regierungsrat und Oltner Stadtpräsident kandidiert

Zwei Ämter, ein Mann. Hugo Ruf will Oltner Stadtpräsident und Regierungsrat werden. Er hat weder in einem Gemeinderat noch im Kantonsrat politisiert. «Ich könnte im Kantonsrat nichts bewirken», erklärt Ruf, «ich bin doch kein Hampelmann.»

Christian von Arx
Merken
Drucken
Teilen
Hugo Ruf (60), Aussenseiter in den Regierungsratwahlen 2013.

Hugo Ruf (60), Aussenseiter in den Regierungsratwahlen 2013.

Hansruedi Aeschbacher

Er ist der Überraschungsmann der Wahlsaison: Der 60-jährige Hugo Ruf. In Olten aufgewachsen, wohnte er später jahrzehntelang in Kappel und ist diesen Herbst nach Olten zurückgekehrt. Und das gleich richtig: Keine drei Monate nach seiner Wohnsitznahme in Olten möchte er nun Stadtpräsident werden.

Dazu müsste er zuerst als einer von fünf nebenamtlichen Stadträten gewählt werden. Ruf ist ehrlich: «Nur Stadtrat zu sein, wäre nicht das Gelbe vom Ei.» Seine Stärken lägen beim Coachen – «das tut man, wenn man den Vorsitz im Team hat». Macherqualitäten brauche es im Oltner Stadtpräsidium. Und die habe er.

Gleichzeitig kandidiert Hugo Ruf als Regierungsrat. Was, wenn er in beide Ämter gewählt wird? «Dann gehe ich nach Solothurn.» Wo er ja schon heute arbeitet: Als Leiter Personelles und Rechnungswesen im Volksschulamt. Seine Vorgesetzten im Amt und im Departement für Bildung und Kultur (DBK) habe er über sein Vorhaben informiert. Eine politische «Lehrzeit» in Kommissionen, in einem Gemeinderat oder im Kantonsrat hat Hugo Ruf nicht absolviert, die «Ochsentour» ist ihm ein Gräuel: «Mich schauderts bei der Vorstellung, mir in Kommissionen die Kanten abschleifen zu lassen.» Vor Jahren habe ihn der Amteiparteipräsident der FDP für eine Kantonsratskandidatur angefragt, aber er habe abgesagt. «Ich könnte da nichts bewirken», erklärt Ruf, «ich bin doch kein Hampelmann.» Führungsarbeit, das ist es, was ihn interessiert.

Selfmademan aus der Wirtschaft

Parteipolitiker wollte er nie sein, er möchte Sachpolitik machen. Dafür verweist Ruf auf vielfältige berufliche Erfahrungen. Nach einer kaufmännischen Lehre bei den Städtischen Werken Olten ging er 1973 als Personalassistent zu den neu gegründeten Migros-Verteilbetrieben Neuendorf. In seinen 18 Jahren bei der Migros Neuendorf, davon 14 Jahre als Leiter Personalwesen und Mitglied der Geschäftsleitung, habe er 4000 Anstellungs-Interviews geführt. Besonders gern erinnert er sich an die Schaffung der Berufslehre Lagerist, die er als Projektleiter prägte.

Nach 1990 machte sich Ruf selbstständig und stellte sein Wissen in Personal-, Organisations- und Managementwesen Firmen in Mandaten zur Verfügung: So Nestlé (Leisi Wangen), Bosch Telecom (Ex-Ascom Radiocom) oder Schenker Storen, seit 2003 auch dem Kanton Solothurn (Kantonsspital Olten, Case Management Berufsbildung). Ruf verschweigt nicht, dass ihm als Selbstständiger nicht alles geglückt ist; so habe er in eigene EDV-Lösungen viel Geld investiert und verloren. Seit Frühling 2010 ist er nun im Volksschulamt angestellt.

Bildung und Gesundheit

Seinen Wahlkampf will Hugo Ruf ohne Parteiunterstützung führen. «Ich werde mich in der Freizeit gezielt unters Wahlvolk mischen.» Als Wahlhelferin im Hintergrund steht ihm Therese Vögeli zur Seite, die früher die Geschäftsstelle der Wirtschaftsförderung der Region Olten führte. An politischen Themen hebt er die Bildung und das Gesundheitswesen hervor. «Es braucht mutige Entscheide, um auf Unnötiges zu verzichten.» Andererseits schwebt ihm vor, dass die Solothurner Spitäler bei gewissen Spezialitäten eigene Schwerpunkte setzen und nicht alle «interessanten Fälle» an die Unispitäler abgeben sollen.

Zu seiner Regierungsrats- und Stadtpräsidentenkandidatur sei er ermuntert worden. Er sei frei von Verpflichtungen – seine zwei Kinder sind erwachsen, er selbst seit diesem Jahr geschieden. Die nötigen 100 Unterschriften für die Regierungsratskandidatur habe er innert einer Woche zusammengebracht. Ein Unterstützungskomitee sei im Entstehen begriffen, verspricht Ruf. Wie er den acht Mitbewerbern von den fünf grössten Kantonalparteien gefährlich werden könnte, ist aber an seiner ersten Medienkonferenz gestern in Olten noch nicht deutlich geworden.