Wangen bei Olten
Nach Volks-Nein zur Unterführung steht auch geplantes Dorfzentrum in der Kritik: «Dieses muss nicht bei der Danzmatt sein»

Nach dem klaren Volks-Nein zur neuen Unterführung in Wangen bei Olten nehmen die vier Dorfparteien Stellung, wie es weitergehen könnte.

Fabian Muster
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Beim geplanten Dorfzentrum auf der Danzmatt soll der Gemeinderat nochmals über die Bücher, finden die Parteipräsidenten (Archiv).

Beim geplanten Dorfzentrum auf der Danzmatt soll der Gemeinderat nochmals über die Bücher, finden die Parteipräsidenten (Archiv).

Bruno Kissling

Knapp 72 Prozent der Stimmbevölkerung will keinen Neubau der Unterführung in Wangen bei Olten. Für FDP-Präsident Laurent Karrer, der sich im Vorfeld der Abstimmung zusammen mit SP- und Grüne-Präsident in einem Leserbrief für ein Ja ausgesprochen hat, war das Ergebnis in seiner Deutlichkeit überraschend. Er führt es unter anderem auf das Nein-Komitee der drei Herren zurück, die im Vorfeld aktiv gegen eine Unterführung geweibelt haben. «Es gab sicher Leute, die an der Gemeindeversammlung Ende April noch dafür stimmten, aber trotzdem ein Nein in die Urne legten.» Karrer verweist auch auf den Umstand, dass der Gemeinderat nicht geschlossen hinter dem Projekt stand.

Weniger öffentlich in Szene gesetzt haben sich laut Grüne-Präsident Martin Blapp hingegen die Befürworter, die weder in einem Komitee noch mit Flyern das Projekt bewarben. Eine Mitverantwortung schiebt er auch dem Gemeinderat zu: Blapp vermisste eine Analyse zur bisherigen Unterführung mit Kosten für die Sanierung inklusive Provisorium während der Umbauzeit sowie einem möglichen Zeitpunkt, ab wann dies nötig ist. «Ich hoffe, dass in 10 bis 15 Jahren kein böses Erwachen erfolgt mit horrenden Kosten für eine Erneuerung.»

Dorfzentrum auf Danzmatt nochmals überdenken

Wie es mit dem geplanten Dorfzentrum weitergehen soll, sind sich die Parteipräsidenten einig. Sie finden es richtig, dass über das Projekt nochmals grundsätzlich nachgedacht wird, wie Gemeindepräsidentin Daria Hof es noch am Abstimmungssonntag ankündigte (siehe gestrige Ausgabe). «Ich fände es zwar schön, wenn es ein Dorfzentrum gäbe, aber dieses muss nicht bei der Danzmatt sein», sagt etwa SP-Präsident Pascal Haussener. Er sei kein Verfechter, unbedingt etwas Neues bauen zu lassen.

Auch SVP-Präsident Christian Riesen ist dem Projekt kritisch eingestellt: In der Mitwirkung, die er als Präsident der damaligen Arbeitsgruppe räumliches Leitbild führte, sei zwar ein neues Dorfzentrum ein Wunsch gewesen. Er verweist aber darauf, dass nur eine kleine Minderheit an diesen Anlässen teilgenommen hat.

«Ein Dorfzentrum muss wachsen und kann nicht einfach hingepflanzt werden.»

Doch auch eine Aufwertung der Dorfstrasse sei nicht so einfach, da man den vielen privaten Liegenschaftsbesitzern keine Vorschriften machen könne.

Martin Blapp ergänzt, dass es schwierig sei, die bestehende Dorfstrasse neben der möglichen Einführung von Tempo 30 baulich aufzuwerten, weil diese eine kantonale Schwerverkehrsroute sei und etwa die Trottoirs kaum verbreitert werden könnten. Für Laurent Karrer hingegen haben die Gegner der Unterführung den Zusammenhang mit dem neuen Dorfzentrum «aufgebauscht»: Aus seiner Sicht dürfe das Projekt nicht einfach begraben werden. Klar sei für ihn allerdings, dass die Bevölkerung sich nochmals dazu äussern soll – etwa in einer Veranstaltung ähnlich wie derjenigen damals anlässlich der Erarbeitung des Räumlichen Leitbildes.

Sich beim Schulraum aus finanziell Machbare beschränken

Zudem ist für Karrer wie auch für Riesen nach dem Volksentscheid klar, dass sich die Investitionen in den Schulraum nach dem finanziell Machbaren ausrichten müssen – wenn möglich ohne Steuererhöhungen. Riesen schreibt in einer Stellungnahme: «Die Stimmberechtigten setzen mit der Ablehnung ein klares Zeichen, dass Wangen den Gürtel enger schnallen und in Zukunft sparen muss.» Karrer ergänzt: «In einem ersten Schritt soll nur die Sanierung und die nach Bedarf ausgewiesene Erweiterung des Schulhauses Hinterbüel erfolgen.» Ob eine Doppelturnhalle mit Festbetrieb für die Vereine nötig ist, dahinter setzt er ein grosses Fragezeichen, vor allem auch bezüglich Standort in einem Wohnquartier und ohne direkten ÖV-Anschluss.

Blapp hingegen findet, dass man den Bürgern reinen Wein einschenken muss: Man dürfe jetzt nicht behaupten, dass keine Steuererhöhung für die Schulraum-Investitionen nötig sei, nur weil keine Unterführung gebaut werde.

Bahnhofsumbau erfolgt erst 2026

Die Bundesbahnen müssen ihre Bahnhöfe wegen des Behindertengleichstellungsgesetz barrierenfrei gestalten. In Wangen bei Olten erfolgen die Umbauarbeiten erst 2026, weil die Planer das Projekt nach dem Volks-Nein zur neuen Unterführung anpassen müssen. Das Projekt werde so geplant, «dass eine spätere Realisierung einer neuen Personenunterführung noch möglich ist», schreibt die Medienstelle auf Anfrage. Ob die SBB auch bereit wären, einen Beitrag an eine Sanierung der bestehenden Unterführung zu bezahlen, wird nicht beantwortet. (fmu)

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