Olten
Wandschmiererei «Fuck €» rückt den Gastgeber in ein vermeintlich schiefes Licht

«Tja, was sollen denn meine Gäste davon halten?», fragt der Betreiber des «Bed and Breakfast Olten», als er an der Hauswand ein gespraytes «Fuck €» entdeckt.

Urs Huber
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Erste Wut vorbei; mittlerweile wartet Reto Derungs auf den Maler, der die Wandschmiererei beseitigt.

Erste Wut vorbei; mittlerweile wartet Reto Derungs auf den Maler, der die Wandschmiererei beseitigt.

Urs Huber

Wütend sei er gewesen, wie er von den Ferien am vergangenen Samstag nach Hause gekommen sei. «Und nicht weil die Ferien zu Ende gingen», sagt Reto Derungs noch. Dann lacht er kurz.

Die Wut hat mittlerweile der Betriebsamkeit Platz gemacht. Was den Mann von «Bed and Breakfast Olten» so in Rage versetzt hat, hält derzeit eine Plane versteckt.

Vergangene Woche nämlich hatte irgendjemand via Spraydose den Euro mit unsympathischen Worten ins Pfefferland gewünscht und für diese Botschaft Derungs’ Gebäudewand missbraucht. «Ich weiss nicht, wann der Vorfall passierte, aber es ist natürlich nicht eben sehr einladend, wenn solche Botschaften das Haus eines Betriebes zieren, der auch von ausländischen Besuchenden lebt.» Und er schiebt hinterher: «Tja, was sollen denn meine Gäste davon halten!»

Für Derungs nämlich sind sie alle gleichwertige, gute Kunden. Die Hälfte von ihnen stammt aus der Schweiz, die andern kommen mehrheitlich aus den Niederlanden, Belgien, Deutschland und bleiben im Schnitt zwischen zwei und drei Tagen. Aber auch Gäste aus China und Indien heisst Derungs willkommen.

Im Zeichen des 9. Februar?

Derungs bringt den Vorfall mit der Abstimmung vom 9. Februar in Verbindung. Und mit der Tatsache, dass sein Betrieb seit rund anderthalb Jahren eine gehisste Europaflagge als Zeichen der Gastfreundschaft draussen hängen hat.

Obwohl: «Genau kann ich das natürlich nicht sagen, es ist eine Vermutung meinerseits», räumt er ein. Junge frustrierte Mitbürger vermutet er hinter der Tat. Jedenfalls niemanden aus dem Bekanntenkreis oder etwa der Nachbarschaft. Er winkt ab. «Nein, nein», sagt er.

Sicher ist für den Bed und Breakfest-Betreiber dagegen eines. Wäre die Europaflagge nicht so weit über Grund angebracht, sie wäre längst zerschlissen worden, von Menschenhand – versteht sich. Derungs nickt.

Von einer Anzeige gegen unbekannt hat er abgesehen. «Bringt ja nichts», sagt er in einer für ihn schon fast untypisch nüchternen Manier. Und eine Videoüberwachung schliesst er auch aus. Die Idee ist ihm unsympathisch. Am Ende der Stichstrasse gelegen, nur fünf Fussminuten vom Bahnhof und fünf Autominuten vom nächsten Autobahnanschluss entfernt, wie die Homepage verrät, hält er solches für völlig überrissen.

Abgedeckt – auf Maler warten

Inzwischen hat der Mann die fragliche Stelle mit Folie abgedeckt und wartet auf den Maler, der den mit Spraydose aufgebrachten Schriftzug überstreicht. «Allenfalls wird die Wand so präpariert, dass ich sie selbst reinigen könnte», sinniert der Geschädigte vor sich hin.

Auch wenn der Schaden unter Versicherungsleistungen abgebucht werden kann: Der Selbstbehalt bleibt auf Derungs’ Geldbeutel liegen. Und das lässt den einst grossen Ärger bei ihm dann doch wieder ein bisschen hochkommen.