Hägendorf

Wanderung durch Vergangenheit des Dorfs

Hans A. Sigrist (Bildmitte mit blauer Jacke) sagt nach neun historischen Begehungen in Hägendorf Ade.

Hans A. Sigrist (Bildmitte mit blauer Jacke) sagt nach neun historischen Begehungen in Hägendorf Ade.

Auf der neunten und letzten Geschichtswanderung mit Dorfchronist Hans A. Sigrist werden Schauplätze im Mittel- und Oberdorf vorgestellt.

Acht Geschichtswanderungen hat der Dorfchronist Hans A. Sigrist im Umkreis seiner Wohngemeinde bereits angeleitet. Am letzten Samstagmorgen nun lud er zusammen mit dem Verkehrs- und Verschönerungsvereins Hägendorf zur neunten Ausgabe seiner Führung durch die Gemeinde ein. Und am Ende des Rundgangs verabschiedete er sich: «Dies war meine letzte historische Tour». Nach den Wanderungen auf den Allerheiligenberg im ersten Jahr und in den folgenden Jahren etwa zum Burgerrain oder Eggberg waren mit der heurigen Route durchs Mittel- und Oberdorf ziemlich alle Dorfgebiete abgedeckt, bilanzierte Sigrist und befand: «Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören».

Ein Dorf auf dem Schuttkegel

Die neunte und also letzte Geschichtswanderung startete am Ausgang der Teufelsschlucht. Wie gewohnt begann Hans Sigrist seine Ausführungen in der Urzeit. Der Cholersbach hat sich in den letzten Jahrtausenden tief ins Gestein eingegraben und dort, wo auf seinem Weg vom Jura in die Dünnern-ebene das Gefälle abnimmt, sein Geröll, Kies und Sand abgelagert. Dadurch bildete sich ein fächerförmiger Bachschuttkegel. Diese Erhebung am Rand des sumpfigen Gäus bot den im 7. Jahrhundert einwandernden Alemannen eine ideale Siedlungsfläche. Die Sippe des Hagano baute ihre Häuser entlang der Lebensader Cholersbach. So entstand ein typisches Bachzeilendorf. Der auf Hagano zurückgehende Ortsname Hägendorf erscheint allerdings erst 1036 zum ersten Mal in einer Urkunde.

Erinnerungen ans Hochwasser

Bei der Abzweigung Eigasse–Kirchrain steht ein Brunnen mit zwei eingemeisselten Jahreszahlen. Die erste Zahl 1821 ist wohl das Jahr, in welchem dieser, der Kirchrainbrunnen, erstellt wurde. Die zweite Jahreszahl 1926 erinnert an das grosse Hochwasser, in welchem das ganze Gäu überschwemmt wurde. Auch der Cholersbach brachte viel Geschiebe, füllte das Bachbett und trat über die Ufer; damit setzte er ganz Hägendorf unter Wasser und beschädigte auch den Kirchrainbrunnen.

Etwas oberhalb dessen Trog bauten 18 Familien 1824 ein gemeinsames Waschhaus, der Einfachheit halber direkt über dem Bach. Das hatte den Vorteil, dass kein Boden beansprucht werden musste, die Wasserversorgung und -entsorgung gewährleistet war und bei einem Brand – das offene Feuer war immer ein Gefahrenherd – das Löschwasser nicht weit hergeholt werden musste.

Leben an der Kreuzung mit Fuhrleuten

Jedes Haus am Dorfbach hatte früher ein eigenes Brücklein, um auf die Dorfstrasse zu gelangen. Eine grössere Brücke wurde dort gebaut, wo die überregionale Landstrasse von Solothurn Richtung Olten und Aarau den Dorfbach überquerte. An dieser Kreuzung von Dorfstrasse und Landstrasse machten die Fuhrleute Rast. Hier bestand schon 1366 eine Taverne. 1760 verfügte die Solothurner Obrigkeit, dass ein Wirtshausschild angebracht werde, damals eine Holztafel mit einer goldenen Sonne auf blauem Grund. Bis zum Bau der Gäubahnlinie 1876 war hier auch eine Haltestelle für die Postkutsche auf der Linie Aarau–Solothurn. Mit dem Rössli, Kreuz und Tell konzentrierten sich hier weitere Wirtshäuser. Der Gasthof Teufelsschlucht entstand 1867 als Pinte, zuerst Borner, dann Flury und erhielt den heutigen Namen erst 1902 mit der Eröffnung der Teufelsschlucht. Zu einigen anderen Häusern, Flurnamen, Steinkreuzen und Wegen wusste Hans Sigrist viel aus der Vergangenheit zu berichten. André Kamber als Präsident des Verkehrs- und Verschönerungsvereins verabschiedete den Hägendorfer Guide am Ende der Tour und bedankte sich bei ihm im Namen aller.

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