Olten
«Wärchlade» hat den Umsatz in 25 Jahren verfünffacht

Der «Wärchlade» an der Marktgasse 35 gehört fest zum Bild der Oltner Altstadt. Unter dem Motto «originell – speziell – einzigartig» führt er ein attraktives Angebot an handgearbeiteten Verkaufsgegenständen.

Urs Amacher
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Das Wärchladeteam (vl.) Edi Modespacher, Philipp Rieder, Käthy Fritschi, Annelies Elsenberger, Veronika Flükiger und Rita von Däniken.

Das Wärchladeteam (vl.) Edi Modespacher, Philipp Rieder, Käthy Fritschi, Annelies Elsenberger, Veronika Flükiger und Rita von Däniken.

Urs Amacher

Die Produktepalette im «Wärchlade» umfasst Kinderkleidchen, Shirts mit aufgenähten Applikationen, Gschwelltisäckchen oder originell bemalte Küchenschürzen, zudem Namenspuzzles, Namensgarderoben, Wildbienenhotels und Spielsachen aus Holz, Tassen, Schüsseln oder Deko-Tiere aus Keramik - um nur Einige zu nennen.

Das Spezielle daran: Angefertigt werden alle diese Dinge von Menschen mit einer Einschränkung, die im Textilatelier oder in der Holz- und Töpferwerkstatt des «Wärchlade» einen geschützten Arbeitsplatz finden.

Ein sattes Vierteljahrhundert

Der «Wärchlade» besteht seit 25 Jahren. Dieses Jubiläum wurde kürzlich auf dem Platz vor dem Laden an der Marktgasse gefeiert. Der hauseigene Töpfer Philipp Rieder und seine Tochter Mia buken dabei im selbstbebauten Pizzaofen knusprige Flammkuchen, und das Duo Stellamar spielte Weisen aus aller Welt.

Eröffnet wurde der «Wärchlade» also 1991. Seine Geschichte geht aber weiter zurück. Veronika Flükiger ist die Initiantin und eigentliche «Mutter» des «Wärchlade» Olten. Nach einer Verwaltungslehre und der Schule für soziale Arbeit trat sie 1986 eine Stelle beim Schweizerischen Invaliden-Verband (SIV, seit 2002 Procap) in Olten an.

Bald stellte sie fest, dass viele Behinderte dank der IV-Rente zwar einen gesicherten Lebensunterhalt, aber keine Tagesstruktur hatten. Als Veronika Flükiger an der Marktgasse ein leer stehendes Ladenlokal entdeckte, wurde sie – unterstützt von SIV-Geschäftsführer Hannes Steiger – aktiv. Sie konnte die Hausbesitzer Susi und Roman Köpfli von der Idee begeistern und erhielt auch Unterstützung von Beat Wiemken vom Sozialamt Olten.

Um das Projekt auf eine breitere Basis zu stellen, erfolgte am 23. November 1990 die Gründung des Vereins «Wärchlade» für Olten und Umgebung. Erste Präsidentin wurde Erna Scheidegger. Bereits am 1. Februar 1991 nahm der «Wärchlade» an der Marktgasse 35 seinen Betrieb auf. Drei Jahre später konnte er um eine Holz- und Töpferwerkstatt im Keller erweitert werden. Anfänglich war der «Wärchlade» nur nachmittags offen, seit dem 1. Juli 1999 ist er aber den ganzen Tag geöffnet.

Weitere Meilensteine waren 2004 die Modeschau mit im «Wärchlade» genähten und gestrickten Kinderkleidern, der Ladenumbau 2005 und der grosse Auftrag zum Bau von Mauersegler-Nistkästen im selben Jahr.

Belegte Arbeitsplätze

Die zehn Arbeitsplätze wurden bereits im ersten Jahr von 35 Benützerinnen und Benützern belegt. Auch gegenwärtig sind sie ausgelastet, 27 Frauen und 10 Männer finden im «Wärchlade» eine Beschäftigung. Angeleitet werden sie von Geschäftsleiterin Veronika Flükiger (Textilatelier), Annelies Elsenberger (Holzwerkstatt), Käthy Fritschi-Zeltner (Holz- und Textil), Philipp Rieder-Elsener (Töpferei, Holz), Maja Rieder (Holz) und Edi Modespacher (Holz).

Nachdem der «Wärchlade» zuerst vom Bund subventioniert wurde, wird er seit 2008 via Leistungsvereinbarung mit dem Amt für soziale Sicherheit des Kantons Solothurn finanziell unterstützt. Ein jährlicher Beitrag der Stadt Olten von 10'000 Franken wurde 2013 im Rahmen der Sparmassnahmen gestrichen.

An die Finanzierung des «Wärchlade» tragen auch Mitgliederbeiträge des Vereins, Spenden und Sponsoring sowie der Verkauf von Produkten und das Ausführen von kleinen und grossen Kunden-Aufträgen bei. Der Ladenumsatz stieg von gut 10 000 Franken im Startjahr auf 50'000 bis 70'000 Franken.

Arbeit gibt Struktur

Das Konzept der Institution besteht darin, dass die Benützerinnen und Benützer ihre Arbeitszeiten dem Gesundheitszustand und den Fähigkeiten entsprechend einteilen können, mindestens aber sechs Wochenstunden arbeiten kommen müssen.

Sie erhalten keinen fixen Stundenlohn, sondern gewissermassen als Leistungslohn 80 Prozent vom Reinerlös ihres individuell hergestellten Produkts. «Wir rühmen uns dafür, dass die Beschäftigten bei uns keinem Leistungsdruck ausgesetzt sind und sich für einen Gegenstand so viel Zeit nehmen können, wie sie dafür brauchen», betont Veronika Flükiger.

Nach 25 Jahren geht die Leiterin des Wärchlade nun Ende Mai in Pension. Ihre Nachfolgerin Rita von Däniken arbeitet bereits seit 1. Mai 2016 in der Institution mit.

Unter dem Namen «Wärchlade für Olten und Umgebung» besteht mit Sitz in Olten ein Verein im Sinne von Art. 60 ff des Schweizerischen Zivilgesetzbuches. Der Verein ist im Handelsregister eingetragen. Die finanziellen Mittel generiert der Verein aus Jahresbeiträgen der Mitglieder (zurzeit Fr. 50.–), Kantonsbeiträgen, Spenden und letztwilligen Verfügungen sowie Verkaufserlösen. Gemäss Jahresbericht 2014 gab der Verein für die Besoldung der Betreuung rund 230 000 Franken aus, für die Besoldung der Betreuten gut 33 000 Franken.

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