Seit fast 65 Jahren schmückt ein Wandmosaik den Eingangsbereich zur Aula der heutigen kaufmännischen Berufsschule in Olten; eine lange Zeit. Lange genug jedenfalls, um von der Öffentlichkeit schier vergessen zu werden. Jedenfalls ist der Name des Schöpfers kaum mehr präsent. Der Oltner Historiker Urs Amacher hat die Geschichte des Mosaiks und die seines geistigen Vaters, Albert Häubi, mit einer kleinen Broschüre ans Licht gezerrt.

Vielerlei freiwillig Mitwirkende

Rund 4000 Franken hatte der ganze Wandschmuck, 15 Quadratmeter gross, seinerzeit gekostet, verrät Amacher. Mitgewirkt hatten gut 40 damalige Berufsschüler, der Maurer Onorato Casot und weitere Erwachsene. Das Projekt entstand zur Einweihung des neuen Berufsschulhauses 1955.

Häubi, Zeichenlehrer an der kunstgewerblichen Abteilung der Oltner Gewerbeschule, hatte die Vorbereitungen zum Werk in den Unterricht einfliessen lassen. «Er konnte so die Schüler kreativ beschäftigen, indem er die Zimmermannslehrlinge für das Schreinern der Holzrahmen oder die Maurerlehrlinge zum Giessen des Zementfonds für die Mosaikplatten einsetzte», schreibt Amacher.

Auch die Auswahl der farbigen Steine machte Häubi mit seinen Schülern, so etwa in Egerkingen und Röschenz. Allerdings herrschte bei den Arbeiten nicht immer eitel Sonnenschein: Mit dem beigezogenen Mosaizisten Walter Eglin zerstritt sich Häubi schon nach kurzer Zeit, sodass sich der Baselbieter nach «einigen praktischen Anleitungen wieder zurückzog», hält Amacher fest.

Das Mädchen mit Blumenstrauss

Die 1950er-Jahre: Zeit des Pathos, des feierlichen Ergriffenseins, des leidenschaftlich-bewegten Gefühlsausdrucks. Und auch die Zeit, in der Sponsoren noch Donatoren hiessen. Die Ersparniskasse Olten hatte die Freizeit- und Gemeinschaftsarbeit unterstützt, mit der gemäss Häubi «ein frohes Symbol unserer heranwachsenden Jugend» (das Mädchen mit Blumenstrauss) und der Baum des Lebens zusammen mit Gott Merkur vereint wirken.

Der römische Gott ruft «zur Tat in Handel und Gewerbe auf», erklärte Häubi damals. «Damit möchte in der Gesamtkomposition der eigentlichen Zweckbestimmung des Hauses gedient sein: die Jugend zu erziehen zu tüchtigen Mitarbeitenden für Handel, Gewerbe und Industrie. Über der ganzen Szene aber leuchtet als ewige Lebensspenderin eine hell strahlende Sonne.» So interpretiert der 1963 verstorbene Häubi die Botschaft seines Mosaiks abschliessend.