Wangen bei Olten
Busbeschaffung BOGG: Die Hess AG bleibt erneut auf der Strecke

Die Marke MAN schwingt obenaus: Für 3,5 Mio. Franken beschafft die Busbetrieb Olten Gösgen Gäu AG fünf elektrisch betriebene Linienbusse.

Urs Huber
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Die Busse des Typs MAN Lion’s City E werden ab Dezember 2022 auf den Stadtlinien verkehren.

Die Busse des Typs MAN Lion’s City E werden ab Dezember 2022 auf den Stadtlinien verkehren.

zvg

Die Busbetrieb Olten Gösgen Gäu AG (BOGG) will bekanntlich ihre gesamte Flotte bis ins Jahr 2035 auf alternative Antriebe umstellen und tätigt dazu umfangreiche Investitionen. Jetzt hat sie in einem ersten Schritt fünf Elektrobusse bei der MAN Nutzfahrzeuge (Schweiz) AG beschafft, wie einer Medienmitteilung zu entnehmen ist. Diese werden voraussichtlich zum Fahrplanwechsel im Dezember 2022 auf den Buslinien 503 und 509 in der Stadt Olten ihren Betrieb aufnehmen.

Hess AG aus Bellach kam nicht zum Zuge

Die Ausschreibung für die fünf Elektrobusse ist nach öffentlichem Beschaffungsrecht (GATT/WTO) erfolgt. «Dabei riefen 13 Unternehmen die Ausschreibungsunterlagen ab und sieben Anbietende reichten schlussendlich eine Offerte ein», wie die BOGG AG weiter schreibt. Sechs Unternehmen konnten ein Fahrzeug zur Beurteilung und Probefahrten auf dem Liniennetz zur Verfügung stellen und erfüllten damit alle entscheidenden Kriterien zur Beurteilung. Nicht so die Carrosserie Hess AG in Bellach.

«Wir haben uns mehrfach um ein Testfahrzeug bei der Hess AG bemüht»,

so Dieter Leu, Verwaltungsrat BOGG und Leiter der Arbeitsgruppe Flottenmanagement. Ohne Erfolg. «Das ist schade», bemerkt Leu.

«Aber unter diesen Umständen wurden, wie bereits erwähnt, nicht alle unsere Beschaffungskriterien erfüllt.»

Dieser Umstand ist umso delikater, weil der Busbetrieb Solothurn und Umgebung im Mai die Beschaffung von Elektrobussen von Scania beschlossen hatte, was auf ein breites Medienecho stiess und auch in weiten Kreisen kontrovers diskutiert wurde.

Die Hess AG mochte den Entscheid noch nicht kommentieren und teilte auf Anfrage mit: «Wir bedauern den gefällten Entscheid der BOGG natürlich. Wir werden jedoch die Auswertung erst in den kommenden Tagen vornehmen können und gegebenenfalls ein Statement abgeben.»

Den Zuschlag der BOGG erhielt nun die MAN Nutzfahrzeuge (Schweiz) AG im zürcherischen Otelfingen. «Die Offerte von MAN Nutzfahrzeuge (Schweiz) AG im Umfang von rund 3,5 Millionen Franken hat sämtliche Beschaffungskriterien am besten erfüllt und erzielte insbesondere den besten Kosten-/Nutzen-Vergleich», begründet Dieter Leu den Entscheid. Ab dem 02. Juli 2021 läuft nun die gesetzlich vorgegebene Rekursfrist von zehn Tagen.

Unterwegs auf den Stadtlinien 503 und 509

Bei den bestellten Bussen handelt es sich um fünf zweiachsige Busse des Typs MAN Lion’s City E. Diese werden auf den innerstädtischen Linien 503 und 509 verkehren. Die Fahrzeuge verfügen mit komplett geladenen Batterien über eine Reichweite von rund 200 Kilometern. Um eine Tagesleistung auf den betreffenden Linien fahren zu können, sind die Busse auf eine Unterwegs-Lademöglichkeit an der Endhaltestelle Bornfeld angewiesen. Zudem können die Busse im BOGG-Depot in Wangen bei Olten geladen werden. MAN Nutzfahrzeuge (Schweiz) AG liefert die bestellten Busse im Herbst 2022 aus. Dann finden intensive Schulungsfahrten statt. Zudem werden die Fahrzeuge bei einem speziellen Anlass einer interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. Die definitive Inbetriebnahme ist zum Fahrplanwechsel im Dezember 2022 geplant.

Im Rahmen der Fahrzeugstrategie 2035 plant die BOGG, die gesamte Flotte von Erdgas- und Dieselbetriebenen Bussen auf alternative Antriebstechniken umzustellen. «Die Klimaerwärmung und die in der Folge notwendige Abkehr von fossilen Brennstoffen sind ein wichtiges gesellschaftliches und wirtschaftliches Thema. Auch die BOGG will mit dem Einsatz ressourcenschonender Fahrzeuge ihren Beitrag leisten zur Vermeidung unnötiger CO2-Emissionen und zur Schonung der Umwelt», so Leu weiter.

Umstellung nimmt Jahre in Anspruch

Die Umstellung der Flotte dauert allerdings mehrere Jahre, da die Busse jeweils erst zum Ende ihres Lebenszyklus ersetzt werden. «Aufgrund der aktuell noch notwendigen Unterwegs-Lademöglichkeit setzen wir auf eine linienweise Umstellung. Wir rechnen aber damit, dass sich mit der Weiterentwicklung der Elektrobusse auch die Kapazität der angebotenen Batterien erhöhen wird. Somit wird möglich, ganze Tagesleistungen ohne Unterwegs-Lademöglichkeit fahren zu können und die Busse ausschliesslich in den Depots zu laden», erklärt Leu.

Die Umstellung auf den Elektrobusbetrieb erfordert zusätzliche Investitionen und ist nur dank finanzieller Unterstützung von Partnern möglich. «Mit dem Kanton Solothurn und der Stiftung myclimate haben wir zwei solche an unserer Seite, welche die Mehraufwände für E-Mobilität mitfinanzieren.»