Hägendorf

Wanderung durch den Burgerrainwald führt auch an 150'000-jährigem Findling vorbei

Dorfchronist Hans A. Sigrist informierte über die Geschichte des Burgerrains.

Dorfchronist Hans A. Sigrist informierte über die Geschichte des Burgerrains.

Hans A. Sigrist liess bei einer Führung durch den Burgerrainwald die lokale Geschichte aufleben.

Im Auftrag des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Hägendorf (VVH) führte Hans A. Sigrist am Samstagmorgen eine Gruppe von gut vierzig Interessierten durch das Gebiet oberhalb von Hägendorf. Thema dieser inzwischen 7. Geschichtswanderung war der «Burgerrain», die Waldungen am Jurahang über dem Berggäuer Dorf.

Besammlungsort war der Schiessplatz «Gnöd». Der eigentliche Startpunkt der Wanderung lag jedoch beim sogenannten «Geissbergerstein», einem Findling aus der letzten Eiszeit, der vor rund 150'000 Jahren auf dem Rücken der Gletscher von den Alpen nach Hägendorf geritten kam. Während handlichere erratische Blöcke später beim Häuserbau Verwendung fanden, blieb der grösste Felsbrocken am ursprünglichen Ort, er musste nur wegen der Strassenverbreiterung wenige Meter weichen.

Dem «Chatzestrick» auf der Spur

Gleich oberhalb liegt das Areal des «Chatzestricks», eine bewaldete Flur, deren Namen wohl auf das alte Wort Strick für Pfad, Weg zurückgeht. Südlich daran anschliessend erstreckt sich der «Burgerrain»; dieses grosse Waldstück misst in der Ost-West-Richtung 1,5 km und in der Nord-Süd-Ausdehnung 0,5 km. Seine Grenzen sind durch natürliche Landmarken wie Bachläufe oder Felsen bestens definiert. Das sorgte, wie Sigrist festhielt, für klare Verhältnisse, was Grenzstreitigkeiten gar nicht erst aufkommen liess.

In früheren Zeiten besass die Obrigkeit in Solothurn die Hoheit über den Forst. Sie überliess aber der Gemeinde Hägendorf ein genau umrissenes Gebiet zur kollektiven Nutzung. Allerdings waren nur eingesessene Dorfbewohner, die «Burger», berechtigt, Holz aus dem Wald zu beziehen, so Sigrist. So erhielt die am Hang («Rain») über dem Dorf gelegene bestockte Allmend den Namen «Burgerrain».

Apropos Nutzung: Seit 1949 ist der «Burgerrain» durch Holzrückwege, zwei kräftige Waldstrassen und einen Ladeplatz erschlossen. Früher aber schlug man beim winterlichen Holzen sogenannte Schlittliwege senkrecht zum Hang in den Wald und leitete die Stämme durch diese Schneisen so ins Tal.

Während der rund zweistündigen Wanderung wusste Hans A. Sigrist noch manch Interessantes über die geschichtlichen Hintergründe des Waldes zu berichten.

Zwei Eckpunkte prägten den Rundgang durch den «Burgerrain». Der eine war die prähistorische Wehranlage aus der Jungsteinzeit, deren Wall und Graben man im Gelände nur wahrnahm, weil Sigrist auf sie hinwies. Hier wurden bei Ausgrabungen ein Steinbeil und ein Reibstein für eine Handmühle gefunden, Spuren der menschlichen Anwesenheit vor 5000 Jahren.

Der zweite Eckpunkt lag auf der «Fluh». Sie begrenzt das Waldstück «Hinterfluh», das die Gemeinde Hägendorf 1687 zusätzlich zum «Burgerrain» zur Holznutzung erhielt. Auf der Felsnase der Fluh befindet sich ein Vermessungspunkt, der im Sockel mit 21. April 1969 datiert ist und beim Bau der Belchen-Autobahn markiert wurde. Damit war die Wanderung zeitlich wieder in der nahesten Vergangenheit angekommen.

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